Fußball: Watzke wettert nach 2:2 der Dortmunder bei Hoffenheim – Torschütze Wagner einsichtig

Die Schiedsrichter bleiben ein Dauerthema in der Bundesliga. Beim Hochgeschwindigkeits-Fußball zwischen Hoffenheim und Dortmund kam Referee Benjamin Brand nicht mehr so recht mit.

Von Ulrike John und Patrick Reichardt, dpa

Sinsheim – Hans-Joachim Watzke ließ seinen Frust vor der erstbesten Kamera aus. Ganz kühl kommentierte hingegen Thomas Tuchel die Umstände beim Offensivspektakel zwischen 1899 Hoffenheim und Borussia Dortmund. Und TSG-Torschütze Sandro Wagner gab den reuigen Sünder. Eine Woche nach dem wüsten 0:0 zwischen Frankfurt und den Kraichgauern stand der Schiedsrichter auch am Freitagabend beim 2:2 (2:1) im Bundesliga-Spitzenspiel im Mittelpunkt. «Das ist unglaublich, unfassbar. Ich rege mich über die unfassbaren Fehlentscheidungen in der ersten Halbzeit auf», kommentierte Watzke die Leistungen von Referee Benjamin Brand aus Bamberg.

Erzürnt hatten den BVB-Geschäftsführer und die Dortmunder vor allem zwei Szenen: Der Platzverweis von Marco Reus (41. Minute) sowie der Treffer zum 2:1 von Hoffenheims Stürmer Sandro Wagner (20.). «Eklatante» Fehler habe Brand begangen, erklärte Watzke und fügte erbost an: «Den Schubser von Wagner sehe ich aus 60 Metern Entfernung. Und Amiri zieht eine Minute lang am Trikot, doch Marco bekommt die Rote Karte.»

Wagner meinte mit Blick auf die TV-Bilder und sein Foul an Sven Bender kurz nach dem Spiel: «Das ist mir nicht bewusst gewesen.» Ob das Tor dann nicht hätte gegeben werden dürfen? «Ja ja», meinte der Stürmer kleinlaut. «Das Foul sehe ich jetzt und stehe dazu.» In Frankfurt hatte Wagner noch einen ungeahndeten Ellbogenschlag von David Abraham hinnehmen müssen. Mit seiner oft provozierenden Spielweise ist er bei den gegnerische Fans schon länger untendurch.

Nach der öffentlichen Kritik an seinem Kollegen Christian Dingert vor einer Woche griff Brand zwar beherzt zu Gelben Karten. Bei dem Hochgeschwindigkeits-Fußball der beiden Mannschaften mit zahlreichen strittigen Szenen entglitt ihm das Spiel aber zunehmend. «Ich hatte auf jeden Fall das Gefühl, dass der Schiedsrichter verunsichert ist. Wieso, weiß ich auch nicht», sagte Tuchel.

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann räumte ein: «Wenn ich Schiedsrichter wäre, hätte ich die zweite Gelbe Karte an Reus nicht gegeben.» Und wenn Brand das Tor von Wagner abgepfiffen hätte, «dann attackiere ich den Thomas nicht in der Coaching-Zone.» Tuchel tobte zwar während der Partie an der Außenlinie, gab sich aber bei der Pressekonferenz ganz gelassen. «Alles, was gegen uns laufen konnte, lief gegen uns», meinte er achselzuckend.

Mario Götze (11.) mit seinem ersten Saisontreffer und Pierre-Emerick Aubameyang mit seinem 16. Tor (48.) glichen für Dortmund dennoch zweimal aus. Mark Uth hatte die Hoffenheimer vor 30 150 Zuschauern in der ausverkauften Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena bereits in der 3. Minute in Führung gebracht. «Riesenkompliment an die Mannschaft. Wir haben uns gegen die Niederlage gestemmt, das hat man bis unter das Stadiondach gespürt», bilanzierte Tuchel. Der Punktgewinn habe einen «Riesenwert».

In der Tabelle bleibt der BVB damit weiter hinter den «Nagelsmännern», die auch nach 15 Spielen ungeschlagen sind. «Es ist in Ordnung, wenn man gegen Dortmund unentschieden spielt», sagte Nagelsmann. Zufrieden wirkte der 29-jährige Coach nach diesem Spielverlauf mit zweimaliger Führung und einer Halbzeit mit Überzahl nicht. «Leider nur ein Punkt, aber damit kann ich gut leben und später gut schlafen, auch wenn ich gerne gewonnen hätte.» (lsw)