Handball: SG Leutershausen besteht gegen Favorit HSG Nordhorn-Lingen mit 28:24

(rkü) Leutershausen. Konzentriert und engagiert hat die SG Leutershausen das Sonntagsspiel in der 2. Handball-Bundesliga gegen die favorisierte HSG Nordhorn-Lingen für sich entschieden: 28:24 (12:7) hieß es nach 60 Minuten in der Heinrich-Beck-Halle. „Erst war es sehr zäh und unsicher, doch dann haben wir einen Lauf bekommen. Ganz starke Torhüter und eine stabile Abwehr“, machte SGL-Coach Marc Nagel als Erfolgsfaktoren aus. Sein Gegenüber Heiner Büttmann war durch die Nullnummer beim Tabellenvorletzten sichtlich angefressen: „Wir haben dieses Spiel sehr ernst genommen, wollten unbedingt gewinnen und die Punkte mitnehmen. In dieser Saison ist noch alles drin.“

Zunächst schien es allerdings so, als sei sieben Spieltage vor Saisonende die Luft raus aus dem Auftritt der SG Leutershausen in der zweiten Liga. Trotz eines speziellen Familienangebots war die Halle am späten Sonntag Nachmittag mit 500 Zuschauern nur gut zur Hälfte gefüllt, die Stimmung eher verhalten als euphorisch. Grund dafür sicherlich auch die Schweigeminute zu Beginn des Spiels im Gedenken an den vor knapp zwei Wochen verstorbenen Betreuer der SG Leutershausen, Helmut Probst. Ein Bild an dem Platz, von dem „Helle“ die Spiele zu verfolgen pflegte, erinnerte an 67-Jährigen. Kapitän Jochen Geppert legte einen Blumenstrauß nieder.

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Zudem: Spätestens seit der Präsentation der Mannschaft für die kommende Saison am vergangenen Donnerstag ist der Blick an der Bergstraße nach vorne gerichtet, sprich: in die 3. Liga.

Das spiegelte sich dann auch zu Beginn im Spielverlauf wider. In der ersten Phase blieben Tore Mangelware. Nordhorn ging in der zweiten Minute 0:1 in Führung und brauchte weitere fünf Minuten, um auf 0:2 zu erhöhen. Leutershausen arbeitete konsequent und gut in der Defensive, scheiterte aber im Angriff zu Beginn gleich vier Mal an Nordhorns Keeper Björn Buhrmester. Es brauchte erst einen Siebenmeter, damit die „Roten Teufel“ Zählbares zustande brachten. Benjamin Prestel verwandelte in der achten Minute. Allmählich bekam die Partie so etwas wie Atmosphäre, wobei die Initiative vor allem von den Gästen ausging. Sie erhöhten auf 2:5 (11.).

Marc Nagel rief seine Mannschaft zur Auszeit zusammen. Was er ihr im Wortlaut zuflüsterte, ist nicht überliefert – jedenfalls traten die Hausherren nun wie verwandelt auf. In fünf Minuten drehten sie die Partie auf 6:5 und erhöhten dann weiter und weiter, wie im Rausch, auf 12:6 bis zur 25. Minute. Fast eine Viertelstunde lang nahmen die Gastgeber Nordhorn in die Schraubzwinge. Die HSG machte keinen Stich mehr, auch dank Sebastian Ullrich im Tor der „Roten Teufel“: Mit acht Paraden vernagelte er in dieser Phase seinen Kasten. „Wir haben den Torhüter von Leutershausen zum Helden geworfen“, kommentierte Gäste-Coach Heiner Büttmann enttäuscht diese Phase, „wir waren harmlos und ängstlich, Leutershausen hat sehr clever gespielt.“ Mit einem komfortablen 12:7-Vorsprung für die SGL ging es in die Kabinen.

Doch Nordhorn wäre nicht Siebter in der Tabelle, könnte es mit Situationen wie dieser nicht umgehen. Nach dem Wiederanwurf kam die Mannschaft von Heiner Büttmann aufgeräumt und motiviert aus der Kabine. Sie setzte der SGL nach, zunächst mit Erfolg: Bis auf 15:14 saugten sich die Niedersachsen heran. Aus dem müden war inzwischen ein äußerst belebter Handballnachmittag geworden. Leutershausen konterte die Angriffe der Gäste, kam mit schnellen Tempogegenstößen ebenso wie mit cleverem Spiel am Kreis zu Erfolgen. Der Lohn: Bis zur 47. Minute erhöhte Leutershausen auf 21:15 und gab den Vorsprung nicht mehr her, so sehr Nordhorn sich auch mühte. Beispielhaft eine Szene aus der 57. Minute, in der HSG-Linksaußen Patrick Miedema in einem Kempa-Trick auf Torwart Alexander Hübe zuflog und der mit dem linken Fuß parierte – die Halle tobte. Herrlich dann noch ein Dreher von SGL-Rechtsaußen Pascal Durak zwei Minuten vor Schluss ins Tor der Gäste – es machte Spaß zuzusehen. Selbst in doppelter Unterzahl kam die SGL an diesem Abend noch zu Treffern. Das 28:24 zum Ende war Werbung für den Leutershausener Handball.

„Nach der Präsentation der Mannschaft für die kommende Saison hatten wir heute den Kopf frei“, sagte Marc Nagel später noch in der Pressekonferenz, „ein Riesenkompliment an Uli Roth, der es in vielen Einzelgesprächen geschafft hat, zu einem so frühen Zeitpunkt bereits das Team für die nächste Spielzeit zusammen zu haben. Viele Zuschauer und Sponsoren haben sich für die neue Konzeption interessiert. Ich war vor der Veranstaltung hin- und hergerissen, weil wir wieder keine normale Woche der Vorbereitung hatten. Aber nun sind die Spekulationen sind beendet, und das hat man heute gemerkt.“

SG Leutershausen: Ullrich, Hübe, Wilde, Räpple, Ruß 3/1, Prestel 3/2, Volk 3, Durak 5/1, Geppert 5, Conrad, Dippe 1, Engels 5, Schulz 3.

HSG Nordhorn-Lingen: Buhrmester, Bartels, Verjans 2, Schwenning, Schumann, Miedema 5, Meyer 1, Schagen 5/2, Poll 1, Trodler 5, Terwolbeck 2, de Boer, Wiese 3.