Ludwigshafen: Erste Bilanz nach dem Großfeuer

Von Ralph Kühnl

Das Großfeuer in einer Lagerhalle auf der Ludwigshafener Parkinsel ist auf dem Dach des Gebäudes entstanden. Was genau den Brand verursacht hat, ist aber auch am zweiten Tag nach dem Feuer noch nicht klar.

Das Dach war mit Solaranlage bestückt. „Wir wissen aber nicht, ob sie das Feuer ausgelöst hat oder durch ein entstehendes Feuer beschädigt wurde“, so Ludwigshafens Feuerwehrchef Peter Friedrich auf einer Pressekonferenz am Montag Mittag. Brandermittler der Polizei seien intensiv mit der Suche nach der Ursache beschäftigt. Der Schaden durch das Feuer ist noch nicht komplett zu übersehen: Allein die Lagerhalle hatte einen Wert von 12 Millionen Euro, der Wert des verbrannten Styropor-Granulats, das im Auftrag der BASF hier gelagert wurde, ist noch nicht beziffert. Ebenso unklar ist, welche Schäden die Nachbargebäude davon trugen.

 

Die Pressekonferenz mit einer Einsatzbilanz nach dem Großfeuer in Ludwigshafen vom Samstag. Wir berichten am Abend ausführlich in RNF Life (Bild: rk)

 

Die Rekonstruktion des Geschehens zeigte, wie schnell sich das Feuer ausbreitete und wie die Feuerwehr darauf reagierte: Um 12:54 Uhr ging am Samstag der erste Alarm bei der Leitstelle ein, um 13:01 Uhr waren die ersten Kräfte vor Ort. „Es war schnell klar, dass sich da etwas Größeres anbahnte, deswegen haben wir sofort Verstärkung angefordert“, sagte Einsatzleiter Stefan Bruck. Es sei nur darum gegangen, die Nachbargebäude zu schützen – die Lagerhalle wurde verloren gegeben. Den Einsatzkräften kamen die Umstände zupass: Die Rauchsäule stieg fast senkrecht in den Himmel, dadurch war die Gefahr für die Bevölkerung gering. „Bei jedem Feuer entstehen toxische Gase, so auch hier“, sagte Dr. Ralph Rudolph von der Analytischen Task Force der Feuerwehr Mannheim, „es kommt aber darauf an, was davon bei den Menschen ankommt. Die Messungen haben gezeigt, dass im direkten Umfeld des Feuers die Werte niedrig waren, und in der weiteren Entfernung – etwa in Mannheim – die Schadstoffe sich in der Luft bereits stark verdünnt hatten.“ Deshalb entschied sich die Feuerwehr, das Gebäude zunächst kontrolliert abbrennen zu lassen. „Bei einem massiven Löschangriff hätte sich der Rauchpilz gesenkt – dadurch hätte sich der Rauch in Bodennähe ausbreiten können. Das hätte zu gefährlichen Situationen führen können.“

 

Es wurde also zunächst Alarm ausgelöst, die nördliche Parkinsel wurde evakuiert. Die Anwohner wurden in Sicherheit gebracht, bevor die Feuerwehr ihren großen Löschangriff startete. Während die Evakuierung anlief, rollte und schwamm weiteres Material heran: Das Löschboot „Metropolregion“ war um 13:42 Uhr einsatzbereit, der Turbolöscher der BASF unterstützte ab 13:55 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 120 Einsatzkräfte auf der Parkinsel. Die Mannheimer Feuerwehr lieferte weitere Spezialpumpen, so dass den Feuerwehrleuten 32.000 Liter Wasser pro Minute zur Verfügung standen. Alleine der Turbolöscher brauchte 8.000 Liter davon.

 

In der Umweltbilanz gebe es keine Schäden, hieß es bei der Pressekonferenz. Wo Rußflocken herabgefallen seien, sollten sie eingesammelt und mit dem Hausmüll entsorgt werden. Sie seien nicht hochgiftig, gleichwohl sollte dauernder Kontakt und die Einnahme vermieden werden – „wie immer bei Verbrennungsprodukten“, so Dr. Sebastian Kevekordes vom Gesundheitsamt. Analysen hätten keine erhöhten Konzentrationen an polyzyklischen aromatischen Wasserstoffen ergeben. Es würden aber auch weiterhin noch Proben genommen und analysiert. Er wiederholte die Aufforderung vom Wochenende: Obst und Gemüse sollten gut gewaschen, bei starker Verschmutzung weggeworfen werfen.

 

Die Koordination aller Kräfte habe sehr gut funktioniert. „Es war so, als agierten wir als eine Stadt“, wertete Mannheims Erster Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Christian Specht die Zusammenarbeit innerhalb der Metropolregion. Er schloss die Arbeit der Feuerwehren, aber auch der Messtrupps und der Kommunikation ausdrücklich mit ein.

 

Für im direkten Umfeld des Brandortes entstandene Schäden wollen die Hafenbetriebe gerade stehen. „Wir streben pragmatische Lösungen an“, sagte Franz Reindl. Kleinere Schäden, die am Eigentum von Nachbarn entstanden seien, wolle er direkt begleichen, bei größeren Schäden müsse der Weg über die Versicherungen eingeschlagen werden. Das Angebot richte sich ins erster Linie an das direkte Umfeld. „Wenn jemand von weiter weg Schäden anmeldet, werden wir prüfen, inwieweit das Feuer tatsächlich dafür verantwortlich gemacht werden kann. Wir appellieren auch an die Vernunft der Leute, dass sie kleinere Rußflecken einfach wegwischen, anstatt sie als Schaden anzumelden. Bei massiven Verschmutzungen, etwa an Autos und Häusern, stehen wir für die Reinigung gerade.“ Als Infotelefon dient die Nummer 0621/5984-134 bzw. die Email-Adresse franz.reindl@haefen-rlp.de.

 

Unsere weitere Berichterstattung vom Wochenende zum Großfeuer in Ludwigshafen in Videos, Texten und Bildern können Sie hier nachlesen.