1899: „Das Rad ist kurz davor zu überdrehen!“

Alexander Rosen warnt angesichts aktueller Entwicklungen davor, dass sich der Profi-Fußball immer mehr von den Fans entfernt. „Wir müssen aufpassen. Das Rad ist kurz davor zu überdrehen“, sagt der Direktor Profifußball der TSG Hoffenheim in der am 14. Juli erscheinenden Ausgabe des Klubmagazinns. „Der Terminplan wird immer absurder und ich glaube, dass man die Menschen nicht mit Reizen komplett überfluten darf. Dadurch geht das Besondere verloren.“ Der 38-Jährige sieht die Klubs dabei in der Verantwortung: „Durch so surreale Geschichten im Hintergrund wie etwa Transferbeteiligungen von Beratern im achtstelligen Bereich entsteht eine immer größer werdende Distanz. Das verstört die Menschen zurecht und es entfernt sie vom ursprünglichen Kern, nämlich dem Spiel an sich. Noch haben wir Wachstumsraten und es ist unsere Aufgabe, dieses Niveau zu halten, ohne dabei die Liebe zum Spiel zu verlieren.“

Im Interview spricht Alexander Rosen auch über die Besonderheiten der Kaderplanung vor der ersten Europapokal-Teilnahme der TSG Hoffenheim, über sein besonderes Verhältnis zu Trainer Julian Nagelsmann und den Umgang mit den steigenden Summen, mit denen mittlerweile auf dem Transfermarkt jongliert wird. „Es gibt den Moment, da kommst Du aus einer Verhandlung und fragst Dich: Über was rede ich hier eigentlich und was könnte man mit all dem Geld eigentlich bewirken?“ Dass die Gehälter steigen, kann Rosen aber nachvollziehen. „Das ist nun einmal das Geschäft und die Spieler bilden eine besondere Gruppe von – nennen wir sie Künstler -, die im Mittelpunkt stehen und ohne die es dieses absolute Premiumprodukt überhaupt nicht geben würde. Das Geld ist im Markt und die Jungs haben auch nur eine begrenzte Zeit, in der sie auf diesem Niveau Fußball spielen können. Vor diesem Hintergrund sehe ich die Summen eher als eine Art Tauscheinheit.“ Für die Zukunft erwartet der TSG-Sportdirektor durch den neuen TV-Vertrag einen weiteren Anstieg. „Am Beispiel der Premier League sieht man am deutlichsten, dass das in den Markt fließende Geld nicht auf die Konten gelegt, sondern direkt wieder verteilt wird. Um mitzuhalten wird jeder Klub auf seinem Niveau das Geld auch wieder verteilen.“