1899 Hoffenheim: Gisdol setzt weiter auf junge Talente

Nein, Kopfrechnen mochte Markus Gisdol auch am Donnerstag nicht. «Ich mache da definitiv keine Ansagen. Da ist bei mir nichts zu holen», sagte der Trainer von 1899 Hoffenheim auf Fragen zur Situation im Abstiegskampf. Es bleibt die Haltung des 43-Jährigen seit seinem Amtsantritt vor rund vier Wochen: «Ich mache mir wirklich keine Gedanken über das, was nach dem Spiel wäre.» Drei Punkte trennen die Kraichgauer vor der so wichtigen Partie am Samstag (15.30 Uhr) beim Mitkonkurrenten Werder Bremen vom Relegationsplatz der Fußball-Bundesliga.

Bei einer Niederlage in Bremen und gleichzeitigen Erfolgen der Düsseldorfer in Frankfurt und der Augsburger am Sonntag in Freiburg könnten die Hoffenheimer praktisch einpacken. «Wenn es schlecht läuft, kann es vorbei sein. Dann könnten wir schon abgestiegen sein, denn das Torverhältnis spricht klar gegen uns», sagte Sejad Salihovic im «Kicker»-Interview. Der zuletzt so starke Mittelfeldspieler ist aber optimistisch: «Ich bin weiter überzeugt, dass wir das noch schaffen können.» Bremen habe mehr zu verkraften und verlieren als die TSG.

Dass seine Profis über mit der Situation im Tabellenkeller sprechen, akzeptiert Gisdol natürlich: «Spieler denken immer anders wie Trainer. Ich gebe nicht vor, woran sie denken sollen und woran nicht. Ich nehme es ihnen nicht übel, im Gegenteil. Es zeigt ihren grenzenlosen Ehrgeiz, dass sie am Schluss das Gleiche erreichen wollen wie ich auch.»

Vor seinem Amtsantritt sei Hoffenheim «ein angeschossener Tiger» gewesen. Dass Gisdol der TSG dank veränderter Spielweise und sieben Punkten aus vier Spielen neue Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt gegeben hat, will er nicht überbewerten. Er sei «kein Wunderheiler» und wolle die Erwartungshaltung im Kraichgau nicht ins Grenzenlose schießen lassen: «Wir haben noch unglaublich viel Luft nach oben.»

Dabei möchte Gisdol den Club vor allem mit jungen Talenten voran bringen. U 21-Nationalspieler Thesker stellte er zuletzt gegen Nürnberg in die Startelf und beorderte zudem die A-Jugendlichen Jeremy Toljan und Patrick Schorr in den Kader, ebenso Andreas Ludwig und Robin Szarka aus der U 23. Dafür mussten etablierte Kräfte wie Matthieu Delpierre, Patrick Ochs oder Stephan Schröck auf der Tribüne Platz nehmen.

«Ich bin nicht zuständig für die Launen unserer Spieler. Es ist so, dass mir egal ist, ob ein Spieler 17 oder 34 ist», erklärte der TSG-Chefcoach. «Dann ist es auch egal, was einer kostet. Ich nehme die Spieler mit, die mich überzeugt haben. Das hat auch mit dem Thema Schnelligkeit zu tun.»

In Bremen erneut nicht dabei sein werden die verletzten Danny Williams, Heurelho Gomes und Eren Derdiyok sowie der gesperrte Eugen Polanski. Mittelfeldakteur Tobias Weis (Hüftprellung) ist weiter angeschlagen, soll aber am drittletzten Spieltag auflaufen. Auch der langjährige Werder-Profi Tim Wiese wird wahrscheinlich nicht mit in den Norden reisen. «Das ist aktuell nicht geplant», sagte Gisdol. Der Ex-Nationaltorwart sitzt seit Wochen nur auf der Tribüne.

Die Bremer seien schwer einzuschätzen. «Sie sind speziell zu Hause ein sehr gefährlicher Gegner. Sie wollen offensiv agieren und sich viele Chancen herausspielen», so Gisdol über den seit zehn Spielen sieglosen Gegner. Sein Werder-Kollege Thomas Schaaf sei «für jeden Trainer, speziell für uns jungen, ein Orientierungspunkt gewesen. Es tut mir für ihn leid, dass die Bremer in dieser Situation sind, aber er wird weiter seinen Weg gehen.» (dpa)