Adler Mannheim: Eine Legende muss gehen / Spekulationen um Nachfolge

Die Pressekonferenz nach dem Wolfsburg Spiel war der letzte Auftritt von Harold Kreis als Trainer des 6-fachen Meisters – und sie war ein Paukenschlag. Ausgerechnet der immer so ruhige und besonnene Deutsch-Kanadier teilte verbal aus wie ein Kesselflicker. Er griff seine ausländischen Spieler namentlich an, im Profisport eigentlich ein No-go. Dem 54-jährigen war sicherlich zu diesem Zeitpunkt klar, dass er nach dem 0:5 gegen die Grizzly Adams zum letzten Mal auf der Bank gesessen hatte. Indiskutabel, für eine vermeintliche Top-Mannschaft, waren die Auftritte bei den letzten beiden Spielen. Ein Team, dem Kreis immer bedingungslos vertraut hat, vor das er sich immer schützend stellte, das ihn aber alleine im Regen stehen ließ. In der PK sagte der feine und ehrliche Eishockey-Gentlemen das, was offenbar lange in ihm gebrodelt hatte.

Der Rauswurf von Harold Kreis begann aber nicht kurz vor dem Jahreswechsel 2013, sondern bereits im Sommer. Nach dem Erstrunden-Aus in den Play-offs, ausgerechnet gegen jene Wolfsburger, die am 30. Dezember mit ihrem Sieg für den Rauswurf sorgten. Nach der fatalen Viertelfinalserie gegen die Niedersachsen erhöhte Daniel Hopp in der Sendung RNF Powerplay den Druck auf Kreis mit der Forderung, dass er anderes Eishockey sehen wolle: attraktiver, schneller, mit mehr Körpereinsatz. Verbunden mit der Hoffnung, dass sein Übungsleiter von der Bank aus mehr Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen würde.

Aber „Harry“ ist „Harry“ – um das zu verstehen hatten sie drei Jahre Zeit, warum sollte er sich im vierten Mannheimer Jahr ändern? Warum sollte er seinen Eishockeystil verändern? Jedem, der sich mit dem Mannheimer Eishockey beschäftigt, war klar, dass es Kreis bei einer längeren Krise erwischen würde. Dass die in einem aufgeblähten Vorrundenmodus mit 52 Spieltagen irgendwann kommen würde, war klar. Mit offenen Augen sind die Adler-Verantwortlichen also in den finalen Rauswurf marschiert. Ein Rauswurf in Raten also. Kreis ist nach der letzten Meisterschaft 2007 der vierte Trainer, der Mannheim frühzeitig verlassen muss.

Und wer ist der Nächste ?

Rich Chernomaz war beim Wolfsburg-Spiel in der SAP-Arena. Der Besuch sei lange geplant gewesen, so Chernomaz, es gehe um eine Kooperation zwischen den Adlern und seinem derzeitigen Arbeitgeber Frankfurt. Chernomaz, der in Mannheim alles andere als beliebt ist, ein Kandidat? Eher nicht.

Hans Zach wird von einigen favorisiert. Der „Alpen-Vulkan“, der sich im Ruhestand befindet, auf der Mannheimer Bank? Bei der ersten Niederlage wäre der Teufel los. Zach ist bei den Anhängern noch weniger beliebt als Chernomaz!

Dann wäre da noch Teal Fowler, der schon dreimal eingesprungen ist nach einer Trainerentlassung. Der heutige Adler-Manager macht intern keinen Hehl daraus, dass er gerne auf der Bank steht, aber er hat am Montag-Abend bei einer Fragerunde erst mal abgewunken.

Bleibt noch einer, der schon mehrfach versichert hat, dass er die Adler auch „umsonst“ trainieren würde. BILL STEWART. Meister mit Mannheim 2001. Umsonst würde passen, hat der Kanadier doch Anfang 2004 von sich aus das Handtuch geworfen und dennoch auf eine Bezahlung bis Saisonende bestanden, was ihm Daniel Hopp lange ziemlich krumm nahm. Da der ehemalige Heilbronner Trainer und Manager Ricco Rossi, der unter Bill Stewart Co-Trainer war, derzeit beschäftigunglos ist, könnte das einstige Gespann erneut Verantwortung übernehmen. Stewart, ein exzellenter Fachmann, der allerdings mit vielen hollywoodreifen Auftritten „für viel Aufsehen“ sorgte, ist mit einer Viernheimerin verheiratet und weilt derzeit in der Region.

Ein „Eishockey-Besessener“ als alter, neuer Adler-Trainer mit dem Auftrag versehen, diese Truppe auf Konstanz zu trimmen. Das klingt verlockend und verführerisch. Denn eines war bei allen Trainerentlassungen der letzten Jahre so: Immer wurde ein Neuer mit einem völlig anderen Charakter verpflichtet als der Vorgänger. Auf den „Gentlemen Kreis“ der „Verrückte“ Stewart. Warum denn nicht? (nl/beh)