Löwen: Erste Niederlage in der Bundesliga-Saison

Am zehnten Spieltag ist es passiert: Die Rhein-Neckar Löwen mussten ihre erste Niederlage in  der DKB Handball-Bundesliga quittieren. Die Badener unterlagen am Samstag beim TuS N-Lübbecke mit 22:23 (11:11) und kassierten damit die Minuspunkte vier und fünf. 45 Stunden nach dem Abpfiff der Partie in der VELUX EHF Champions League gegen St. Petersburg (31:17) war der Akku eben noch längst nicht wieder voll.

Keeper Goran Stojanovic machte dagegen die Fahrt erst gar nicht mit: Der Montenegriner, der am Donnerstag gegen den russischen Vizemeister aus der Zarenstadt mit einer starken Leistung aufwartete, musste angeschlagen passen. Er hat sich eine Blessur am linken  Knie zugezogen. Somit rückte der dritte Torwart, Roko Peribonio, zum ersten Mal in den Kader. Der 22-jährige Informatik-Kaufmann war nach der Arbeit dem Löwenrudel am Freitagabend nach Bad Salzuflen nachgereist. Und durfte wiederum gut 24 Stunden später auf eine Begegnung zurückblicken, die es in sich hatte, vor allem was Hektik und eine hohe Fehlerquote auf Seiten der Gelbhemden anging.

„Ich bin sehr enttäuscht. Das war eine sehr unglückliche Phase am Ende“, bilanzierte Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson ziemlich frustriert nach dem Duell. Manager Thorsten Storm erklärte: „Es ist gerade für uns immer ein schwieriges Spiel in Lübbecke. Schade aber, dass die erste Saisonniederlage wieder einmal genauso passiert. Bei so vielen ausgelassenen Chancen im Angriff, reicht auch keine Super-Leistung von Niklas Landin im Tor. Die hundertprozentigen Chancen  müssen verwandelt werden, wenn man oben mitspielen will.“

Die erste Halbzeit begann mit einer Führung für die Löwen. Gedeon Guardiola war per Gegenstoß erfolgreich. Und Uwe Gensheimer sorgte beim 3:1 (5.) für den ersten Zwei-Tore-Vorsprung – nach Doppelparade von Keeper Niklas Landin. Patrick Groetzki erhöhte auf 5:2 (8.) nach einem schnell ausgeführten Freiwurf. Aber die Ostwestfalen schafften wieder den Anschluss – weil den Badenern zu viele technische Fehler unterliefen. Dann die Schrecksekunde in der 14. Minute: Bjarte Myrhol blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen, humpelte schließlich von der Platte, griff sich dabei immer wieder an den linken Oberschenkel: Pferdekuss. Arbeitstag beendet.

In Unterzahl (Manojlovic) quittierten die Löwen erneut den Anschluss – und auch den Ausgleich zum 8:8 (19.). Und die Partie wurde hektischer. Auszeit Löwen. Es ging weiter im Gleichschritt. Weil die Badener einige sehr gute Gelegenheiten nicht nutzen konnten und die Pässe zeitweise zu ungenau kamen. Als Kim Ekdahl du Rietz eine Zwei-Minuten-Strafe absitzen musste, scheiterte Gensheimer mit seinem zweiten Siebenmeter an Keeper Malte Semisch. Aber auf der anderen Seite war Torhüter Landin ebenfalls auf dem Posten: Seine Parade Nummer 14 sicherte das 11:11 zur Pause in einer umkämpften Begegnung, in der die beiden Abwehrreihen das Geschehen bestimmten und in der die Gudmundsson-Sieben erneut zu viele Chancen verballerte. Neun Fahrkarten waren notiert.

Nach dem Wechsel brachte Pajovic den TuS in Front und nun liefen die Löwen hinterher. Zumal den Badenern phasenweise die nötige Durchschlagskraft aus dem Rückraum fehlte.  Sergei Gorbok schaffte den 13:13-Ausgleich (35.), aber Pajovic und Gustafsson bestraften die Fehler der Gäste eiskalt – 13:15 (36.). Die Fehlerquote der Löwen driftete nun in den roten Bereich. Sie waren nicht konzentriert genug und die Hausherren hatten leichtes Spiel, auch bei der 16:13-Führung. Auszeit Löwen. Und auch Andy Schmid scheiterte per Siebenmeter an Semisch. Erst Gensheimer beendete die Torflaute der Badener, die aber auch danach viel zu fahrlässig mit ihren Möglichkeiten umgingen. Das 14:18 (41.) aus Löwensicht war das bittere Ergebnis. In über 13 Minuten waren den Gelbhemden gerade mal drei Treffer gelungen. Und immer wieder diese überflüssigen, leichten Fehler.  Selbst als Vukovic mit zwei Mal zwei Minuten vom Feld musste, konnten die Gäste diese Überzahl nicht optimal ausnutzen. Im Hexenkessel zu Lübbecke hielt Semisch auch Siebenmeter Nummer vier. Aber als Schmid dann doch noch vom Strich traf, hatten die Badener den Anschluss geschafft 18:19 (49.). Der Nervenkrimi hatte längst Fahrt aufgenommen. Und erneut Schmid vom Strich: der Ausgleich. 19:19. Und Gensheimer: die Führung durch das neunte Tor des Kapitäns. Aber Lübbecke drehte das Spiel erneut. 21:20 für die Ostwestfalen. Ausgleich. Und das 22:21 (57.) durch Schmid. Landin hatte zuvor seinen 24. Wurf pariert. 22:22. Erneut Remer, der beste Schütze für die Ostwestfalen. Noch 90 Sekunden. Stürmerfoul der Löwen. Ballbesitz TuS. Noch 60 Sekunden. Auszeit Lübbecke. Noch 31 Sekunden.  Pajovic trifft 20 Sekunden vor dem Ende. Gorbok kommt mit dem Leibchen als siebter Feldspieler. Noch einen Freiwurf. Noch eine Sekunde. Schmid wirft den Block an. Wiederholung. Die dann doch nicht ausgeführt wird. Die erste Niederlage war amtlich. (RNL)