Löwen: Dicke Luft nach Pleite in Szeged

Auf den Heimweg machten sich die Rhein-Neckar Löwen trotz des vorzeitigen Achtelfinal-Einzugs mit hängenden Schultern und gesenkten Köpfen. Den Trip nach Ungarn zum Champions-League-Auswärtsspiel bei Pick Szeged hatte sich der souveräne Tabellenführer der Handball-Bundesliga ganz anders vorgestellt. Es sollte ein großer Schritt Richtung Topplatzierung in der Vorrundengruppe B gemacht werden, stattdessen setzte es mit der 24:30 (12:14)-Niederlage einen heftigen Rückschlag, der noch bittere Konsequenzen haben kann.

Der Gruppensieg ist weiter möglich – Rang fünf aber eben auch. Der würde den Nordbadenern ein Achtelfinal-Duell mit einem der Titelfavoriten Paris Saint-Germain, MVM Veszprem, THW Kiel oder SG Flensburg-Handewitt bescheren. „Genau das wollten wir mit einem Sieg in Szeged eigentlich verhindern. Jetzt kann es sein, dass wir Fünfter werden“, meinte ein enttäuschter Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen, dessen Mannschaft nach dem 30:25-Sieg im Hinspiel auch noch den direkten Vergleich verlor: „Das ärgert mich am meisten.“

Mit jeweils 13 Punkten liegen beide Teams momentan auf Rang drei in Gruppe B. Der vorzeitige Achtelfinal-Einzug war da kein Trost. Weder beim Trainer, noch bei den Spielern. „Die Situation ist gefährlich. Wir haben ein schweres Restprogramm“, sagte Kreisläufer Hendrik Pekeler mit Blick auf die schwierigen Auswärtsaufgaben im nächsten Jahr beim FC Barcelona und bei Vive Kielce. In eigener Halle bekommen es die Löwen noch mit Vardar Skopje und KIF Kolding Kopenhagen zu tun.
Bei Pick Szeged erreichte der Vize-Meister zu keiner Zeit das Niveau, das er noch am Mittwoch bei der Gala im Bundesliga-Topspiel bei der SG Flensburg-Handewitt gezeigt hatte. „Wir haben zu viele Chancen ausgelassen, zu viele technische Fehler gemacht und im Rückraum nicht
das gezeigt, was wir können. Solch eine Leistung ist nach dem Auftritt zuvor in Flensburg nicht erklärlich“, kritisierte Teammanager Oliver Roggisch und wollte auch die immense Belastung inklusive Reisestrapazen nicht als Ausrede gelten lassen: „Es geht nicht um das Thema Belastung. Wir spielen Champions League, da ist solch ein Pensum logisch und dann muss sich jeder zusammenreißen.“
Ähnlich sah es Trainer Jacobsen, der eigentlich auf einen Schub nach dem dicken Ausrufezeichen in der Bundesliga gehofft hatte: „Wenn man solch eine Leistung in Flensburg abrufen kann, darf ich mehr verlangen als das, was ich hier gesehen habe.“ Die Löwen seien „nicht so zielstrebig, nicht so aggressiv und nicht so fokussiert wie am Mittwoch“ in die Begegnung gegangen, räumte Kapitän Uwe Gensheimer selbstkritisch ein. Der Linksaußen vermisste die letzte Einsatzbereitschaft in der Deckung, aber auch im Angriff kamen viele Fehler zusammen. „Wenn von vier Rückraumspielern nur einer einen guten Tag hat, dann wird es schwer, in Szeged zu gewinnen“, kritisierte Jacobsen. Aus der Distanz war einzig auf den achtfachen Torschützen Mads Mensah Larsen Verlass. Die Aufgaben im Dezember fordern nun eine rasche Rückkehr zur alten Stärke. Im Pokal-Viertelfinale will sich der Vize-Meister gegen die MT Melsungen fürs Final Four qualifizieren. In der Bundesliga möchten die Löwen den Vorsprung als Tabellenführer wahren. Am 23. Dezember kommt es zum Duell mit Titelverteidiger THW Kiel. „Wir werden noch einmal Vollgas geben“, betonte Roggisch. (dpa)