1899: Kuranyi „wie ein großer Bruder“

Kevin Kuranyi hatte Spaß. Ob beim ersten Training mit den neuen Mannschaftskollegen bei der TSG 1899 Hoffenheim oder dem anschließenden Autogramme schreiben für die gut 250 Fans – fünf Jahre nach seinem Abschied aus der Fußball-Bundesliga genoss der Ex-Nationalspieler seinen ersten öffentlichen Auftritt für seinen neuen Arbeitgeber (RNF berichtete). „Ich freue mich sehr, zurück zu sein“, betonte der inzwischen 33 Jahre alte Stürmer am Freitag nach zuletzt Wochen mit
fast ausschließlich Einzeltraining.

Die große Torgefahr strahlte Kuranyi in seinem ersten Trainingsspiel noch nicht aus, dafür aber danach das Selbstbewusstsein eines Profis mit viel Erfahrung. Er sehe seine Rolle in Hoffenheim als Führungsspieler und fühle sich „wie ein großer Bruder, der die jungen Spieler an die Hand nimmt“, erklärte der frühere Torjäger des VfB Stuttgart und von Schalke 04, der die vergangenen fünf Jahre für
Dynamo Moskau aktiv war. Sein Ziel sei zudem, „so viele Tore zu schießen wie möglich, um der Mannschaft zu helfen.“ Genau für diese Aufgaben hat Hoffenheim dem 53-maligen Nationalspieler einen Einjahresvertrag mit Option gegeben. „Wir haben eine der jüngsten Mannschaften der Liga, einer wie Kevin tut ihr gut“, sagte TSG-Sportdirektor Alexander Rosen. Kuranyi solle nach den Abgängen von Routiniers wie Andreas Beck und Sejad Salihovic sowie Spielmacher Roberto Firmino einer der „Eckpfeiler“ sein. Zusammen mit Torhüter Oliver Baumann, Eugen Polanski und Kevin Volland. Rosen
sagte aber auch, dass erst der Weggang von Stürmer Sven Schipplock zum Hamburger SV die Tür für Kuranyi geöffnet habe: „Sonst hätten wir es wohl nicht gemacht.“

Kuranyi machte keinen Hehl aus seiner Zufriedenheit, dass es mit dem Wechsel „zu diesem tollen Verein“ klappte. „Ich habe immer gesagt, dass ich zurück in die Bundesliga will. Jetzt bin ich wieder ganz
nahe meiner Heimat“, sagte der Deutsch-Brasilianer, der sich in Stuttgart zu Hause fühlt. Mit seiner Frau und den beiden Kindern wird er aber ein Haus in der Nähe seines neuen Arbeitgebers beziehen.
Kuranyi freut sich darauf, dass ihm die Familie nun wieder öfters beim Fußball spielen zusehen kann. Bei seinem ersten Training mit dem Team der TSG waren auch Vater und Bruder in Zuzenhausen. Konditionell und spieltechnisch sieht Kuranyi für sich nochNachholbedarf. „Die Mannschaft ist mir ein paar Schritte voraus. Ich werde aber alles dafür tun, mich so schnell wie möglich anzupassen, damit ich in der Bundesliga spielen kann“, sagte Kuranyi, der in Hoffenheim wie schon in Stuttgart, auf Schalke und in Moskau die Rückennummer 22 bekommt. Erstes Pflichtspiel ist für Hoffenheim am kommenden Wochenende die Erstrundenbegegnung im DFB-Pokal bei 1860 München. Eine Woche später
geht es beim Bundesliga-Auftakt gegen Bayer Leverkusen.  (dpa/wg)