Löwen: Unentschieden als gefühlte Niederlage

Göppingen. Der erste Fleck ist auf der Weste: Die Rhein-Neckar Löwen haben im fünften Spiel der Saison den ersten Punktverlust hinnehmen müssen. Die Badener trennten sich am Samstagabend im Landesderby von Frisch Auf Göppingen mit 23:23 (10:8), nachdem sie in der Schlussphase einen sieben-Tore-Vorsprung verspielt hatten. Nach einem hart umkämpften Duell bestätigte Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson: „Das war ein Krimi. Wir haben 50 Minuten sehr gut gespielt, dann hat Göppingen ins Spiel gefunden und hat das überragend gemacht. Wir haben insgesamt im zweiten Abschnitt zu viel verworfen und in den letzten zehn Minuten in der Abwehr zu wenig Mittel gegen Rnic und Oprea gefunden. Unterm Strich bin ich enttäuscht und sehe das als einen Punktverlust, weil wir lange vorne waren. Aber ein Spiel dauert eben 60 Minuten und wir müssen damit leben.“ Manager Thorsten Storm sprach von einem gerechten Remis. „Weil Göppingen die letzten zehn Minuten gewonnen hat. Wir hätten den Sack mehrfach zumachen können. Und auch wenn es sich für mich wie ein Punktverlust anfühlt, kann ich auf der anderen Seite gut damit leben. Weil unsere Mannschaft auf einem guten Weg ist.“ FA-Coach Velimir Petkovic: „Das war ein tolles Spiel für die Zuschauer. Auch ich bin unzufrieden mit dem einen Zähler.  Weil mein Team über 60 Minuten vorbildlich gekämpft hat. Weil wir nur wegen Landin im ersten Durchgang in Rückstand geraten sind. Nach der Pause haben wir schlecht angefangen,  aber positiv war dann, dass wir nie aufgegeben haben und zurückgekommen sind.“

Die Partie in der Göppinger EWS-Arena begann vor 5000 Zuschauern mit drei Paraden von FA-Keeper Primoz Prost. Da hatte Niklas Landin Jacobsen noch gar keinen Ball auf seine Hütte bekommen. Wenig später war es dann allerdings so weit: Lobedank mit dem ersten Treffer des Abends (4.).  Patrick Groetzki glich aus, für ihr erstes Tor hatten die Badener fast fünf Minuten gebraucht, bis dahin vier Fahrkarten verzeichnet und einen Siebenmeter vergeben. Im zweiten Anlauf machte es Kapitän Gensheimer besser: das 2:3 (9.) war die erste Führung für die Löwen, die erneut im Angriff etwas länger brauchten, ehe sie in der Partie angekommen waren. In Unterzahl kassierten die Gelbhemden das 4:4 (14.). Landin mit seiner fünften Parade, der Däne hielt das Remis fest. Dann gab es Platz auf em Spielfeld, Lobedank und Myrhol mussten das Parkett verlassen, aber Karason fand die Lücke. Wieder so ein Ding vom Isländer. Und Gensheimer legte per Gegenstoß nach: 4:6 (17.). Landin erreichte so langsam wieder Betriebstemperatur, fischte den Ball von Pevnov. Aber die Chancenverwertung wollte einfach nicht besser werden: Gorboks Pfostentreffer bedeutete Fahrkarte Nummer zehn. Hinzu kamen einige technische Fehler. Die Konsequenz: Pevnov glich für Göppingen aus. Und es ging mit viel Hektik in einem hart umkämpften Derby weiter. In einer Partie mit zwei starken, aggressiven Defensivreihen wurde um jeden Zentimeter gefightet. Zwar gelang Myrhol erneut die Führung für die Löwen, aber sie mussten lange auf den nächsten Treffer warten, hatten zwei Mal Pech, als die Kugel an Latte und Pfosten landete. Dann war es wiederum Myrhol, der das 6:8 (25.) erzielte. Dann packte Gorbok den Hammer aus: 6:9 (27.) – die erste Drei-Tore-Führung. Aber die Badener waren immer wieder in Unterzahl,  Roggisch und Myrhol hatten  bereits jeweils zwei Zeitstrafen kassiert. Und die Würfe aus der Distanz kamen in dieser Phase zu ungenau. Da war es gut, dass die Abwehr erneut zum Bollwerk wurde, die Gelbhemden ordentlich Beton anrührten – mit einem Keeper Landin im Kasten, der es bis zum Wechsel auf zwölf Paraden brachte. Gensheimer netzte im Nachwurf zm 8:10-Halbzeitstand ein. Nur acht Gegentore konnten sich sehen lassen, aber im Angriff spielten die Löwen zu wechselhaft.

Nach dem Wechsel fügte sich Nikola Manojlovic nach überstandener Rückenverletzung auf der Platte in der Abwehr ein. Und Gensheimer verwandelte seinen zweiten Siebenmeter – 8:11 (31.). Und erneut Gense, diesmal per Gegenstoß. Vier Treffer Vorsprung. Durchatmen. Und die Löwen erhöhten die Schlagzahl, waren hellwach aus der Kabine gekommen und bauten ihren Vorsprung über 9:14 (36.) auf 10:16 (38.) aus. Die Angriffsmaschine lief nun. Beim 12:19 (41.) hatte FA-Coach Petkovic genug gesehen, er unterbrach die Partie. Auszeit. Und das Pech kehrte in die Offensive der Gäste zurück. Der EHF-Cup-Sieger ließ einfach zu viele klare Gelegenheiten aus. Frisch Auf dagegen landete einen Dreierpack und verkürzte in Überzahl.  Beim 16:19 (45.) war auch die Halle wieder da. Und die Badener hatten fast fünf Minuten die Hütte nicht getroffen. Die Folge: Auszeit Löwen (45.). Da war der 20. Treffer durch Ekdahl du Rietz eine Erlösung. Aber die Löwen machten es weiter spannend und gingen zu fahrlässig mit ihren Chancen um: Groetzki über das Tor, Gensheimer per Siebenmeter nur an den Pfosten. Beim 18:20 durch Oprea (49.) waren die Schwaben den Badenern wieder auf die Pelle gerückt. Myrhol kassierte seine dritte Zeitstrafe. Siebenmeter für Göppingen. Zehn Minuten vor dem Ende war der Anschluss hergestellt, weil die Gelbhemden die nötige Konzentration und die nötige Cleverness vermissen ließen. Sie machten den Sack nicht zu und bauten den Gegner auf. Dann traf Schmid. Aber die Abpraller bekamen immer wieder die Göppinger.  Und als Schmid den Ball verliert, ist es passiert: 21:21 (55.). Der Ausgleich fünf Minuten vor dem Ende. Die Löwen hatten einen Sieben-Tore-Vorsprung eingebüßt. Die Schlussphase wurde zum Nervenkrimi.  Ekdahl du Rietz mit dem 22:23. Noch 63 Sekunden, FA in Ballbesitz. Und das Duell wurde immer wieder unterbrochen. Der Ausgleich. Landin war noch dran, aber der Ball von Oprea kullert ins Eck. Noch vier Sekunden. Auszeit.

Den Wurf von Ekdahl du Rietz pariert Prost. (RNL)