Baden-Württemberg: Feldbetten für Flüchtlingsunterkünfte werden knapp

Stuttgart (dpa/lsw) – Wegen immenser Nachfrage ist der Markt für Feldbetten und Schlafsäcke, mit denen Flüchtlinge ausgestattet werden, nahezu leergekauft. «Unsere Händler und Zwischenhändler versuchen händeringend, Betten zu bestellen», sagte Björn Vetter, Referatsleiter Erste-Hilfe-Programme und internationale Soforthilfe beim DRK in Baden-Württemberg. Dasselbe Problem hätten auch alle anderen Hilfsorganisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund, der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter-Unfallhilfe. «Die Ressourcen des DRK sind allerdings am größten», sagte Vetter.

Der Bedarf an Schlafplätzen ist in manchen Landesteilen so groß, dass beispielsweise für die Bedarfsorientierte Aufnahmestelle im Kloster in Weingarten (Kreis Ravensburg) in näheren Märkten des schwedischen Möbelherstellers Ikea komplett alle Etagenbetten leergekauft wurden. Die aktuelle Flüchtlingssituation hat laut einer Ikea-Sprecherin dazu geführt, dass verstärkt Vereine, Hilfsorganisationen und Kommunen große Stückzahlen einzelner Artikel bestellen. Kurzfristig könnten größere Stückzahlen nicht immer verfügbar sein, sagte Isolde Debus-Spangenberg. Lieferengpässe bei besonders nachgefragten Produkten seien möglich. Besonders gefragt sei derzeit ein Etagenbettgestell aus Metall und günstige Matratzen.

Das DRK hatte in einem zentralen Katastrophenschutzlager in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) 1000 Feldbetten gelagert. «Diese sind aber schon seit Juli 2014 vergeben», sagte Vetter. Seither wird um jede Lieferung gerungen. Europäische Hersteller seien teuer und ihre Lieferzeiten von 10 Wochen bis 12 Wochen zu lang. «Wenn Flüchtlinge sofort auszustatten sind, ist das nicht machbar. Die meisten unserer Produzenten sind nicht in der Lage, kurzfristig zu liefern», betonte Vetter.

Also sei man auf Händler zugegangen, die Feldbetten aus Fernost, sprich China beziehen. Dabei müssten zwar Transportkosten mit einem Flieger bezahlt werden. Weil die Feldbetten aus Shanghai aber ein Drittel weniger kosteten als die eines europäischen Herstellers – nämlich mit Transport rund 50 Euro – rechne sich dies. «Das Wichtigste ist aber die kürzere Lieferzeit.» Vor kurzem hätten die nationalen Hilfsorganisationen in den USA und Kanada 19 000 Feldbetten per Luftfracht «gespendet». Das amerikanische Rote Kreuz habe 2000 Feldbetten beigesteuert. Die Engpässe bei der Ausstattung von Flüchtlingen bedeuteten aber nicht, dass es keine Feldbetten mehr in den Kreisverbänden gebe. Dort werden nach Vetters Auskunft 3500 Feldbetten vorgehalten für «kleinere Schadensereignisse».

Von Kirchheim aus wurden in den vergangenen Monaten auch 45 000 Schlafsäcke, Hygienesets und Wolldecken, Handtücher und Großzelte im Land ausgeliefert. Im Auftrag der grün-roten Landesregierung ist das Lager in Kirchheim mittlerweile Logistikzentrum für die Verteilung von Materialen an die Aufnahmestellen und Notunterkünfte geworden.

Derzeit ist es vor allem die Einrichtung «Benjamin Franklin Village» in Mannheim, in der das Rote Kreuz federführend tätig ist. Hinzu kommen Einrichtungen in Weingarten, Rottenburg, Tauberbischofsheim, Esslingen und Ulm mit rund 1500 Flüchtlingen. Bereits im August/September betreute das DRK eine Bedarfserstaufnahmestelle mit 1500 Flüchtlingen in Sinsheim. Darüber hinaus übernimmt das DRK die Hilfe bei ankommenden Flüchtlingen an Bahnhöfen und seit neuestem auch die sanitätsdienstliche Begleitung von Zügen aus Bayern.