Fall Torun

Aktualisierung: Staatsanwaltschaft bestätigt Gewaltverbrechen an Unternehmer Ismael Torun – drei Festnahmen

 

Video (5:44 min): Beitrag aus RNF LIFE vom 9. Januar 2017 

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat im Gespräch mit RNF bestätigt, dass Ismail Torun Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Die Leiche des 49-Jährigen wurde am Freitag bei Bad Dürkheim gefunden.

Dass der Unternehmer aus Ludwigshafen mit Wohnsitz in Mutterstadt gewaltsam getötet wurde, habe die Obduktion am Freitag ergeben, so die Staatsanwaltschaft. Im Zusammenhang mit der Tat  wurden am Freitag und Samstag zwei Männer (49 und 37 Jahre alt) sowie eine Frau (42) unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Alle drei seien türkischer Herkunft, so die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage. Ein Haftrichter erließ am Wochenende Untersuchungshaftbefehle. Die drei Tatverdächtigen kamen in Justizvollzugsanstalten. Zu den genauen Umständen des Todes von Ismail Torun machte die Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben.

Das Trio soll nach bisherigem Kenntnisstand auch für den Tod eines 64 Jahre alten Mannes verantwortlich sein, der am 26. November leblos in der Nähe des Willersinn-Freibades in Ludwigshafen aufgefunden wurde. (Stand: 09.01.17, 11:00 Uhr)

RNF berichtet am Abend in der Sendung „RNF Life“ ausführlich über den Fall (ab 18:00 Uhr zu jeder vollen Stunde im Rhein-Neckar Fernsehen). 


Unser Beitrag vom 08.01.17, 18:00 Uhr

Totengebet für Ismail Torun – Familie geht von Entführung und Mord aus

An die 3.000 Menschen nahmen am Sonntag in Ludwigshafen Abschied von dem türkischstämmigen Unternehmer Ismail Torun. Für seine Familie ist klar: Der 49-Jährige wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen sich erst am Montag zu dem Fall äußern.

Von Ralph Kühnl

Die Industriestraße in Ludwigshafen. Hier vermietet die „Torun Group“ zahlreiche Grundstücke und Gewerbeimmobilien. Ein Unternehmen auf Wachstumskurs. In der Industriestraße hat auch die DITIB-Gemeinde ihre Heimat, in der Mevlana Moschee. Kurz vor 12 Uhr am Sonntag bilden sich Staus auf der sonst sonntags sehr ruhigen Straße im Stadtteil Friesenheim. Es sind Gläubige, die zum Gebet kommen, im Gedenken an Ismail Torun. Gut 3.000 werden es am Ende sein, unter ihnen auch der türkische Generalkonsul in Mainz, Arif Eser Torun. Die Polizei beobachtet die Szenerie, muss aber nicht eingreifen.

Weil so viele Menschen kommen, findet das Totengebet im Freien auf dem Parkplatz der Moschee statt. Der Sarg ist aufgebahrt. Trotz aller Improvisation ist es eine würdige Zeremonie. Den Teilnehmern ist ihre Ergriffenheit anzusehen, viele weinen. Hunderte kondolieren am Ende der Familie.

 

Video (0:51 min): Eindrücke vom Totengebet am Sonntag in Ludwigshafen, unkommentiert.

„Dass so viele Leute da waren, auch solche, die ihn gar nicht persönlich kannten, das ist schon ein Trost“, sagt Eyüp Torun, der Sohn von Ismail Torun, nach der gut einstündigen Zeremonie. Er hatte unserem Team genehmigt, während der Feier zu drehen. Im Interview mit RNF erzählt er, was nach seinem Kenntnisstand vorgefallen ist. Am Freitag erfuhren er und die anderen Familienmitglieder, dass die Leiche seines Vaters vormittags in Bad Dürkheim am Rand einer Straße gefunden wurde. „Dass er gestorben ist und ermordet wurde, das haben wir bestätigt bekommen und auch selbst gesehen“, sagt der Sohn. Im Nachhinein sei klar geworden, dass sein Vater am Dienstag entführt worden sein muss, dass alles geplant war, „aber es war keine klassische Entführung. Kein Kidnapping, bei dem sich die Entführer gemeldet haben und Lösegeld wollten.“

Vielmehr habe Ismail Torun zwischen Dienstag und Donnerstag immer wieder mit ihm und Freunden telefoniert, um Geld zusammenzutreiben. In den Telefonaten habe der Vater davon geredet, dass er geschäftlich unterwegs sei und das Geld brauche, um ein Grundstück in Berlin zu bezahlen. „Das ist wahrscheinlich eine erfundene Geschichte gewesen, damit wir nicht zur Polizei gehen oder dass wir uns keine Sorgen machen. Es könnte sein, dass die Täter oder auch mein Vater diese Geschichte erfunden haben, um uns ruhig zu halten, bis die Sache durch ist“, so Eyüp Torun im RNF-Interview. Am Donnerstag brach der Kontakt ab, „da kam nur noch eine SMS“.

 

Video (5:04 min): Interview mit Eyüp Torun, Sohn von Ismail Torun

Nach Angaben der Angehörigen ist noch nicht ganz klar, wie viel Geld der Vater aus verschiedenen Quellen sammelte. Die Summe von einer Million Euro, die verschiedentlich in Medienberichten genannt wurde, wollte ein Verwandter auf Nachfrage nicht bestätigen, „aber eine halbe Million Euro war es sicher“.

Auf die Frage nach möglichen Hintermännern hält sich Eyüp Torun bedeckt. „Die Polizei sagt uns dazu auch nichts. Wir wissen nicht, ob sie noch fahnden oder ob sie schon jemanden festgenommen haben“, wie laut der Zeitung „Die Rheinpfalz“ das türkischsprachige Internetportal „art49.com“ erfahren haben will. Demnach seien drei Personen im Zusammenhang mit der Tat festgenommen worden.

Aufklärung erhofft sich die Familie von den Veröffentlichungen der Staatsanwaltschaft, die für Montag angekündigt wurden. Bisher hatten die Behörden lediglich den Fund einer Leiche bei Bad Dürkheim bestätigt, ihn aber nicht in Verbindung mit dem Tod Isamil Toruns gebracht (wir berichteten). Die Familie geht nicht davon aus, dass die Tat politisch oder religiös motiviert sein könnte: „Wie es sich für uns darstellt, ging es nur ums Geld.“

Ismail Torun (Bild: DITIB Ludwigshafen Mevlana Moschee)

Eindeutig widerspricht Eyüp Torun Gerüchten, die im Internet verbreitet werden, nach denen sein Vater nach der Tat nicht mehr identifizierbar gewesen sei: „Das ist gelogen. Ich habe ihn gesehen und nach den Traditionen auch gewaschen. Er hat keine Schrammen oder extreme Wunden an seinem Körper oder in seinem Gesicht.“

Der Geschäftsmann galt als erfolgreich, gut vernetzt, hilfsbereit, sozial engagiert. Seit 1989 war er selbstständig, baute ein Bau- und Isolierunternehmen auf. Die Geschäfte wurden im Lauf der Jahre vielfältiger. Heute firmieren an der Geschäftsadresse in Ludwigshafen-Friesenheim auch ein Industrieservice-, ein Handels- und ein Immobilienunternehmen. Diese Aktivitäten bleiben nun in der Familie: Der Bruder des Vaters, er selbst sowie seine Brüder stünden bereit, die Gruppe erfolgreich weiter zu führen, so Eyüp Torun.

Direkt im Anschluss an die Trauerfeier macht sich die Familie auf den Weg in die Türkei. Der Leichnam Ismail Toruns wird nach Samsun, der Heimatstadt der Familie, überführt.

RNF berichtet am Montag Abend auch in der Sendung „RNF Life“ (ab 18:00 Uhr zu jeder vollen Stunde im Rhein-Neckar Fernsehen) über den Fall.

(Anmerkung: Die Familie sagte gegenüber RNF, Ismail Torun sei zum Zeitpunkt seines Todes 50 Jahre alt gewesen. Diese Altersangabe hatten wir in einer früheren Version dieses Artikels verwendet.)