Ludwigshafen: Der Großbrand in der Zusammenfassung

Meldung vom Freitag, 28.06.2013:

Nach dem Großbrand in Ludwigshafen wurden im Obst aus Privatgärten nahe der abgebrannten Lagerhalle potenziell gesundheitsschädliche Rußpartikel gefunden.

Wie das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz mitteilt, wurden in Feigen, Äpfeln und Kirschen „geringe Gehalte“ an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen nachgewiesen. Diese könnten krebserregend sein.

Das Amt empfahl den Hobbygärtnern, selbst angebautes Obst und Gemüse aus der näheren Umgebung der Brandstelle zu schälen oder sehr gründlich mit Wasser zu waschen. Die am vergangenen Wochenende getesteten Obst- und Gemüseproben aus dem Umland und aus dem Handel waren dagegen unauffällig.

Auch nach der Entdeckung auffälliger Obstproben befürchtet der Pfalzmarkt in Mutterstadt keine Einbußen. Man habe bereits nachweisen, dass keine Gesundheitsgefahr von den Produkten ausgehe, sagte der Vorstand der Erzeugergenossenschaft. Der Wind habe günstig gestanden. Es sei nicht damit zu rechnen, dass Kunden wegen des Großbrandes Pfälzer Gemüse verschmähten – insbesondere nicht, da die Ware bundesweit ausgeliefert wird.

 

Der Beitrag vom Mittwoch, 26.06.2013:  Hunderte Schäden durch Großbrand

Der Beitrag vom Dienstag, 25.06.2013:  Brandermittler nehmen Arbeit auf



Nach dem Großbrand in Ludwigshafen stellten die Großmärkte keine Verschmutzungen von Obst und Gemüse fest. Die riesige Rauchwolke war nördlich über den Rhein-Neckar-Kreis gezogen. Die landwirtschaftlichen Produkte seien unauffällig, teilt der Großmarkt in Bruchsal mit, der auch den Großmarkt in Heidelberg betreibt. Bei den Qualitätskontrollen habe man keine Rußpartikel entdeckt. Die Stadt Mannheim ließ in verschiedenen Betrieben 10 Stichproben nehmen. Die Ergebnisse der Analyse im Landes-Untersuchungsamt werden nicht vor morgen Abend erwartet.

Der Beitrag vom Montag, 24.06.2013:  Der 17-Stunden-Einsatz und die Folgen


Ein Kommentar zum Großbrand in Ludwigshafen von Bert Siegelmann:

Das Großfeuer in einer Lagerhalle auf der Ludwigshafener Parkinsel ist auf dem Dach des Gebäudes entstanden. Was genau den Brand verursacht hat, ist aber auch am zweiten Tag nach dem Feuer noch nicht klar. Das Dach war mit einer Solaranlage bestückt. „Wir wissen aber nicht, ob sie das Feuer ausgelöst hat oder durch ein entstehendes Feuer beschädigt wurde“, so Ludwigshafens Feuerwehrchef Peter Friedrich auf einer Pressekonferenz am Montag Mittag. Brandermittler der Polizei seien intensiv mit der Suche nach der Ursache beschäftigt. Der Schaden durch das Feuer ist noch nicht komplett zu übersehen: Allein die Lagerhalle hatte einen Wert von 12 Millionen Euro, der Wert des verbrannten Styropor-Granulats, das im Auftrag der BASF hier gelagert wurde, ist noch nicht beziffert. Ebenso unklar ist, welche Schäden die Nachbargebäude davon trugen.

Die Rekonstruktion des Geschehens zeigte, wie schnell sich das Feuer ausbreitete und wie die Feuerwehr darauf reagierte: Um 12:54 Uhr ging am Samstag der erste Alarm bei der Leitstelle ein, um 13:01 Uhr waren die ersten Kräfte vor Ort. „Es war schnell klar, dass sich da etwas Größeres anbahnte, deswegen haben wir sofort Verstärkung angefordert“, sagte Einsatzleiter Stefan Bruck. Es sei nur darum gegangen, die Nachbargebäude zu schützen – die Lagerhalle wurde verloren gegeben. Den Einsatzkräften kamen die Umstände zupass: Die Rauchsäule stieg fast senkrecht in den Himmel, dadurch war die Gefahr für die Bevölkerung gering. „Bei jedem Feuer entstehen toxische Gase, so auch hier“, sagte Dr. Ralph Rudolph von der Analytischen Task Force der Feuerwehr Mannheim, „es kommt aber darauf an, was davon bei den Menschen ankommt. Die Messungen haben gezeigt, dass im direkten Umfeld des Feuers die Werte niedrig waren, und in der weiteren Entfernung – etwa in Mannheim – die Schadstoffe sich in der Luft bereits stark verdünnt hatten.“ Deshalb entschied sich die Feuerwehr, das Gebäude zunächst kontrolliert abbrennen zu lassen. „Bei einem massiven Löschangriff hätte sich der Rauchpilz gesenkt – dadurch hätte sich der Rauch in Bodennähe ausbreiten können. Das hätte zu gefährlichen Situationen führen können.“

Es wurde also zunächst Alarm ausgelöst, die nördliche Parkinsel wurde evakuiert. Die Anwohner wurden in Sicherheit gebracht, bevor die Feuerwehr ihren großen Löschangriff startete. Während die Evakuierung anlief, rollte und schwamm weiteres Material heran: Das Löschboot „Metropolregion“ war um 13:42 Uhr einsatzbereit, der Turbolöscher der BASF unterstützte ab 13:55 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 120 Einsatzkräfte auf der Parkinsel. Die Mannheimer Feuerwehr lieferte weitere Spezialpumpen, so dass den Feuerwehrleuten 32.000 Liter Wasser pro Minute zur Verfügung standen. Alleine der Turbolöscher brauchte 8.000 Liter davon.

In der Umweltbilanz gebe es keine Schäden, hieß es bei der Pressekonferenz. Wo Rußflocken herabgefallen seien, sollten sie eingesammelt und mit dem Hausmüll entsorgt werden. Sie seien nicht hochgiftig, gleichwohl sollte dauernder Kontakt und die Einnahme vermieden werden – „wie immer bei Verbrennungsprodukten“, so Dr. Sebastian Kevekordes vom Gesundheitsamt. Analysen hätten keine erhöhten Konzentrationen an polyzyklischen aromatischen Wasserstoffen ergeben. Es würden aber auch weiterhin noch Proben genommen und analysiert. Er wiederholte die Aufforderung vom Wochenende: Obst und Gemüse sollten gut gewaschen, bei starker Verschmutzung weggeworfen werfen.

Die Koordination aller Kräfte habe sehr gut funktioniert. „Es war so, als agierten wir als eine Stadt“, wertete Mannheims Erster Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Christian Specht die Zusammenarbeit innerhalb der Metropolregion. Er schloss die Arbeit der Feuerwehren, aber auch der Messtrupps und der Kommunikation ausdrücklich mit ein.

Für im direkten Umfeld des Brandortes entstandene Schäden wollen die Hafenbetriebe gerade stehen. „Wir streben pragmatische Lösungen an“, sagte Franz Reindl. Kleinere Schäden, die am Eigentum von Nachbarn entstanden seien, wolle er direkt begleichen, bei größeren Schäden müsse der Weg über die Versicherungen eingeschlagen werden. Das Angebot richte sich ins erster Linie an das direkte Umfeld. „Wenn jemand von weiter weg Schäden anmeldet, werden wir prüfen, inwieweit das Feuer tatsächlich dafür verantwortlich gemacht werden kann. Wir appellieren auch an die Vernunft der Leute, dass sie kleinere Rußflecken einfach wegwischen, anstatt sie als Schaden anzumelden. Bei massiven Verschmutzungen, etwa an Autos und Häusern, stehen wir für die Reinigung gerade.“ Als Infotelefon dient die Nummer 0621/5984-134 bzw. die Email-Adresse franz.reindl@haefen-rlp.de.


Der Beitrag vom Sonntag, 24.06.2013:  Der Tag nach dem Brand

Am Tag nach dem großen Brand ließ sich der Ort des Feuers erstmals wieder gefahrlos besichtigen. Seit dem Morgen um 10 Uhr durften Anwohner in ihre Häuser zurückkehren. Sie waren gestern angehalten worden, die Parkinsel zu verlassen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Feuerwehr und Stadt Ludwigshafen am Morgen nach dem Großbrand auf der Parkinsel gab es vor allem eine Botschaft: Keine Sorgen machen, es gab keine Gesundheitsgefährdung, alle kritischen Grenzwerte wurden unterschritten, teilweise waren die Werte überhaupt hart an der Nachweisgrenze. Seit heute früh, 5:23 Uhr, ist das Feuer gelöscht.

„Die thermische Überhöhung hat uns erheblich geholfen“, sagt Ludwigshafens Feuerwehrchef Peter Friedrich. Soll heißen: Durch die große Hitze zog der Rauch schnell wie in einem Kamin nach oben ab und hing nicht in der Stadt fest. Er verteilte sich in höheren Luftschichten, so blieben etwaige Schadstoffe von der Bevölkerung fern. Der Ruß, der von dem gigantischen Brand in einer Lagerhalle der Panalpina in der Hafenstraße übrig bleibt, sei ebenfalls nicht „akut gesundheitsgefährdend“, bestätigte Dr. Sebastian Kevekordes vom Gesundheitsamt. Das bedeutet: Er soll natürlich nicht gegessen werden. Lebensmittel, die stark vom Ruß bedeckt sind, sollen kompostiert werden. Bei leichteren Verschmutzungen genüge es, die Lebensmittel – etwa Obst – gut zu waschen. Wo Ruß auf Rasenflächen regnete solle gewässert und später gemäht werden. Die Abfälle können kompostiert werden. Muss Sand – beispielsweise auf Spielplätzen – gereinigt werden, berät die Stadtverwaltung individuell.

Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse sprach davon, dass sie einen solch großen Brand während ihrer Amtszeit in Ludwigshafen noch nie erlebt habe: „Beeindruckend war, dass die Aktionen aller Hilfsorganisationen wie Zahnräder ineinander gegriffen haben. Der Einsatz lief zu jeder Zeit optimal“, sagte sie vor Pressevertretern auf dem Gelände der Feuerwehr in Ludwigshafen.

Die Brandursache ist an diesem Sonntag noch nicht zu klären, und auch zur Schadenshöhe hielten sich die Vertreter von Stadt, Feuerwehr und Polizei bedeckt. Die Kripo soll in den kommenden Tagen der Ursache des Feuers auf den Grund gehen, dabei wird ihr ein Hubschrauber helfen, der Luftaufnahmen von dem Areal macht.

Feuerwehrchef Peter Friedrich berichtete von den riesigen Anstrengungen, das Feuer unter Kontrolle zu bringen: Sieben Kilometer Schläuche seien verlegt worden, 32 Kubikmeter Wasser pro Minute lieferten die zahlreichen Pumpen. Unter anderem sei das neue Feuerlöschboot „Metropolregion“ zum Einsatz gekommen, das mit seinen Pumpen lieferte. Alleine der Turbolöscher der BASF, der zur Verstärkung vor Ort war, braucht bis zu 8.000 Liter Wasser pro Minute. Alles in allem waren bis heute früh 600 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Einsatz, die noch bis zum Abend mit Nachlöscharbeiten beschäftigt sein wird. Eine Rauchsäule ist bei dem noch glimmenden Feuer aber nicht mehr zu erkennen.


Der Beitrag vom Samstag, 23.06.2013: Ludwigshafener Großbrand verursacht Mega-Rußwolke

Großbrand in Ludwigshafen: Gegen 13 Uhr schrillten am Samstag Mittag die Alarmglocken. Styropor-Granulat in einer Lagerhalle auf der Parkinsel hatte Feuer gefangen: 4.400 Tonnen, die im Auftrag der BASF hier gelagert wurden. Nach kurzer Zeit schossen bis zu 40 Meter hohe Flammen aus dem 9500 Quadratmeter großen Gebäude, das vollkommen zerstört wurde.

Weder die Brandursache, noch die Höhe des Schadens sind bisher bekannt. Als sicher gilt jedoch, dass keine Menschen verletzt wurden. Das bestätigten Feuerwehr und Stadtverwaltung auf einer Pressekonferenz, die am Abend noch eilends einberufen worden war. Wie es dort hieß, seien bei dem Brand keine giftigen Stoffe entstanden, die sich mit der Rauchwolke ausgebreitet hätten – das hätten Luftmessungen ergeben. Die Feuerwehr wollte den Flammen am Abend mit Schaum zu Leibe rücken.

Die BASF-Werkfeuerwehr kam mit Spezialgerät: der Turbolöscher versuchte mit einer Wasserwand die Flammen einzudämmen. Schnell war absehbar, dass die Lagerhalle selbst nicht mehr zu retten sein würde. Die Bemühungen richteten sich nun darauf, die Nachbargebäude – vor allem einen Großmarkt – möglichst unbeschadet zu erhalten.

Die Rauchsäule verdunkelte den Himmel nahezu in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar,vor allem Richtung Weinheim, wohin die Wolke zog. Es gab Warnungen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. In den Städten traten Koordinierungsstäbe zusammen.

Als der Rauch in Ludwigshafen begann sich in Bodennähe auszubreiten, brachten die Helfer von Polizei und Feuerwehr die Bewohner der Parkinsel in Sicherheit, 2.300 alles in allem, auch als vorbereitende Maßnahme für den Schaumangriff.