Löwen: Gefräßig in Minden

Minden.  Die Rhein-Neckar Löwen haben am Freitag beim TSV GWD Minden mit 30:20 (14:12) gewonnen. Vor 1950 Zuschauern in der Kampa-Halle avancierte Uwe Gensheimer mit zehn Treffern zum erfolgreichsten Werfer des Abends. Nach dem erwarteten Kraftakt in Ostwestfalen atmete Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson tief durch: „Das war eine unglaubliche Vorstellung unserer Mannschaft. Wir sind heute ohne sechs Stammspieler gekommen. Das war eine sehr schwierige Aufgabe. Aber wir haben sehr gut in der Abwehr gestanden und es war ein Erlebnis, Niklas Landin im Tor zu sehen. Ein Sonderlob hat sich Michel Abt verdient, der seine Sache im Angriff und in der Abwehr sehr gut gemacht hat.“  Trotzdem wirkte der Isländer sehr nachdenklich: „Wir haben den Sieg heute teuer bezahlt, haben nun zwei weitere angeschlagene Spieler.“ Gemeint waren Kim Ekdahl du Rietz (Oberschenkel) und Isaias Guardiola (Leiste).

Schließlich war bereits vor dem Auswärtsduell in Minden einer Hiobsbotschaft die nächste gefolgt: Zunächst meldete sich Nikola Manojlovic mit einer im Spiel gegen Wetzlar erlittenen Rückenverletzung ab, dann musste auch Sergei Gorbok (grippaler Infekt) mit hohem Fieber kurzfristig passen. Damit fehlten Coach Gudmundsson inklusive der drei Langzeitverletzten Alexander Petersson (Schulter-OP),  Zarko Sesum (Knie-OP) und Marius Steinhauser (Kreuzbandriss) insgesamt fünf Akteure. Abwehrchef Oliver Roggisch, der zuletzt wegen einer noch in der Vorbereitung erlittenen Ellenbogen-Fraktur nicht dabei sein konnte, saß zumindest auf der Bank. Damit hatte Coach Gudmundsson ordentlich Probleme: Denn sein Mittelblock war erneut gesprengt. Den Platz neben Gedeon Guardiola nahm nun in Bjarte Myrhol ein.

Die Partie begann mit einer Führung für GWD. Andy Schmid drehte mit dem 2:3 (6.) das Duell. Und die Löwen bauten die Führung beim 3:6 (9.) und 4:7 (11.) auf drei Treffer aus. Danach parierte Keeper Niklas Landin einen Siebenmeter von Aljoscha Schmidt – der vierte erfolgreiche Reflex des Dänen, der endgültig in der Begegnung angekommen war. Parade Nummer fünf und Tor Nummer drei von Uwe Gensheimer bedeuteten die erste Vier-Tore-Führung. Und Auszeit Minden. 5:8 (17.), das Löwen-Coach Gudmundsson mit seiner Auszeit beantwortete. Aber die Ostwestfalen verkürzten zunächst weiter.  Gensheimer in Überzahl, dann Landin mit Parade und Schmid mit seinem zweiten Treffer jeweils in Unterzahl.  Die Löwen verteidigten verbissen ihren Vorsprung, obwohl sie dabei noch die ein oder andere gute Gelegenheit ausließen. Die Vier-Tore-Führung hielt bis zum 8:12 (27.), die Defensive entpuppte sich bis dahin als Bollwerk vor einem starken Landin. Dann aber schlichen sich Unkonzentriertheiten ins Spiel der Löwen ein. Ruckzuck waren die Hausherren durch Tesch und Svitlica auf 10:12 (28.) dran. Und die Fehlerquote der Badener driftete in der Schlussphase des ersten Abschnitts in den roten Bereich. GWD bestrafte prompt. Da war es ganz wichtig, dass Schmid mit dem Halbzeitpfiff noch einmal den Hammer rausholte: 12:14.

Nach dem Wechsel in Minden begannen die Löwen mit einem weiteren Fehlwurf. Dagegen kullerte Südmeiers Wurf zum 13:14-Anschluss für GWD über die Torlinie. Aber in diesem Hexenkessel blieb Kapitän Gensheimer ganz cool – der Heber vom Siebenmeterstrich bedeutete das 13:16 (34.). Das siebte Tor von Gensheimer in Unterzahl war ein ganz Wichtiges: 14:17 (36.).  Die Löwen zeigten die Zähne, brillierten mit unbändigem Kampfgeist und präsentierten sich als sensationelle Einheit. Rudelbildung dann als Landin von Tesch am Kopf getroffen  wurde. Anschließend gab es Platz auf dem Spielfeld: Svitlica und Schmid mussten mit Strafstrafen runter. Aber einer behielt trotz allem die Übersicht: Der dänische Zwei-Meter-Mann im Kasten der Löwen vernagelte seine Hütte, Landin parierte gegen Schmidt in Weltklassemanier – seine 17. Parade! Und Spielmacher Gensheimer gelang sein neuntes Tor – 14:19 (44.). Dann setzte Michel Abt seine Ausrufezeichen: 15:20, 15:21 – ein Doppelpack mit aller Dynamik und Durchschlagskraft. Auf der anderen Seite immer wieder Landin: Nach Gensheimers Tor zum 17:23 – seinem zehnten Treffer, hielt der Keeper seinen 20. Ball, den insgesamt 60. im dritten Bundeligaspiel der noch jungen Saison. Und als die Achse Schmid – Myrhol erneut funktionierte, das 17:24 (52.) auf der Anzeigetafel aufleuchtete, da bogen die Löwen ganz langsam auf die Zielgerade ein. Mit Herz, Wille, Engagement und Leidenschaft, aber auch mit Cleverness, kühlem Kopf und selbst in der Schlussphase mit ganz viel Tempo zogen die Badener die beiden Zähler auf die Habenseite.  Das war eine bärenstarke Teamleistung! Ein 5:0-Lauf zum 17:27 (54.) bedeutete die erste Zehn-Tore-Führung. Der Widerstand der Ostwestfalen war längst gebrochen. „Ich bin froh, dass ich spielen durfte“, sagte Michel Abt nach der Schlusssirene sichtlich kaputt, aber zufrieden: „Am Anfang war ich doch etwas aufgeregt, aber dann hat es ganz gut geklappt. Wir haben nach der Pause als Team in der Abwehr deutlich besser gestanden und unsere Chancenverwertung war auch besser.“ So etwas nennt man Erfolgsrezept. (Quelle: HP RNL)