Im Derby hat Großwallstadt das bessere Ende für sich: SG Leutershausen verliert 27:29 (14:15)

(rkü) Wenn eine Handball-Begegnung in der Region einen Klang hat, dann diese: SG Leutershausen gegen TV Großwallstadt. Erinnerungen werden wach an hochemotionale Derbys in der höchsten Spielklasse. Nach dem Wieder-Aufstieg der „Roten Teufel“ und dem Abstieg der Mainfranken in die zweite Liga kam es nun nach achtzehn Jahren zu einer Wiederauflage des Klassikers. Und das Niveau des Spieles stand den Erwartungen an das Derby in keiner Weise nach.

In einem engen Finale hatte Großwallstadt mit dem Ergebnis von 27:29 das bessere Ende für sich. „Wir sind sehr, sehr glücklich über die ersten Punkte in der zweiten Liga“, sagte TVG-Trainer Khalid Khan, „wir hatten einen schlechten Start und haben am Ende vielleicht glücklich, aber letztlich nicht unverdient gewonnen.“

Leutershausen präsentierte sich in den ersten Minuten motiviert bis in die Haarspitzen. Die 1100 Fans in der Heinrich-Beck-Halle tobten, weil ihre „Roten Teufel“ bereits nach zweieinhalb Minuten 4:0 in Führung lagen. Im Angriff zeigten sie sich durchschlagskräftig und beweglich, kamen so auch zu den ersten einfachen Toren. In der Abwehr waren sie oft einen Schritt schneller als der Bundesliga-Absteiger – der frühe, hohe Vorsprung war verdient. Die SGL konnte mit Jochen Geppert und Jan Forstbauer auf sichere Werfer bauen, zudem zeigte Alexander Hübe im Tor gute Reflexe.

Großwallstadt verhinderte in der Folge einen weiteren Erdrutsch und blieb dran, zeigte nun vor allem in der Defensive mehr Engagement. In der Offensive lief viel über den Ex-„Heisemer“ Jannik Kohlbacher, der mit vollem Körpereinsatz am Kreis agierte. Er war es auch, der in der 22. Minute den 11:11-Ausgleich besorgte und bald darauf auch noch das 11:12. Wenige Sekunden darauf vorübergehende das Aus des Youngsters: Ein harter Wurf von Leutershausens Manuel Frietsch traf ihn ungeschützt am Auge. Mit einer heftig blutenden Platzwunde trat der 18-Jährige den Gang in die Kabine an. Den Vorteil wusste Leutershausen aber nicht zu nutzen. „Ich bin enttäuscht von unserer Mannschaft“, fand SGL-Trainer Marc Nagel nach der Partie klare Worte, „sie ist nach der hohen Führung zu Beginn euphorisch in der Manier einer D-Jugend-Mannschaft nach vorne gerannt. Es ist an der Zeit, mehr Cleverness ins Team zu bekommen.“ So rettete Großwallstadt eine 14:15-Führung in die Pause.

Nach dem Wiederanwurf – Jannik Kohlbacher war wieder mit dabei – setzte sich die Szenerie vom Ende der ersten Hälfte zunächst fort: Leutershausen mit hoher Aggressivität, aber auch mit zu vielen Fahrkarten. Durch Strafzeiten kam die SGL aus dem Tritt, musste Gegentreffer hinnehmen, die bis zur 45. Minute in einem 19:24-Rückstand mündeten. Holger Löhr und Marc Nagel nahmen eine Auszeit. Und sie verfehlte ihre Wirkung nicht: Die Hausherren saugten sich wieder heran, in der 52. Minute holten sie den 25:25-Ausgleich. „Da haben wir dann die Qualität der Mannschaft gesehen: Sie hat sich nicht hängen lassen und weiter gekämpft“, so Marc Nagel. Alles wieder offen – die Heinrich-Beck-Halle ein Hexenkessel. Die Helden dieser Minuten: Alexander Hübe im Tor, bis dahin mit 22 Paraden ein starker Rückhalt seines Teams, und Manuel Frietsch im Angriff – er besorgte fünf jener sechs Treffer, die die SGL wieder ins Spiel brachten. „Natürlich ist es enttäuschend, dass es nicht gereicht hat“, sagte er hinterher, „am haben Kleinigkeiten den Unterschied ausgemacht.“

Die letzten Minuten hatten dann alles, was sich Handball-Fans von diesem Spiel erhoffen – oder fürchten. Jedenfalls stieg die Herzschlagfrequenz in der gesamten Halle spürbar. Noch zwei Mal wechselte die Führung in den letzten Minuten, ehe eine umstrittene Siebenmeter-Entscheidung 100 Sekunden vor Schluss Großwallstadt die 26:28-Führung brachte: Michael Spatz versenkte den vierten von vier Strafwürfen sicher im Netz. Am Ende nahmen die Gäste ein 27:29 mit nach Hause. „Ich würde nicht sagen, dass wir die schlechtere Mannschaft waren“, meinte Nagel abschließend, „wir haben eben den Superstart nicht richtig angenommen.“

Spielstatistik

SG Leutershausen: Hübe, Ullrich, Frietsch 8, Forstbauer 3, Russ 3, Volk 3, Durak 4, Geppert 4, Gäßler, Dippe, Engels 1, Schulz 1, Räpple

TV Großwallstadt: Lenz, Putera, Spatz 6/4, Fridgeirsson 4, Henkel, Eisenträger 3, Lopez Romero 6, Holst, Jakobsson, Nikolic Kajic 1, Stark, Pomeranz 4, Kohlbacher 5, Arnaud, Kretschmer

Strafzeiten: SGL 4min/TVG: 10 min

Siebenmeter-Statistik

SGL: 1/0 // TVG: 4/4