Fußball: 1899 Hoffenheim kämpft weiter um seine Form

Gegen Spitzenmannschaften wie Bayern München oder Borussia Dortmund hat 1899 Hoffenheim überzeugt. Doch in Mainz und Darmstadt, gegen Bremen und nun auch gegen den VfB sah Gisdols Team schlecht aus.

Von Ulrike John, dpa

Sinsheim (dpa/lsw) – Ein kleiner Schritt nach vorne und immer wieder einer zurück: 1899 Hoffenheim kommt in der Fußball-Bundesliga einfach nicht aus dem Tabellenkeller heraus. Eine Woche nach dem ersten Saisonsieg in Augsburg erlitten die Kraichgauer beim 2:2 (1:0) im Derby gegen Schlusslicht VfB Stuttgart einen weiteren Rückschlag. «So können wir Tore nicht herschenken. Das ist natürlich ärgerlich, deshalb kann ich mit dem einen Punkt nicht viel anfangen», meinte Trainer Markus Gisdol.

Zum fünften Mal in dieser Saison konnten die Hoffenheimer eine Führung nicht in drei Punkte umwandeln. Am Ende mussten sie noch froh sein, dass Timo Werner nach dem Ausgleich in der 90. Minute kurz darauf den möglichen Sieg für die kriselnden Schwaben vergab.

Vor 30 150 Zuschauern in der ausverkauften Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena hatte Kevin Volland die Nordbadener mit einem verwandelten Foulelfmeter (33.) und einem Tor in der 77. Minute jeweils in Führung gebracht. «Die waren schon tot – und dann kriegst du zwei solche Kopfballtore», meinte der Nationalspieler kopfschüttend. Das sei «unterm Strich ein Scheißgefühl».

Joker Jan Kliment nur eine Minute nach seiner Einwechslung (64.) und Werner glichen jeweils aus. «Man kriegt da kein Tor, wenn man 100 Prozent geil darauf ist, die Führung zu verteidigen», meinte Niklas Süle. Ermin Bicakcic ärgerte sich maßlos darüber, «dass der kleinste Mann mit so ungefähr 1,50 Meter einköpft». Dabei hatte Gisdol in Fabian Schär extra noch einen zusätzlichen Innenverteidiger eingewechselt.

«Das sind Dinge in unserem Sport, die kannst du nicht erklären», meinte der TSG-Chefcoach ratlos. Eine Erklärung für den Leistungsabfall gegen einen in der ersten Halbzeit miserablen VfB ist vielleicht der Kräfteeinbruch. «Ich weiß nicht, ob wir ein bisschen müde waren nach der 60. Minute», meinte Volland.

Auch Kapitän Pirmin Schwegler, der auf dem Platz längst nicht mehr die Präsenz ausstrahlt wie zu seinen Zeiten bei Eintracht Frankfurt, hat das nach eigenen Angaben gespürt. «Irgendwie habe ich in der 60. schon mal gepustet. Wir haben viel Aufwand betrieben und gegen Ende sicher auch Kraftprobleme gehabt», räumte der Schweizer ein. Der Wille sei da in der Mannschaft, der Charakter auch, «aber natürlich haben wir schon ein paar Schrauben zu drehen».

Während im Mittelfeld nur Vollands Nationalteam-Kollege Sebastian Rudy überzeugte, hat sich wenigstens das Offensivduo «V & V» inzwischen gefunden: Nach dem Abgang des Brasilianers Roberto Firmino zum FC Liverpool kommen Volland und der chilenische Neuzugang und Copa-América-Torschützenkönig Eduardo Vargas immer besser miteinander zurecht. Für den zweiten Saisonsieg reichte es dennoch nicht. «Es wird noch ein harter Weg», prophezeite Volland. Die Europa-League-Plätze sind im Gegensatz zur vergangenen Saison derzeit jedenfalls weit weg für die TSG.