Baden-Württemberg: Zwei Minister aus der Metropolregion Rhein-Neckar – Bauer (Grüne) und Hauk (CDU) im Kabinett

Zwei Minister der neuen grün-schwarzen Landesregierung in Baden-Württemberg kommen aus der Metropolregion Rhein-Neckar: Die Grünen-Politikerin Theresia Bauer aus Heidelberg leitet wie schon in den vergangenen fünf Jahren das Wissenschaftsressort. Die 51-Jährige wird mittelfristig auch als Nachfolgerin von Ministerpräsident Winfried Kretschmann gehandelt. CDU-Mann Peter Hauk aus Adelsheim im Neckar-Odenwald-Kreis übernimmt das Ministerium für den Ländlichen Raum. Unter einer CDU-geführten Regierung hatte der 55-Jährige dieses Ressort zwischen 2005 und 2010 schon einmal inne.

Am Donnerstag soll der Landtag Kretschmann zum zum zweiten Mal in Folge zum Regierungschef wählen. Folgende Minister sieht die neue Regierung vor. Bei der CDU gibt es eine Überraschung.

Stuttgart (dpa/lsw) – Lange wurde darüber gerätselt, wer in der grün-schwarzen Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) Minister wird. Nun ist es klar.

THERESIA BAUER (Grüne): Dreimal erhielt sie den Titel „beste Wissenschaftsministerin des Jahres“. Dass sie Ressortchefin im grün-schwarzen Kabinett bleibt, war unstrittig. Selbst die Opposition ließ die gebürtige Zweibrückerin relativ ungeschoren, lediglich die Diskussion um Struktur und Finanzierung der Musikhochschulen und Personalquerelen in der Verwaltungshochschule Ludwigsburg boten CDU und FDP Angriffsflächen. Insbesondere die Hochschulrektoren sind der Politologin dankbar. Denn sie sagte ihnen eine Finanzspritze von 1,7 Milliarden Euro von 2015 bis 2020 zu. Damit wird auch die langjährige Forderung nach einer erhöhten Grundfinanzierung der Hochschulen erfüllt. Die 51-Jährige gehört dem Realo-Flügel ihrer Partei an und wird als Nachfolgerin von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gehandelt. In ihre Amtszeit fallen die Abschaffung der Studiengebühren, die Ausweitung der studentischen Mitsprache und das Landeshochschulgesetz. In ihrer Freizeit läuft die zweifache Mutter Halbmarathon. Am liebsten bereitet sich die 51-jährige Heidelbergerin auf dem Philosophenweg über dem Neckar darauf vor.

WINFRIED HERMANN (Grüne): Der 63-Jährige war als Verkehrsminister die grüne Hassfigur der CDU. Hermann gehört dem linken Flügel der Grünen an. Um diesen einzubinden und weil die Grünen seine Arbeit als Ressortchef schätzen, bleibt Hermann Kabinettsmitglied und Chef des Verkehrsministeriums, das allerdings die bisherigen Zuständigkeiten für Bauen und Wohnen abgeben muss.

FRANZ UNTERSTELLER (Grüne): Der 59-Jährige gilt als Koryphäe in der Umweltpolitik und darf das Umweltministerium weiterführen.

EDITH SITZMANN (Grüne): Die 53-Jährige ist bislang Fraktionschefin der Grünen im Landtag und gilt als Haushaltsexpertin. Nun bekommt sie mit dem Finanzministerium ein schwergewichtiges Haus.

MANFRED LUCHA (Grüne): Der Sozialexperte und gebürtige Oberbayer ist die grüne Überraschung bei der Kabinettsbesetzung. Der 55-Jährige aus dem Wahlkreis Ravensburg wird Chef des Sozialministeriums.

THOMAS STROBL (CDU): Der CDU-Landesvorsitzende und CDU-Bundesvize wird Vize-Regierungschef und Innenminister. Der 56-Jährige hat schon als Vize-Fraktionschef der Union im Bundestag die Innere Sicherheit beackert. Das Ministerium wurde aufgewertet und ist künftig auch für Digitalisierung und Migration zuständig.

GUIDO WOLF (CDU): Der gescheiterte CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl und derzeitige CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag wird Justizminister. Damit ist er künftig der Kabinettsdisziplin unterworfen. Als Fraktionschef hätte er sich zum CDU-internen Gegenspieler zu Strobl entwickeln können. Wolf war auch fürs Wirtschaftsressort im Gespräch, aber die Wirtschaft protestierte.

SUSANNE EISENMANN (CDU): Sie ist bislang Schulbürgermeisterin in Stuttgart und hat das Kultusministerium inne. Die 51-Jährige war Büroleiterin des früheren Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU).

PETER HAUK (CDU): Man koaliere nur mit den Grünen, wolle aber nicht mit ihnen fusionieren, sagte einstige CDU-Fraktionschef Peter Hauk am Rande der Koalitionsverhandlungen. Als Oppositionsführer attackierte er Grün-Rot leidenschaftlich. Hauk wird eher dem liberalen Flügel seiner Partei zugerechnet, bezeichnet die Grünen aber als Gesinnungsterroristen und bedient damit wiederum den konservativen Teil seiner Partei. Er gab über vier Jahre den Terrier an der Spitze der Fraktion, wurde aber nie als Ministerpräsident in spe gesehen. Hauk stammt aus dem Odenwald und wurde Heiligabend 1960 geboren. Der Forstwirt sitzt seit 1992 im Landtag. Von 2005 bis 2010 war er bereits Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, was er nun erneut wird. Der Vater zweier erwachsener Kinder entspannt beim Joggen und Bergwandern – zudem ist er Jäger, spielt als ehrenamtlicher Organist in der Kirche und liest historische Romane und Krimis. Und er hat eine Schwäche für grüne Krawatten. Das ist ihm zufolge aber kein politisches Bekenntnis, sondern Ausdruck seiner Verbundenheit zur Natur.

NICOLE HOFFMEISTER-KRAUT (CDU): Die 43-Jährige ist die Überraschung im CDU-Personaltableau. Sie wird Wirtschaftsministerin. Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin und dreifache Mutter ist erst im März für den Wahlkreis Balingen in den Landtag gewählt worden. Sie ist Gesellschafterin und Aufsichtsrätin beim Waagenhersteller Bizerba in Balingen.

Bilder: Archiv RNF-Kandidatencheck zur Landtagswahl