Frankenthal: Prozess gegen Hobby-Schatzsucher geht weiter

Im Berufungsprozess gegen den Finder eines Schatzes aus der Spätantike haben Gutachter von Gericht und Verteidigung Wert und Bedeutung des Fundes völlig unterschiedlich beurteilt. Eine vom Angeklagten beauftragte Gutachterin sprach heute vor dem Landgericht Frankenthal von einem zusammengewürfelten Fund, der „nicht weltbewegend“ sei und einen Materialwert von etwa 44 000 Euro habe. „Ich würde den Fund eher als ein Kuriosum betrachten“, sagte sie. Der Archäologe Hans-Ulrich Voß von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts kam hingegen zu dem Ergebnis, dass es sich um einen Fund von fast gesamteuropäischer Bedeutung handele. Er vereine „Hochstatus-Objekte“, die zum einen mit höchsten Kreisen im Römischen Reich in Verbindung gebracht werden könnten, andere wiesen auf hunnische Reiternomaden hin. „Er vereint zwei Welten“, sagte Voß, der auch ein Totenopfer für möglich hält. Sein Kollege Prof. Rupert Gebhard bezifferte den Versicherungswert des Fundes auf 425 000 bis 575 000 Euro. Der Hobby-Schatzsucher hatte den Gold- und Silber-Fund 2013 bei einer illegalen Suche in der Südpfalz aufgespürt und monatelang behalten, bevor er ihn herausrückte. Wegen Unterschlagung wurde er in zwei Instanzen zu Bewährungsstrafen verurteilt. Die Frage des wissenschaftlichen Werts ist deshalb wichtig, weil in Rheinland-Pfalz Schätze von kulturhistorischer Bedeutung unter bestimmten Umständen dem Land gehören. Wäre der Schatz von geringerem Wert, wäre dies günstig für den Angeklagten. (dpa/sab)