1899: Hoffenheimer verärgern ihren Trainer: Nagelsmann „richtig sauer“

Auch die Frage nach dem Vereinsrekord war an diesem Tag nichts, was die Miene von Julian Nagelsmann aufhellen konnte. Nach elf Spieltagen ist 1899 Hoffenheim ungeschlagen, das gab es noch nie in der gut achtjährigen Bundesliga-Geschichte der Kraichgauer. Doch beim 2:2 (1:1) gegen Schlusslicht Hamburger SV fühlte sich der Trainer erstmals seit seinem Amtsantritt im Februar im Stich gelassen. Der 29-Jährige war am Sonntagabend „richtig sauer“ – weil sich seine Mannschaft nicht an seinen Plan gehalten habe. Mit einem Sieg wäre die TSG als Tabellendritter zum nächsten Spiel am Samstag in Mönchengladbach gefahren. Und ein Dreier wäre locker drin gewesen, wenn nicht die Stürmer – allen voran Andrej Kramaric – die Chancen so nachlässig verballert hätten. „Ich bin immer stinkig, wenn wir verlieren“, erklärte Nagelsmann. Es sei aber nicht so, dass er diesen Rückschlag „von der Rübe her“ nicht richtig einordnen könne.  Bisher hatten die Hoffenheimer einen tollen Lauf, sind nun aber über die eigenen Füße gestolpert. Mit der gestiegenen Erwartungshaltung habe das aber nichts zu tun, sagte Nagelsmann: „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen, das lag heute schon vor allem an der Chancenverwertung.“ Mittelfeldspieler Steven Zuber, Torschütze neben Sandro Wagner, räumte kleinlaut ein: „Man muss schon sagen, dass das nicht unser bestes Spiel war.“ Wagner formulierte es ähnlich, meinte aber: „Wir sollten nicht so vermessen sein zu glauben, dass wir jeden aus dem Stadion schießen.“  Einige 1899-Spieler blieben deutlich unter ihrer Topform. Der diesmal unauffällige Ex-Hamburger Kerem Demirbay zum Beispiel, Jung-Nationalspieler Niklas Süle, der vor dem zweiten Gegentor durch Nicolai Müller patzte, Ermin Bicakcic als eingewechselter Vertreter von Abwehrchef Kevin Vogt (Adduktorenzerrung) – und vor allem Kramaric. „Er steht jetzt in der Pflicht, zu treffen“, sagte Nagelsmann unverblümt. „In der kroatischen Nationalmannschaft trifft er ja auch.“ Am meisten aber ärgerte sich Nagelsmann darüber, dass seine Spieler nicht die taktischen Vorgaben umgesetzt hatten. Dabei habe es in der Halbzeit in der Kabine eine Videoanalyse gegeben. „Wir haben uns nicht an unseren Plan gehalten, das nervt“, sagte er und erklärte: „Ich mag diese frontalen Bälle ins Zentrum nicht.“ Auch das Umschalten nach Ballverlust habe oft nicht funktioniert. Dinge, die den Taktikfanatiker an der Seitenlinie fast wahnsinnig machten. (dpa/lsw)