Ludwigshafen: Abschlusspressekonferenz zum Großbrand Hafenstraße

[rk | Neues Video, aktualisiert 17:00 Uhr] Am Tag nach dem großen Brand ließ sich der Ort des Feuers erstmals wieder gefahrlos besichtigen. Seit dem Morgen um 10 Uhr durften Anwohner in ihre Häuser zurückkehren. Sie waren gestern angehalten worden, die Parkinsel zu verlassen. In diesem Beitrag zeigen wir aktuelle Aufnahmen von Sonntag Morgen. Außerdem enthält das Video ein Interview mit der Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse, das wir nach der Pressekonferenz am Morgen geführt haben. Darin nimmt sie klar Stellung zur Frage der Gesundheitsgefährdung durch Rauch und Ruß: Man könne jede Gefahr ausschließen, solle allerdings einige Verhaltensregeln im Umgang mit Lebensmitteln beachten, die von Ruß benetzt wurden.

[rk, aktualisiert 12:15 Uhr] Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Feuerwehr und Stadt Ludwigshafen am Morgen nach dem Großbrand auf der Parkinsel gab es vor allem eine Botschaft: Keine Sorgen machen, es gab keine Gesundheitsgefährdung, alle kritischen Grenzwerte wurden unterschritten, teilweise waren die Werte überhaupt hart an der Nachweisgrenze. Seit heute früh, 5:23 Uhr, ist das Feuer gelöscht.

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„Die thermische Überhöhung hat uns erheblich geholfen“, sagt Ludwigshafens Feuerwehrchef Peter Friedrich. Soll heißen: Durch die große Hitze zog der Rauch schnell wie in einem Kamin nach oben ab und hing nicht in der Stadt fest. Er verteilte sich in höheren Luftschichten, so blieben etwaige Schadstoffe von der Bevölkerung fern. Der Ruß, der von dem gigantischen Brand in einer Lagerhalle der Panalpina in der Hafenstraße übrig bleibt, sei ebenfalls nicht „akut gesundheitsgefährdend“, bestätigte Dr. Sebastian Kevekordes vom Gesundheitsamt. Das bedeutet: Er soll natürlich nicht gegessen werden. Lebensmittel, die stark vom Ruß bedeckt sind, sollen kompostiert werden. Bei leichteren Verschmutzungen genüge es, die Lebensmittel – etwa Obst – gut zu waschen. Wo Ruß auf Rasenflächen regnete solle gewässert und später gemäht werden. Die Abfälle können kompostiert werden. Muss Sand – beispielsweise auf Spielplätzen – gereinigt werden, berät die Stadtverwaltung individuell.

 

Das Podium der Pressekonferenz am Sonntag um 11 Uhr. (Bild: Kühnl)

 

Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse sprach davon, dass sie einen solch großen Brand während ihrer Amtszeit in Ludwigshafen noch nie erlebt habe: „Beeindruckend war, dass die Aktionen aller Hilfsorganisationen wie Zahnräder ineinander gegriffen haben. Der Einsatz lief zu jeder Zeit optimal“, sagte sie vor Pressevertretern auf dem Gelände der Feuerwehr in Ludwigshafen.

Die Brandursache ist an diesem Sonntag noch nicht zu klären, und auch zur Schadenshöhe hielten sich die Vertreter von Stadt, Feuerwehr und Polizei bedeckt. Die Kripo soll in den kommenden Tagen der Ursache des Feuers auf den Grund gehen, dabei wird ihr ein Hubschrauber helfen, der Luftaufnahmen von dem Areal macht.

Feuerwehrchef Peter Friedrich berichtete von den riesigen Anstrengungen, das Feuer unter Kontrolle zu bringen: Sieben Kilometer Schläuche seien verlegt worden, 32 Kubikmeter Wasser pro Minute lieferten die zahlreichen Pumpen. Unter anderem sei das neue Feuerlöschboot „Metropolregion“ zum Einsatz gekommen, das mit seinen Pumpen lieferte. Alleine der Turbolöscher der BASF, der zur Verstärkung vor Ort war, braucht bis zu 8.000 Liter Wasser pro Minute. Alles in allem waren bis heute früh 600 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Einsatz, die noch bis zum Abend mit Nachlöscharbeiten beschäftigt sein wird. Eine Rauchsäule ist bei dem noch glimmenden Feuer aber nicht mehr zu erkennen.

Seit zehn Uhr konnten auch die Bewohner der Parkinsel wieder in ihre Wohnungen zurück kehren. Insgesamt 2.300 Anwohner waren aufgefordert worden, die Parkinsel zu verlassen. 95 von ihnen wurden in Notunterkünften betreut, rund die Hälfte davon übernachtete auch dort.

 

Live-Tweets von der Pressekonferenz (ab 11 Uhr)

Ralph Kühnl auf Twitter folgen:

 

Zur Ausgangssituation der Bericht von heute früh, 8:00 Uhr:

Am gestrigen Samstag Mittag gegen 13 Uhr hatten sich nahezu 5.000 Tonnen Styropor-Granulat der BASF in einer Lagerhalle der Spedition Panalpina entzündet und waren vollständig abgebrannt. Eine dunkle Rauchsäule stieg Kilometer hoch in den Himmel und war in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar zu sehen. Kurz nach 20 Uhr brachte die Feuerwehr nach Angaben der Stadt das Feuer unter Kontrolle. Sie musste dafür nicht den angekündigten Schaumangriff starten, sondern bekam das Feuer mit Wasser in den Griff. Danach verschwand die massive Rauchsäule der ersten Stunden nach und nach, allerdings brannte und qualmte es in geringerem Ausmaß weiter. In der Luft seien keine erhöhten Schadstoffwerte festgestellt worden, teilte die Stadt mit. Gleichwohl war – wie bei jedem Brandereignis – in Nähe des Rauchs Vorsicht geboten.

[aktualisiert 09:20 Uhr] Angaben vom Sonntag Morgen zufolge gilt ist das Feuer seit 5:23 Uhr als gelöscht. Rund 80 Feuerwehrleute sind noch damit beschäftigt, Glutnester aufzureißen und zu löschen. Aus den Glutnestern steigt auch noch Rauch auf. Ab 10 Uhr können die gestern in Sicherheit gebrachten Anwohner zurück in ihre Häuser auf der Parkinsel. 2.300 Anwohner waren davon betroffen. „Nach Freigabe des evakuierten Gebiets ist die Parkinsel wieder frei zugänglich. Einschränkungen gibt es weiterhin im Bereich der Drehbrücke und in der Hafenstraße zwischen Schwanthaler Allee und Pegeluhr. Die Nachlösch- und Sicherungsarbeiten werden sich noch den ganzen Tag hinziehen“, heißt es in einer Mitteilung der Feuerwehr.

 

Die Feuerwehr gab Hinweise heraus, wie mit Lebensmitteln und Gegenständen umzugehen sei, die mit dem Ruß des Brandes in Berührung gekommen waren – und sei es, dass der Regen Rußpartikel aus der Rauchsäule herausgewaschen habe. Der Ruß wurde als nicht akut giftig eingestuft. Wir haben die Hinweise der Feuerwehr Ludwigshafen hier für Sie dokumentiert.

Wir haben gestern in einem „RNF Aktuell Extra“ über den Großbrand im TV-Programm von RNF berichtet. Dies ist der Beitrag mit Informationen vom Stand 20:00 Uhr (Dauer: 6:12 Min.).

 

Die weitere Berichterstattung über den Brand vom gestrigen Samstag ist hier dokumentiert.