„Keine Erklärung“: Hoffenheim nach Pleite in Nürnberg ratlos

1899 Hoffenheim ist inzwischen ein hervorragende Aufbaugegner für Abstiegskandidaten – und könnte selbst noch in Not geraten. Nach der Niederlage in Braunschweig vor der Winterpause startete Gisdols Team mit einer Pleite in Nürnberg ins Fußballjahr.

Nürnberg (dpa/lsw) – Ausgerechnet der Vorbereitungs-«Meister» hat einen desolaten Rückrunden-Start in der Fußball-Bundesliga hingelegt. Bei 1899 Hoffenheim ist die Ratlosigkeit und der Schock nach dem 0:4 (0:2) in Nürnberg deutlich zu spüren. «Es ist nicht zu erklären», sagte Mittelfeldspieler Eugen Polanski nach der peinlichen Vorstellung der Kraichgauer am Samstag beim bis dato in dieser Saison noch sieglosen «Club». «Ich habe eigentlich keine Erklärung», meinte auch Torhüter Koen Casteels.

Mit vier Siegen in vier Spielen und einem weitgehend störungsfreien Trainingslager in Spanien hatte sich die TSG bestens präpariert gesehen. Lediglich die hartnäckige Zehenverletzung von Offensiv-Ass Kevin Volland, der am Samstag erst in der 54. Minute eingewechselt wurde, hatte den Hoffenheimern etwas Sorgen bereitet. Aber in der Defensive, da war sich Markus Gisdol sicher, hat sich sein Team stabilisiert. «Ich bin sicher, wir werden in der Rückrunde weniger Gegentore bekommen als in der Hinrunde», hatte der Trainer noch am Donnerstag prophezeit.

Jetzt hat es in 18 Spielen bereits 42 Mal eingeschlagen – Schießbude der Liga darf sich die TSG weiterhin nennen. Vor allem die Innenverteidigung mit Niklas Süle und Jannik Vestergaard erwischte einen rabenschwarzen Tag. Casteels, der im Duell der Keeper nun doch den Vorzug vor Jens Grahl erhalten hatte, konnte bei den Gegentoren gar nicht viel machen.

«Ich hatte meine Mannschaft eindringlich davor gewarnt, die guten Leistungen aus der Vorbereitung überzubewerten. Anscheinend sind da einige Signale falsch interpretiert worden von den Spielern», grantelte Gisdol. «Bundesliga ist immer was anderes, da kommen Emotionen, Anspannung und Publikum dazu.»

Timothy Chandler (24. Minute), Josip Drmic (41./70.) und Daniel Ginczek (48.) führten mit ihren Toren die Hoffenheimer förmlich vor. «Wir waren immer und überall einen Schritt zu spät, haben es dem FCN dadurch zu einfach gemacht», räumte Casteels ein. Allzu leichtfertig vergaben die Gäste vor allem zu Spielbeginn einige dicke Chancen. Allen voran verschluderte Roberto Firmino – mit blond gefärbten Haaren und giftgrünen Fußballschuhen zumindest optisch auffällig – immer wieder aussichtsreiche Möglichkeiten mit unpräzisen Zuspielen.

«Es ist uns heute nicht gelungen, eine stabile Leistung abzuliefern. Nürnberg war entschlossener in den Zweikämpfen, vor dem Tor. Sie wollten unbedingt die Tore machen», meinte Gisdol und klagte: «Wir haben hinten viel zu viel zugelassen. Wir haben heute für die Nürnberger eine Anschubfinanzierung geleistet.» Dabei hatte seine Mannschaft sich schon im Dezember mit einer 0:1-Niederlage bei Schlusslicht und Aufsteiger Braunschweig in die Winterpause verabschiedet. «Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas wie heute nochmal passiert», meinte Polanski kopfschüttelnd.

Zu allem Übel muss Hoffenheim jetzt erstmal auf Fabian Johnson verzichten: Der US-Nationalspieler hat sich in Nürnberg die rechte Mittelhand gebrochen und musste am Sonntag operiert werden.