Dossenheim: Trauerfeier für Opfer der Schießerei vom Dienstag

(Aktualisiert 21:00 Uhr) Bei einer Trauerfeier in der Evangelischen Kirche in Dossenheim gedachten am Abend hunderte Menschen der Opfer der Schießerei vom Dienstag. Dabei bat die Familie des Täters um Verzeihung. „Wir können uns nur aus tiefstem Herzen für das Leid entschuldigen!, heißt es in einer schriftlichen Erklärung aller Familienmitglieder. Ein Seelsorger der Feuerwehr trug die Botschaft in ihrem Auftrag vor. Darin teilen die Angehörigen mit, sie seien „zutiefst traurig und betroffen“ von der Tat.

Um möglichst vielen Trauernden Platz zu geben, hatte die Gemeinde im Vorraum und in den Seitenschiffen der Kirche zusätzliche Stühle aufgebaut. Der ökumenische Gottesdienst stand unter dem Motto „Zeit zum Klagen, Schweigen, Trauern“.

Die Angehörigen des Täters betonten in ihrer Erklärung, auch sie selbst sähen sich als Opfer. Sie wohnen nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren in Dossenheim. Es sei ihnen daher eine «Herzensangelegenheit» dort auch weiter leben zu können.

Während der Trauerfeier wurden mehrere Kerzen angezündet – eine davon explizit auch für den Täter und seine Hinterbliebenen. «Wir werden sie nicht alleine lassen», betonte der evangelische Pfarrer. Zugleich betonte er, die Gemeinde sei «aufgewühlt, traurig, erschrocken, voller Fragen».

Wie berichtet (mit Video) hatte der 71-jährige Filip N. während einer Eigentümerversammlung in der Gaststätte „Ambiente“ zwei Menschen erschossen und fünf weitere zum Teil schwer verletzt. Danach richtete er die Waffe gegen sich selbst und erschoss sich.  Nach Angaben der Heidelberger Staatsanwaltschaft hatte der Sportschütze aus Wut gehandelt: Er fühlte sich bei den Nebenkosten von den Miteigentümern der Hausgemeinschaft betrogen.

Die Bluttat in dem 12.000-Einwohner-Ort bei Heidelberg hatte bundesweit nicht nur für Bestürzung gesorgt, sondern auch eine Debatte über schärfere Waffengesetze ausgelöst.

RNF berichtet in seiner Sendung „RNF Life“ am Montag ab 18 Uhr über die Trauerfeier. (rk/lsw)