Hintergrund: Die ERM-Gasleitung von Ludwigshafen nach Karlsruhe

Am 23. Oktober gab es bei Wartungsarbeiten an einer Versorgungsgasleitung an der Grenze der Ludwigshafener Stadtteile Oppau und Edigheim eine Explosion. Ein Arbeiter starb, drei weitere erlitten schwerste Verbrennungen. Am Tag danach war noch nicht klar, ob sie „über den Berg sind“, wie der Ludwigshafener Feuerwehrchef Peter Friedrich bei einer Pressekonferenz sagte.

Die konkrete Ursache der Explosion ist auch am Tag nach dem Unglück noch unklar. Die Hochdruck-Gasleitung wird von der Firma GASCADE betrieben, einer Tochter des Chemiekonzerns BASF. Die ERM, so der Name der geborstenen Leitung, werde seit 1994 für den Transport von Erdgas genutzt, sagte eine GASCADE-Sprecherin auf RNF-Anfrage. Sie bestätigte, was Peter Friedrich tags zuvor bereits beschrieben hatte: Bei einer so genannten Molchung, bei der ein Roboter das Innere einer Gasleitung abfährt, waren Unregelmäßigkeiten an der Leitung aufgefallen. Um diese Unregelmäßigkeiten abzuklären, war eine Fachfirma beauftragt, die Pipeline freizulegen. Dies sei eine Routinearbeit, die häufig durchgeführt werde, so die Sprecherin. Die Gaszufuhr wird während dieser Art von Arbeit nicht unterbrochen. Warum es an diesem Tag bei den vorbereitenden Arbeiten zu einem Unglück kam, ist nun Gegenstand der Untersuchungen.

Nach Angaben von Stadt und Feuerwehr Ludwigshafen habe sich GASCADE sofort nach dem Unglück kooperativ gezeigt. „Wir werden den Unfallhergang genau analysieren. Zudem unterstützen wir die Ermittlungen der Behörden bestmöglich“, sagte Christoph von dem Bussche, Geschäftsführer der GASCADE Gastransport GmbH, in einer Mitteilung des Unternehmens. Unter der Telefonnummer 0561/934-3737 können sich Menschen, die durch das Unglück in Ludwigshafen geschädigt wurden, melden.

Die Gasleitung ist zurzeit außer Betrieb. Wann sie wieder repariert ist, sei zurzeit noch nicht absehbar. Die Arbeiten an der Unglücksstelle hätten begonnen, so die Sprecherin. Versorgungsengpässe bei Kunden seien nicht aufgetreten.

Die ERM ist den Angaben des Unternehmens zufolge 57 Kilometer lang, hat einen Durchmesser von 40 Zentimetern und führt von Ludwigshafen nach Karlsruhe. Sie transportiert bis zu 110.000 Kubikmeter Erdgas pro Stunde. Die Leitung beliefert auch, aber nicht ausschließlich, die BASF. Es sei eine Reihe weitere Kunden an die Pipeline angeschlossen, so die Sprecherin.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass eine Gasleitung dieser Art durch ein Wohngebiet verlaufe, sagte die Sprecherin weiter. Häufig werden Gasleitungen auch nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen Leitungen verlegt, etwa für Strom, Telefon und Wasser. Das war im Fall der geborstenen Gasleitung auch spürbar: Weil Nachbarleitungen durch die Explosion in Mitleidenschaft gezogen wurden, mussten die Anwohner Beeinträchtigungen in der Wasserversorgung wie auch Ausfälle im Telefon- und Kabel-TV-Netz hinnehmen – beispielsweise wurde eine Glasfaserleitung der Telekom zerstört. Häufig werden Gas- und andere Leitungen entlang bereits bestehenden Trassen verlegt, etwa Autobahn-, Eisenbahn- und Strom-Trassen.

Für GASCADE gehört die Leitung zwischen Ludwigshafen und Karlsruhe zu den eher kleineren. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel betreibt ein 2400 Kilometer langes Gasleitungsnetz vor allem im Norden und im Osten Deutschlands, unter anderem auch die Zuleitungen an die „Nordstream“-Pipeline durch die Ostsee. (rk)

Bild oben: Die Verlegung einer Gasleitung beim Bau des beim Bau des MIDAL Südloop 2013 (Quelle: GASCADE)

Das Leitungsnetz der GASCADE:

 

Quelle: GASCADE