Landau: Kinderschutzbund fordert, Kita-Kräfte für Arbeit mit Traumatisierten zu schulen

Viele Flüchtlingskinder sind nach Einschätzung des Kinderschutzbundes traumatisiert. Die Erzieherinnen müssten darauf besser vorbereitet werden, fordert die Organisation. Außerdem sollten die Kinder noch in der Erstaufnahmeeinrichtung Deutschunterricht bekommen.

Landau (dpa/lrs) – Der Deutsche Kinderschutzbund hat gefordert, Erzieherinnen in Kindertagesstätten besser auf die Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingskindern vorzubereiten. In den Erstaufnahmeeinrichtungen lebten viele Kinder, die hochtraumatisiert seien und psychologische Hilfe bräuchten, sagte der 1. Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Rheinland-Pfalz, Christian Zainhofer, der Deutschen Presse-Agentur. Sie kämen nach einigen Monaten in die Kitas. Für eine Erzieherin könne das zum Beispiel bedeuten, dass ihre Gruppe plötzlich um zwei traumatisierte Kinder wachse. «Das kann problematisch werden für Erzieher», sagte der Anwalt, der auch Vizepräsident des Deutschen Kinderschutzbundes ist.

Die Fachkräfte müssten deshalb auf diese Situation vorbereitet werden. «Die müssen geschult werden, die brauchen massiv Unterstützung», forderte Zainhofer. Es sei nicht damit getan, Erzieherinnen auf Homepages mit Erziehungstipps oder an Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz zu verweisen. Sie bräuchten professionelle Hilfe, wenn gewollt sei, «dass sie mit traumatisierten Kindern umgehen».

Weil Sprachprobleme die Situation in den Kindertagesstätten erschwerten, müsse außerdem dafür gesorgt werden, dass die Flüchtlingskinder schon in der Erstaufnahmeeinrichtung anfingen, Deutsch zu lernen, sagte Zainhofer. «Dann ist die Integration in der Kita deutlich einfacher.»

Bei einer Tagung in Mainz Mitte Juli tauschten sich mehr als 60 Kita-Fachkräfte und Fachberatungen aus ganz Rheinland-Pfalz über Herausforderungen und konkrete Fragen aus. Noch für dieses Jahr sind zwei weitere Fachtagungen geplant, im kommenden Jahr stehen unter anderem zwei Seminare und eine Fachtagung auf dem Programm. Dabei soll es auch um den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingskindern gehen.

Viele Kindertageseinrichtungen verfügten bereits über pädagogische Konzepte zum Umgang mit Mehrsprachigkeit, religiöser Vielfalt und multikultureller Gruppenzusammensetzung, teilte der Sprecher des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, Matthias Bolch, mit. Neue Themen seien unter anderem belastende Fluchterfahrungen oder Kommunikationsprobleme wegen fehlender Sprachkenntnisse. «Sorge bereitet es den Fachkräften, wenn nicht ausreichend Kitaplätze zur Verfügung gestellt werden können und es deswegen zu Konkurrenzsituationen kommt», ergänzte er.

Zainhofer sagte weiter, nach der derzeitigen Rechtslage gebe es in den ersten drei Monaten für Flüchtlinge nur eine medizinische Versorgung, wenn es sich um einen Notfall handele. «Das ist natürlich etwa bei chronisch kranken Kindern ein echtes Problem.» Gerade Kinder, die in der Entwicklung steckten, müssten vom ersten Tag an einen Anspruch auf volle medizinische Versorgung haben – und nicht nur in Notfällen.

Kritik äußerte er auch an dem umstrittenen Plan von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), die Mittel, die mit der Abschaffung des Betreuungsgeldes frei werden, zum Stopfen von Haushaltslöchern zu verwenden. In Zeiten wie diesen sei es angebracht, «das Geld in die Kommunen zu stecken, um entsprechende Kita-Plätze zu schaffen», sagte Zainhofer. Mit Blick auf Rheinland-Pfalz sagte er, es sei erfreulich, dass sowohl die rot-grüne Landesregierung als auch die CDU-Opposition eine Willkommenskultur pflegten.