1899: Diskussionen um Klassen-Gesellschaft

Sinsheim. Die Aufteilung des Kaders der TSG Hoffenheim in zwei Trainingsgruppen sorgt für Diskussionen beim Fußball-Bundesligisten. Trainer Markus Gisdol machte den „aussortierten“ Spielern am Samstag beim Laktattest in Sinsheim zwar Mut („die Tür ist für jeden Spieler weiter offen!“), ließ aber keinen Zweifel daran, dass die Entscheidung angesichts des großen Kaders nötig war: „Wir haben das so geregelt, um effizient trainieren zu können.“ Zu seinen Beweggründen wollte sich der Coach vor den zahlreichen Journalisten nicht weiter äußern. „Zu einzelnen Spielern werden Sie von mir nichts hören. Ich habe mit jedem Spieler einzeln gesprochen und ihm die Gründe dargelegt“, so Gisdol.

Einer der Akteure, die in die sog. „Trainingsgruppe zwei“ abgeschoben wurden, ist Eren Derdiyok. Der Schweizer wehrt sich nun gegen seine Degradierung: „Wir haben alle enttäuscht. Es kann nicht sein, dass ich jetzt der Buhmann bin“, sagte Derdiyok beim TV-Sender Sport1. Der Angreifer, der erst vor einem Jahr in Hoffenheim anheuerte, klagt, dass ihm „Dinge versprochen wurden, die am Ende nicht eingehalten wurden. Es wurde viel falsch gemacht.“

Gisdol habe ihm gesagt, dass es nichts mit seinem Charakter zu tun habe. Man wolle mit den Jugend-Spielern eine neue Planung. Den Kopf werde er aber nicht hängen lassen. „Ich komme da raus, wenn ich eine neue Chance bekomme, erklärte der eidgenössische Auswahlspieler.

Für Staunen sorgt auch die Ausbootung von Tobias Weis. Der Mittelfeldspieler, am Ende der vergangenen Saison ein Leistungsträger der TSG, soll sich einem Bericht des „kicker“ zufolge bei der Nichtabstiegsfeier mit Daniel Williams (inzwischen nach England gewechselt) gezofft haben.

In der Mannschaft werde über die neue Klassengesellschaft natürlich diskutiert, sagte Kapitän Andreas Beck. Bewerten wollte der Blondschopf den ungewönhlichen Schritt aber nicht. „Wenn die sportliche Führung das so entscheidet, wird sie ihre Gründe dafür haben. Uns gegenüber wurde das nicht kommuniziert. Ich weiß nicht, wie die Verträge der Jungs aussehen und was unter vier Augen besprochen wurde“, so Beck. Man müsse das alles erstmal sacken lassen.

Die neue Spielzeit soll nach den traumatisierenden Erfahrungen der vergangenen Monate deutlich entspannter werden. „Wenn wir eine sorgenfreie Saison spielen, haben wir viel erreicht“, sagte Gisdol, der keine Diskussion über einen anzustrebenden Tabellenplatz eröffnen wollte. Klartext redete er allerdings beim Thema Neuzugänge: Der Schwabe fordert Verstärkungen. „Es ist kein Geheimnis, dass uns noch Torgefahr fehlt.“ Den Österreicher Philipp Hosiner von Austria Wien hat Gisdol deshalb noch längst nicht abgeschrieben. „Ich glaube nicht, dass der Poker schon beendet ist“, so der TSG-Chefcoach.

Beim Laktattest dabei: Die Neuzugänge Tarik Elyounoussi (Rosenborg Trondheim) und Kevin Akpoguma (Karlsruher SC). Sie reisen am Sonntag mit ins Trainingslager nach Westerburg. Das zweite Trainingslager der Hoffenheimer in diesem Sommer findet in Leogang (Österreich) statt. Dass dies einst auch unter Ralf Rangnick so war, bezeichnete Gisdol als „Zufall“.
Mehr zum Trainingsstart der TSG Hoffenheim am Montag im RNF Sportreport. (wg)