Ludwigshafen: „Er war ein großer Mann“ – Trauer um Helmut Kohl in Oggersheim

Zu seiner pfälzischen Heimat pflegte Helmut Kohl stets ein besonders Verhältnis. Und so wurde auch der Stadtteil Oggersheim berühmt. Berühmte Staatsgäste kamen in den Bungalow der Kohls in Ludwigshafen – dort, wo der Altkanzler nun auch starb.

Ludwigshafen (dpa/lrs) – Als sich der Tod von Helmut Kohl allmählich in seiner Heimatstadt herumspricht, rückt die Polizei an. Im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim, wo sich der eher unauffällige Bungalow befindet, sperren die Beamten weiträumig ab. Die ersten Menschen bringen Blumen, ein Polizist nimmt sie an der Absperrung entgegen und trägt sie zum Haus. Später trifft Kohls Sohn Walter ein.

In dem Einfamilienhaus hatte der Altkanzler bis zuletzt gelebt. Nach Informationen der «Bild»-Zeitung starb er dort auch am Freitagmorgen im Beisein seiner Frau Maike Kohl-Richter. Vor knapp 16 Jahren war in dem Haus auch Helmut Kohls frühere Ehefrau Hannelore gestorben.

Der gebürtige Ludwigshafener Kohl war sehr verwurzelt mit seiner Heimat. In seinem Haus empfing er gerne Staatsgäste – wie den russischen Präsidenten Boris Jelzin oder den US-Präsidenten Bill Clinton.

Privat zeigte sich der Altkanzler von seiner unkomplizierten Seite, wie Nachbarn berichten. Kohl sei öfter mal in der Nachbarschaft unterwegs gewesen und habe sich mit den Leuten unterhalten, selbst in Zeiten der Kanzlerschaft, sagt Rudolf Wieland. Der 71-Jährige wohnt mit seiner Frau Rosemarie schräg gegenüber. Der Politiker habe auch mal mit Nachbarn ein Bier im Garten getrunken. In den letzten Jahren habe man den Altkanzler aber nur noch selten zu Gesicht bekommen. «Durch die Krankheit hat sich ja sein Aktionsradius immer weiter verkleinert.»

Eine besondere Beziehung pflegte Kohl auch zum Dom von Speyer, der nur wenige Kilometer entfernt von Ludwigshafen steht. Noch in der Vorweihnachtszeit stattete er dem mächtigen Gottesbau einen Besuch ab. Der Organist spielte ihm Advents- und Weihnachtslieder vor, darunter «Stille Nacht, Heilige Nacht», wie das Bistum Speyer später berichtete. Es war einer der zuletzt immer selteneren Auftritte von Kohl, die öffentlich wurden.

Zu jenen, die am Freitag Blumen zum Haus von Kohl bringen, gehört auch der 27-jährige Stefan Ehlers. Er sei im September 1989 im damaligen Ost-Berlin zur Welt gekommen, erzählt er. «Ich bin im Jahr des Mauerfalls geboren. Daher ist Helmut Kohl auch eine Figur aus meiner persönlichen Geschichte.» Seit einem Jahr lebe er aus berufliche Gründen in der Pfalz. Als Ehlers vom Tod Kohls hörte, kaufte er Blumen und machte sich auf den Weg zum Haus des Altkanzlers: «Egal, wo man politisch steht, man muss schon sagen, dass er ein großer Mann war», sagt er.