Heppenheim: Was wird aus der Odenwaldschule?

Nach dem Verkauf der einstigen Odenwaldschule ist weiter unklar, was aus dem Gelände samt Gebäuden
werden soll. Die Käufer erwarten aber, dass sie demnächst konkrete Pläne vorlegen können. „Wir gehen davon aus, dass die wichtigsten Gespräche bis Mitte, Ende Januar abgeschlossen sind“, teilte Dieter Schaller der Deutschen Presse-Agentur mit. „Nutzungseinschränkungen werden wir erst nach den Gesprächen kennen.“ Die Unternehmerfamilie aus Mannheim hatte das Areal im südhessischen Heppenheim Mitte Dezember übernommen. Eine Planung der über 100 Jahre alten Gebäude soll eng mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt werden. An eine weitere Nutzung als Schule ist aber vermutlich nicht gedacht.

Die Unternehmerfamilie betreibt unter anderem die Werbeagentur Schaller & Partner in Mannheim. Nach eigenen Angaben haben die Käufer in Mannheim und Ludwigshafen bereits denkmalgeschützte Objekte wieder instand gesetzt. Das Projekt Odenwaldschule sei aber so einmalig, dass es keine vergleichbaren Fälle gebe, erklärte Schaller. Das romantisch gelegene Ensemble solle erhalten werden (RNF berichtete).

Die Odenwaldschule im Heppenheimer Stadtteil Ober-Hambach war einst eine Vorzeige-Einrichtung der Reformpädagogik gewesen. Kurz vor ihrem 100. Geburtstag 2010 kam der sexuelle Missbrauch von Lehrern an Schülern ans Licht. Ein Abschlussbericht sprach von mindestens 132 Opfern, die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher liegen. Die Schule erholte sich von dem Skandal nicht mehr, gerade die Zahl der zahlenden Internatsschüler ging zurück. Schließlich musste die Schule Insolvenz anmelden und wurde abgewickelt. Der Schulbetrieb endete bereits Anfang September 2015. Eine Initiative von Eltern und Sponsoren hatte noch versucht, die Privatschule in Heppenheim in kleinerer Form und unter dem Namen
„Schuldorf Lindenstein“ fortzusetzen. Sie hoffte darauf, dass es nach den Sommerferien mit dem Schuljahr 2016/2017 weitergehen könnte. Nachdem die Insolvenzverwalterin der Odenwaldschule jedoch einen Käufer für das Gelände gefunden hatte, gaben die Befürworter des Projekts auf. (dpa/lsw/wg)