Landau: Nach der Gartenschau ist vor dem Häuserbau

Auf der Landesgartenschau in Landau fällt neben den Blättern auch bald der letzte Vorhang. Am Sonntag schließt das
vierte rheinland-pfälzische Blumenfest nach 185 Tagen seine Pforten. Zu Hunderttausenden sind die Besucher seit dem 17. April auf das ehemalige Kasernenareal geströmt, um Beete, Gärten und Gebäude zu begutachten. Sie taten das ein Jahr später als ursprünglich geplant, denn wegen Blindgängerfunden war der Start verschoben worden. Doch nun freuen sich die Macher. „Die Bilanz wird hervorragend ausfallen“, sagt Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer (SPD). „Ich denke, wir
können rundum zufrieden sein.“ Das Ziel, mindestens 600 000 Besucher anzuziehen, wurde locker erreicht – am Horizont zeigt sich inzwischen sogar die Zahl 800 000. Zwar sind darunter viele Dauerkartenbesitzer, die mehrmals kamen. Aber das Ergebnis reicht trotzdem aus, um die kalkulierten Kosten zu schmälern: So reduziert sich der sechs-Millionen-Euro-Zuschuss, den die Stadt noch zum laufenden Betrieb beisteuern muss, dank der Besucher um mindestens 1,2 Millionen Euro. „Der städtische Haushalt wird entlastet“, sagt Geschäftsführer Matthias Schmauder. Die Zahlen könnten besser aussehen, wenn die Hitze nicht so heftig zugeschlagen hätte. „Uns sind die Besucher weggeblieben“, sagt Schmauder. „Bei 40 Grad im Schatten geht keiner auf die Gartenschau.“ Bis zu 85 000 Besuche könnten die Temperaturen seiner Hochrechnung zufolge verhindert haben – denn man habe ja gesehen, wie sich die Zahlen vor Beginn der Hitze entwickelt hätten. Auch zusätzliche Sonnenschirme brachten nur wenig Linderung. Wegen Kreislaufproblemen und Wespenstichen gab es im Schnitt zwei Rettungseinsätze pro Tag, einmal musste der Notarzt sogar eingeflogen werden. Wegen Gewitterwarnungen wurden einige der mehr als 2000
Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Außerdem trieben Hitze und Trockenheit den Wasserverbrauch in die Höhe. „Alle Fachleute haben nur gestaunt, dass wir es geschafft haben, das Gelände der Gartenschau in diesem Zustand zu erhalten“, sagt Schmauder. All das ist nun Geschichte. Am Montag beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte des Geländes, das sich bereits von der einstigen Schmuddelecke Landaus zum Vorzeige-Stadtteil entwickelt hat. Nach dem Abzug der französischen Armee 1999 war das 270 000 Quadratmeter große Areal zunächst verfallen, erst 2008 konnte die Stadt es kaufen. Im
Zuge der Gartenschau wurde es mit Investitionen von 35 Millionen Euro – 27 Millionen Euro davon vom Land – aufgemöbelt. Vieles davon soll auch nach der Schau bleiben – neben einem weitläufigen Spiel- und Freizeitcampus mit vielen Sportanlagen auch ein großer Park, viele Spielplätze und ein 25 Meter hoher Aussichtsturm. Schon vor der Schau waren auf dem Gelände moderne Flachdachhäuser entstanden. Die Studentenstadt wächst – sie braucht Wohnraum. Auf einem Teil der Gartenschau-Fläche im Nordosten des Areals – wo sich derzeit noch die „Gartenkabinette“ befinden – sind weitere Häuser geplant. Zunächst würden dort Straßen gebaut, „dann geht es schnellstens an die Vermarktung der Grundstücke“, sagt Schmauder.
Insgesamt soll es auf dem Gelände einmal 900 Wohnungen und 300 neue Arbeitsplätze geben. „Landesgartenschauen sind Erfolgsmotoren für eine Stadt“, lautet OB Schlimmers Fazit. „Sie machen Visionen wahr.“ Bei der oppositionellen CDU gibt man sich etwas reservierter. „Aus regionaler Sicht war es sicher ein immenser Entwicklungsschub für die Stadt“, sagt die CDU-Landtagsabgeordnete Christine Schneider, die Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses. Aus Landessicht gelte es
aber auch, die genauen Zahlen zu hinterfragen, sobald diese vorlägen – etwa hinsichtlich der tatsächlich zahlenden Gäste und des Defizits. Außerdem könne man das Thema Gartenschau teilweise sicher „ein Stück weit neu denken“, zum Beispiel in punkto Nachhaltigkeit. Wegen des trockenen Sommers habe viel bewässert werden müssen, was teilweise
nicht gelungen sei – etwa wegen der Größe des Areals. Das müsse man bei der nächsten Schau bedenken, gerade weil das Wetter in den vergangenen Jahren immer heißer geworden sei. (dpa/lrs)