Handball: SG Leutershausen beklagt einen „gestohlenen Punkt“

2. Bundesliga: TUSEM Essen behält mit 35:34 (19:13) die Oberhand

(rkü) Von wegen besinnliches Fest: Am zweiten Weihnachtsfeiertag brachte die SG Leutershausen in der 2. Handball-Bundesliga den Tabellensiebten und Bundesliga-Absteiger TUSEM Essen in dessen eigener Halle überraschend an den Rand einer Niederlage. Sah es von Beginn an so aus, als würde das Spiel seinen vorherbestimmten Lauf nehmen, so holte Leutershausen in der zweiten Halbzeit in einem furiosen Zwischenspurt auf und erreichte fünf Minuten vor Ende der Partie den Ausgleich. In einem packenden Finale rettete Essen ein denkbar knappes 35:34. „Es ist zum Heulen“, wertete Jörg Büßecker, Gesellschafter der SGL, den Ausgang der Partie. „Selbst die Essener Fans zollten uns Respekt und meinten, dass uns heute ein Punkt gestohlen worden ist.“

Nach gut einer Viertelstunde schien in dieser Partie völlig klar, wohin der Hase laufen würde: In der 16. Minute ging TUSEM 12:7 in Führung, gleichzeitig stand Torhüter Sebastian Bliß wie eine Wand zwischen den Pfosten des Erstliga-Absteigers. Er vereitelte die Angriffe der Gäste ein ums andere Mal, ob nun Youngster Jan Forstbauer oder Kapitän Jochen Geppert aufs Tor fackelten. Auf der Fünf-Tore-Führung konnten die Hausherren beruhigt aufbauen. Sie hielten die Roten Teufel während der gesamten ersten Halbzeit auf Distanz und setzten sogar noch einen drauf: Beim Stand von 19:13 ging es in die Pause. Dabei war die SGL von Beginn an mit Ambitionen angetreten. Sie ließ sich vom Favoriten nicht den Schneid abkaufen, bot den körperlich starken Essenern physisch durchaus Paroli, setzte es dafür auch Verwarnungen und zuweilen eine Strafzeit.

Nach dem Seitenwechsel flammte die Stärke Leutershausens an diesem Abend erstmals spürbar auf. Geppert, Ruß, Prestel und Frietsch trafen in schneller Folge – das 23:19 auf der Anzeigetafel nach acht Minuten in der zweiten Halbzeit sah schon freundlicher aus. Dann aber verzettelten sich die Bergsträßer: Fehlwürfe, Siebenmeter, Strafzeiten. Die erste Welle der Energie verebbte, TUSEM stellte den alten Abstand wieder her – aber nur kurz. Denn nun drehte Leutershausen so richtig auf: Mit den Paraden von Alexander Hübe im Rücken traf Kreisläufer Kai Dippe drei Mal hintereinander, Pascal Durak und Jochen Geppert legten nach – fünf Minuten vor Schluss stand es nur noch 31:30. Und dann: Pascal Durak! Der Rechtsaußen verwandelte zum 31:31 – der Ausgleich! Viereinhalb Minuten vor Schluss hatte die SGL die Sensation vor Augen, in der mit 2000 Besuchern gut gefüllten Halle hätte man eine Stecknadel fallen hören können. „In dieser Phase haben unsere Jungs Essen an die Wand gespielt, sie hatten einen bärenstarken Lauf“, so Jörg Büßecker. Doch dann zeigte die SGL Nerven: Einen Ballverlust von Niclas Pieczkowski auf Seiten der Essener konnten die Roten Teufel nicht in Zählbares ummünzen und so das Spiel drehen. Im Gegenzug trafen aber die Gastgeber – 32:31. SGL-Coach Marc Nagel griff zur grünen Karte. Das Spiel steuerte nun auf ein Herzschlagfinale zu. 20 Sekunden vor Schluss traf Essen zum 35:34. Leutershausens umgehender Spurt aufs Tor der Gastgeber wurde dann jedoch jäh gestoppt, als die Schiedsrichter das Anspiel zurück pfiffen. Wertvolle zehn Sekunden verrannen ungenutzt, die „Roten Teufel“ kamen nicht mehr zum Abschluss. So blieb es bei dem undankbar knappen Endstand.

SG Leutershausen: Hübe, Ullrich, Schulz, Volk 4, Geppert 4, Ruß 4, Durak 4/1, Dippe 4, Frietsch 9, Prestel 5, Engels, Forstbauer.

TUSEM Essen: Bliß, Vukas, Pöter 6, Leenders 2, Pieczkowski 5, Kühn 5, Keller, Bouali 5, Pinto 1, Hornyak 8/4, Ridder 3, Seidel.