Handball, 2. Liga: SG Leutershausen gewinnt gegen Bietigheim 42:31

Torreigen in Leutershausen: Beim mit Spannung erwarteten Derby gegen die SG BBM Bietigheim behielten die „Roten Teufel von der Bergstraße“ die Oberhand. 42:31 (20:19) besiegten sie den schwäbischen Aufstiegskandidaten.

 

„Ein Kompliment an mein Team. Es hat heute schönen, schnellen, kampfbetonten und auch guten Handball geboten“, fasste SGL-Coach Holger Löhr die Partie in einem Satz zusammen: „Wir wollen die Leistung von heute konservieren und in den nächsten beiden Spielen noch einmal abrufen.“ Er blieb in seinem Statement vor den Fans gefasst und wollte erst noch das Ergebnis aus Henstedt-Ulzburg am Samstag abwarten: „Wenn sie gegen Rostock verlieren, haben wir es nach langer Zeit wieder selbst in der Hand, ob wir den Klassenerhalt schaffen.“ Bietigheims Trainer Jochen Zürn gratulierte den Gastgebern unumwunden: „Ich habe heute in der Kabine gesagt, dass sich zeigen wird, wer den größeren Willen hat etwas zu erreichen – und das war heute deutlich: Leutershausen will mit aller Macht in der Liga bleiben. Wir haben sie heute kaum zu fassen gekriegt.“

 

Tempogeladen und torreich begann die Partie der beiden baden-wüttembergischen Teams. Die Schnelligkeit zahlte sich auf beiden Seiten aus: So fix ging es oftmals im Angriff zu, dass die Abwehr jeweils kaum eine Chance bekam sich zu formieren. Nach etwa zehn Minuten erarbeitete sich Leutershausen leichte Vorteile und ging trotz einer Auszeit der Gäste 10:7 in Führung (14.). Bietigheim hielt aber kräftig dagegen, ließ eine Verschnaufpause gar nicht erst aufkommen und glich in der 25. Minute zum 16:16 aus. Trotz des für Leutershausen ungewöhnlichen Spieltermins am Freitag Abend war die Heinrich-Beck-Halle fast ausverkauft – die 1.100 Zuschauer sahen ein attraktives und ideenreiches Spiel der beiden Mannschaften, die beide mit einem konkreten Ziel vor Augen angetreten waren: Leutershausen wollte das Feld bereiten, um Tabellennachbar SV Henstedt-Ulzburg endlich von Nichtabstiegsplatz 17 zu verdrängen; die SG BBM Bietigheim zwei Punkte sichern, um die Chance auf den Aufstieg in die erste Liga zu wahren. Abstiegskandidat gegen Aufstiegsaspirant also – doch war von dieser Rollenverteilung in der ersten Hälfte nichts zu spüren. Zur Halbzeit ging es beim Stand von 20:19 in die Kabinen. Kurz zuvor hatte Leutershausen noch zwei Schrecksekunden zu überstehen gehabt: Kapitän Jochen Geppert musste humpelnd vom Platz geführt werden, und Kreisläufer Philipp Müller blutete nach einer gegnerischen Attacke, die die Schiedsrichter allerdings gar nicht erst wahrgenommen hatten, am Hinterkopf.

 

Das Beruhigende: Beide waren zu Beginn des zweiten Spielabschnitts wieder mit von der Partie. Und wie: „Mitch“ Müller holte einen Siebenmeter heraus, den Jonas Gunst verwandelte, und steuerte in den ersten Minuten nach dem Wiederanwurf vier Treffer selbst bei, Jochen Geppert traf drei Mal – sie und das gesamte Leutershausener Team legten nun los wie entfesselt. In der 41. Minute nahm Bietigheims Coach Jochen Zürn bereits die dritte und damit letzte Auszeit – doch es half ihm nichts: Zu diesem Zeitpunkt lagen die „Roten Teufel“ bereits 30:25 vorne, in der 45. Minute stand es dann schon 35:26. Jetzt machten die Zuschauer die Halle dann auch endgültig zur Hölle, zusätzlich angestachelt von Alexander Hübe im Tor: Erstmals nach dem Bruch an der Mittelhand stand er in der zweiten Halbzeit wieder im Kasten und knüpfte sofort an die Leistungen an, mit denen er vor Wochen ausgeschieden war. Der Rausch hielt an. In der 50. Minute waren die Hausherren auf zehn Tore weggezogen – 38:28.

 

Es waren 55 Minuten und 30 Sekunden gespielt, die Anzeigetafel vermeldete den Stand von 41:30 für die SGL, als Leutershausen zum ersten Mal bewusst das Tempo aus dem Spiel nahm. Bis hierhin hatten sie nicht nur Vollgas gegeben, sondern dabei auch kaum Fehler gemacht. Die manchmal in dieser Saison vermisste Durchschlagskraft war an diesem Abend voll da. Das Torfestival endete mit 42:31 für die Gastgeber. (rk)

 

RNF berichtet in den Sendungen „Sport Report“ und „7 Meter“ ausführlich über dieses Spiel.

 

SG Leutershausen: Hübe, Peribonio, Christian, Frietsch 3, Gunst 4/3, Müller 5, Forstbauer 6, Ruß 6, Prestel 5, Volk 3, Geppert 9, Conrad 1, Engels.

SG BBM Bietigheim: Hacko, Welz, Haller 1, Rentschler, Salzer Timo 3, Heuberger 1, Schäfer 6/3, Coors 1, Blodig 8, Durak 2, Freudl 2, Salzer Th., Schulz 1, Lohrbach 6