Heidelberg: Applaus für „Born with the USA“

Tänzer und Schauspieler des Heidelberger Theaters haben am Freitagabend ein verlassenes US-Hospital für kurze Zeit wiederbelebt. Zum Auftakt des dreitägigen Festivals „Born with the USA“ in der Unistadt gab es auf dem weiträumigen zeitgleich zwölf Kulturveranstaltungen – vom Liederabend über zeitgenössische Stücke bis zur Tanzaufführung. Die Atmosphäre war mal lustig-heiter, mal beklemmend – das frühere Militärgelände erinnert doch noch ein wenig an eine Geisterstadt.

2013 hatten tausende US-amerikanische Soldaten Heidelberg verlassen. Bei der Uraufführung der akustischen Reise „Das Glimmen der Röhren ging es auf dem Dachboden des US-Krankenhauses um den Umbruch 1945
von der NS-Diktatur zur US-Besatzung. In der deutschsprachigen Erstaufführung von „Die Radikalisierung Bradley Mannings“ von Tim Price wurde in der Hospital-Kantine die aktuelle Debatte um WikiLeaks, die NSA-Überwachung und die Arbeit von Whistleblowern wie Chelsea Manning und Edward Snowden offen thematisiert. Bis zum vergangenen Jahr wäre eine solche Aufführung auf dem US-Gelände in Heidelberg undenkbar gewesen. Das gleiche galt für das neu inszenierte halbstündige Schauspiel „Der amerikanische Soldat“ von Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) im „Situation Room“. In langen Kellern und kalten Heizungsräumen konnten Zuschauer zudem der Uraufführung des Stücks „Underground“ von Lothar Kittstein
beiwohnen.

Die Zuschauer waren von dem abenteuerlichen-surrealen Theaterspektakel begeistert. „Es ist schon genial, eine solche Veranstaltung auf ein solches Gelände zu verlegen. Ich musste viel an meine eigene Vergangenheit denken“, sagt die 63-jährige Lehrerin Gabriele Bouwhuis-Fiedler nach einem Liederabend im Offiziers-Casino.
„Das ist ein einmaliges Event, das die Menschen auch kritisch über die Zeit der Amerikaner in Deutschland nachdenken lässt“, meint Christian Praesant (47) bewegt, der als US-Jugendbetreuer in Landstuhl arbeitet.
„Interessant, was die Theaterleute aus der Kulisse gemacht haben. Mit der Realität eines Soldaten hat das Theater aber nichts zu tun. Ich habe mich im nahen Army-Hauptquartier um die Nuklearwaffen in Deutschland gekümmert“, betont der 74-jährige Laurence Applebaum, der mit einer Deutschen verheiratet ist, seit 1971 in Heidelberg wohnt und kein Problem mit kritischen Theaterstücken hat. Durch das Theaterprojekt konnte er auch die Katakomben des ehemaligen Krankenhauses kennenlernen.

Von 1945 bis 2013 waren in Heidelberg tausende US-Soldaten stationiert. Insgesamt wurden 180 Hektar bisherige Militärflächen innerhalb und außerhalb der Stadt frei, die nun als „Geisterstadt“ auf eine neue Nutzung warten. Eigentümerin der früheren amerikanischen Militäranlagen in Heidelberg ist mittlerweile die
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Zuletzt waren in Heidelberg und Mannheim 6500 Militärangehörige im Einsatz. Rund 2000 dieser Soldaten arbeiten seit dem vergangenen Jahr im neuen
US-Hauptquartier in Wiesbaden. (dpa/lsw/wg)