Frankenthal: Rockerclub-Präsident erhält Bewährungsstrafe

Frankenthal (dpa/lrs) – Urteil im ersten von vier Rockerprozessen am
Landgericht Frankenthal: Der Präsident des Motorradclubs „Gremium MC
Landau“ ist unter anderem wegen Drogen- und Waffenbesitzes zu zehn
Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Als Begründung für das
Urteil führte der Vorsitzende Richter Hans-Jürgen Stricker am Montag
die zweifelhafte Persönlichkeit des Kronzeugen – eines
„Gremium“-Aussteigers – und den Inhalt von dessen Aussage an. Die
Richter folgten mit ihrem Urteil der Forderung der Verteidigung.
Der 47 Jahre alte Angeklagte zeigte bei der Urteilsverkündung
keinerlei Regung, obwohl die meisten der gegen ihn erhobenen Vorwürfe
fallengelassen wurden. Das betraf vor allem die schweren Vorwürfe der
Körperverletzung und des Drogenhandels in großem Stil.
Ausschlaggebend für die Anklage waren die Aussagen des Kronzeugen
gewesen. Aber lediglich der Kauf und Besitz zweier Waffen samt
Munition sowie der Besitz geringer Mengen Amphetamins und Cannabis‘
ließen sich laut Gericht beweisen.
Der Anwalt des 47-Jährigen, Maximilian Endler grinste freudig. Als
„Messer ohne Griff, dem die Klinge fehlt“, hatte er in seinem
Plädoyer die Anklageschrift bezeichnet und Freispruch in neun Punkten
verlangt. Staatsanwältin Gabriele Werner hatte viereinhalb Jahre Haft
gefordert und dies damit begründet, der 47-Jährige habe eine Vielzahl
von Waffen-, Drogen- und Gewaltdelikten begangen. Anderthalb Stunden
lang versuchte sie, die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen zu
untermauern. Sich eine solche Geschichte auszudenken, „das kann
niemand“, betonte sie. Jetzt wolle sie eine Revision prüfen, sagte
sie nach dem Prozess.
Im Zuschauerraum verfolgte neben anderen Beobachtern rund ein Dutzend
Rocker das Prozessende. Lederkutten, mit denen sich Mitglieder des
Motorradclubs für gewöhnlich zu erkennen geben, trugen sie nicht,
stattdessen traten sie einheitlich in schwarzen Kapuzenpullis auf.
Die spontane Freude über die Milde des Urteils ließ an ihrer
Gesinnung keine Zweifel. Mit Umarmungen und Schulterklopfen
gratulierten sie beim Hinausgehen ihrem „Chef“. Die derzeit laufenden
Verfahren stehen in Zusammenhang mit einer Razzia im August 2013.
Dabei hatte die Polizei Waffen, Munition und Drogen sichergestellt.