Fußball: 1899 redet K.O. gegen Bayern schön

Mit der dritten Pleite hintereinander verliert 1899 Hoffenheim im Kampf um die Europa-League-Plätze weiter an Boden. Die Kraichgauer wurden am Samstag für ihre mutlose Vorstellung gegen den angeschlagenen FC Bayern München mit einem 0:2 (0:1) bestraft und müssen nächste Woche in Hannover auch noch auf die gelbgesperrten
Kevin Volland und Andreas Beck verzichten. „Die Niederlage tut natürlich weh, aber wir werden unseren Weg weitergehen“, sagte Abwehrchef Ermin Bicakcic und mahnte: „Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken. Moral zeigen und geschlossen auftreten! Dann werden die Ergebnisse auch wieder besser.“ Die TSG spürt in der Fußball-Bundesliga immer mehr den Atem der Verfolger. Vor allem Borussia Dortmund könnte der Mannschaft von Trainer Markus Gisdol noch den siebten Tabellenplatz streitig machen, der am Saisonende wahrscheinlich für einen Platz im internationalen Geschäft reicht. Obwohl die Hoffenheimer den 30 150 Zuschauern in der ausverkauften Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena selten den Eindruck vermittelten, dass sie an ein Erfolgserlebnis glaubten, beklagten sich die Gastgeber nach dem Abpfiff bitterlich über die verlorenen Punkte. Eugen Polanski sprach wundersamerweise von „drei hundertprozentigen“ Torchancen seines Teams und haderte vor allem mit der Szene in der 42. Minute, als ihm Schiedsrichter Tobias Stieler einen Strafstoß verweigerte. „Das war ein klarer Elfmeter. Der Schiedsrichter sagte mir in der Halbzeitpause, Rode trifft mich. Aber er wisse nicht, ob er mich aktiv berührt hat“, meinte der polnische Mittelfeldspieler. Zuvor war Anthony Modeste nach einem Patzer von Bayern-Profi Dante
alleine auf Manuel Neuer zugelaufen, schoss aber den Nationalkeeper an. „Die größte Chance des Spiels haben wir vergeben, als Anthony alleine vor Manuel Neuer steht“, ärgerte sich Gisdol. „Und dann so eine klare Situation, einen Elfmeter für uns. Wenn du zwei so klare Chancen gegen Bayern nicht verwertest oder nicht bekommst, dann ist
es natürlich schwer.“ Die ersatzgeschwächten Bayern machten es besser: Der starke Ex-Frankfurter Sebastian Rode schlenzte den Ball in der 38. Minute zum 1:0 für den Spitzenreiter ins Netz. Ein Eigentor von Kapitän Beck besiegelte dann in der Nachspielzeit die Niederlage für Hoffenheim, die, wie Volland einräumte, „ein bisschen zu tief gestanden sind.“ Die TSG beraubte sich ihrer vielleicht größten Stärke, indem sie sich von Beginn an weit zurückzog und auf das frühe Anlaufen verzichtete. Beim 3:3 in München vergangene Saison hatte Hoffenheim genau damit noch Erfolg gehabt, dieses Mal aber wählte Gisdol eine andere Variante – obwohl die Münchner durch die Verletzungssorgen und das 1:3 in der Champions League beim FC Porto angeschlagen waren. „Wenn du zu schnell aufmachst, dann spielen sie dich schnell kaputt“, verteidigte der TSG-Coach zwei Tage nach seiner Vertragsverlängerung seine Taktik. „Egal wer bei Bayern München aufläuft, es ist immer die beste Mannschaft in der Liga. Wenn du da zu mutig bist, dann kriegst du ganz schnell einen auf den Latz und holst fünf, sechs Eier aus dem Nest.“ Im zwölften Rückrundenspiel hat seine Mannschaft nun bereits die siebte Niederlage kassiert, in der Hinrunde waren es nur fünf. Und die Klasse eines Europa-League-Teilnehmers konnte die TSG dabei nur selten nachweisen. (mho/dpa/lsw)