1899: Nagelsmann mit Taktik-Gipfel zufrieden

Zwei Unentschieden, zwei unterschiedliche Reaktionen: Hatte Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann sein Team nach dem 2:2 gegen den Hamburger SV vor einer Woche noch deutlich kritisiert, fand der jüngste Coach der Fußball-Bundesliga nach dem 1:1 (0:1) bei Borussia Mönchengladbach am Samstag milde Worte. „Mit
dem Ergebnis kann ich ganz gut leben“, sagte Nagelsmann. Schließlich blieb seine Mannschaft damit auch nach dem zwölften Spieltag ungeschlagen und nahm den am Ende etwas glücklichen Punkt sehr zufrieden mit nach Hause. „Wir hatten durchaus Glück, dass sie nicht das zweite Tor gemacht haben“, sagte 1899-Keeper Oliver Baumann, der die Kraichgauer nach dem 0:1-Rückstand durch Mo Dahoud (25. Minute) mit einigen tollen
Paraden im Spiel hielt. „Es stimmt: Wir hätten nach den ersten 45 Minuten auch 0:2 zurückliegen können, aber nach der Pause waren wir besser im Spiel und haben besser verteidigt“, sagte Eugen Polanski. In der Tat wirkten sich die Umstellungen von Nagelsmann in der Pause positiv aus, die Gäste kamen viel präsenter aus der Kabine. Der Lohn war der Ausgleichstreffer durch den zur Pause eingewechselten Nadiem Amiri neun Minuten nach dem Seitenwechsel. „Es scheint ein gutes Omen zu sein, wenn ich eingewechselt werde. In der vergangenen Saison habe ich auch schon zweimal nach meiner Einwechslung getroffen“, sagte der 20-Jährige.
Als einzige Mannschaft neben Spitzenreiter RB Leipzig sind die Hoffenheimer damit in der Bundesliga noch ungeschlagen. „Das ist schon etwas, worauf wir auch stolz sein können“, sagte Baumann. Gleichwohl mahnte der Torwart, jetzt in den verbleibenden Spielen bis zur Winterpause keinen Deut nachzulassen. „Wir müssen gierig bleiben“, forderte Baumann mit Blick auf die noch vier ausstehenden Partien in diesem Jahr. Im Borussia-Park hatte diese Gier anfangs ein bisschen gefehlt. Die Gladbacher dominierten vor der Pause, versäumten es aber wie so oft in dieser Saison, frühzeitig für die Entscheidung zu sorgen. „Es war ein kompliziertes Spiel für uns“, gestand Nagelsmann, „taktisch sehr komplex“. In der Tat überboten sich der 1899-Coach und sein Gladbacher Kollege André Schubert mit taktischen Umstellungen. Nahm einer der beiden eine Änderung vor, reagierte der andere ebenfalls sofort. Erst als die Kräfte bei beiden Mannschaften in der Schlussphase schwanden, wurde es auf dem Rasen so richtig wild. Vor allem die Gastgeber kamen nun noch einmal zu einigen hochkarätigen Chancen, von denen Fabian Johnson die größte vergab. Der frühere Hoffenheimer lief allein auf Baummann zu, schoss aber am Tor vorbei. Dass sein Team das Unentschieden am Ende fast noch aus der Hand gegeben hätte, nahm Nagelsmann dieses Mal gelassen. „Besser wild als einschläfernd“, bilanzierte er das insgesamt dritte Remis in Serie – das ihn dieses Mal zufrieden stimmte. (dpa)