1899: Unsere Meinung zum Trainerwechsel

Dass Markus Gisdol gehen musste, war abzusehen. Der stockende Neuaufbau mit entsprechender sportlicher Bilanz, das verflogene Vertrauen von Dietmar Hopp, dazu der erneut ungenügende Auftritt der Mannschaft in Gisdols Schicksalsspiel gegen Hamburg: Die Zeit des 46jährigen war trotz seiner erfolgreichen Sanierungsarbeit nach dem Fast-Abstieg 2013 abgelaufen, spätestens nach dem Gespräch zwischen Hopp und Mannschaftsrat vergangene Woche war der Schwabe nur noch Trainer auf Abruf. Immerhin vermieden die TSG-Verantwortlichen mit seiner Beurlaubung eine weitere unwürdige Woche voller Unsicherheit, Argwohn, Indiskretionen und Mutmaßungen. Nun also Huub Stevens, 61 Jahre alt. Die Verzweiflung bei 1899 muß groß sein: Lieber der undiplomatische Knurrer von Kerkrade als mit der jungen Mannschaft weiter im Abstiegskampf versinken. Zweimal rettete der Holländer zuletzt den VfB Stuttgart vor dem Fall ins Unterhaus – seine Mission heißt Rettung in der Not. Mit einem Vokabular und Methoden, die zum Teil aus einer anderen Zeit sind als die verwissenschaftlichten Konzept-Trainer Anfang Mitte 40. Viele werden das gut finden: Ein brennendes Haus zu löschen erfordert in der Tat andere Qualitäten als eins zu bauen. Doch dazu muss die Zusammenarbeit mit Alexander Rosen funktionieren, dem jungen Sportdirektor. Der als Gisdol-Intimus ebenfalls verantwortlich ist für den bisherigen Saisonverlauf, Stichwort Personalpolitik. Und was passiert, wenn alles gut geht? Anschlussvertrag für Stevens aus Dankbarkeit? Oder darf mit Nachwuchsakademie-Trainer Julian Nagelsmann, 2014 Deutscher Meister mit der Hoffenheimer U19, zur nächsten Spielzeit dann einer aus dem eigenen Stall ran? Kann man ja mal vermuten am Tag nach der Berufung von Dr. Peter Görlich in die Geschäftsführung der TSG. Görlich , Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, soll die im Leitbild des Clubs verankerte Innovationskraft stärken. Und darüber hinaus die Aufgaben des damit entmachteten bereits gestern gefeuerten Vorstandschef Peter Rettig übernehmen. Keine Frage: Das Hoffenheimer Herbstspektakel spielt neben dem Platz. Und das Krisenmanagement von Dietmar Hopp wirft Fragen auf.