Ludwigshafen: 12-Jähriger wollte Bombe auf Weihnachtsmarkt zünden

Update 15:50 Uhr: Pressekonferenz mit „Auskunftsvorbehalt“

In einer ungewöhnlich kurzen und nahezu informationsfreien Pressekonferenz sagte Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse am Nachmittag, der 12-Jährige sei „an einem sicheren Ort“. Deswegen gehe keine Gefahr von ihm aus. Die Behörden arbeiteten mit Hochdruck an einer tragfähigen Lösung. Das Land habe zugesagt, das städtische Jugendamt nicht allein zu lassen. Mehr könne sie dazu nicht sagen, weil es einen sogenannten Auskunftsvorbehalt der Bundesanwaltschaft gebe. Das habe die Stadt nicht gewusst, als sie am Mittag zu der Pressekonferenz eingeladen habe. (dpa/wg)

Update 15:45 Uhr: Terrorismus-Experte – „Das kann ja nicht seine Idee gewesen sein“

Der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, hält die Bezeichnung Terrorist für den zwölfjährigen Tatverdächtigen von Ludwigshafen für nicht angemessen. „Ich habe Schwierigkeiten damit, einen Zwölfjährigen als Terroristen anzusehen“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Samstag). „Das macht Sinn, wenn Leute anfangen, sich für Politik zu interessieren, mit 15 oder 16. Aber wie politisch kann jemand sein mit 12 Jahren. Da stellt sich eher die Frage: Was ist im Umfeld los? Denn das kann ja nicht seine Idee gewesen sein.“ Steinberg betonte zwar, dass das Problem mit minderjährigen Terrorverdächtigen europaweit zunehme. „Das Problem wächst auf jeden Fall. Seit 2014 haben wir europaweit relativ viele junge Leute, die nach Syrien ausreisen. Die Ausreisenden werden jünger und weiblicher. Das ist auffällig und nicht nur ein Trend in Deutschland.“ Doch er fügte hinzu: „Ein Kind hatten wir in Europa noch nicht. Das ist ganz neu.“ (dpa)

Update 14 Uhr: Reaktion Ortsvorsteher – „Keine Islamisten aufgefallen“

Mit Erschrecken hat der Ludwigshafener Ortsvorsteher Antonio Priolo auf die Nachricht reagiert, dass ein zwölfjähriger Deutsch-Iraker Anschläge in Ludwigshafen geplant haben soll. „Wenn es so wäre, es wäre ganz schlimm“, sagte der 61-Jährige am Freitag auf Anfrage. Er ist Ortsvorsteher des Bereichs nördliche Innenstadt, zu dem auch der Stadtteil Hemshof gehört, ein Gebiet mit hohem Ausländeranteil. Ob der aus Ludwigshafen stammende Junge von dort kommt, war zunächst nicht bekannt. Die mutmaßlichen Tatorte gehören zum Bereich südliche Innenstadt. Er kenne den Jungen nicht, und er könne sich auch nicht vorstellen, dass ein Jugendlicher in so eine Sache einbezogen werde, sagte Priolo. Aber er sei kein Polizist und kein Staatsanwalt. In Zukunft müsse man aufpassen. Wenn so etwas immer wieder passiere, werde es zu einer Änderung der Gesellschaft führen. Im Hemshof gebe es keine Probleme. „Wir haben mitten im Hemshof zwei Moscheen. Hier ist noch nie etwas passiert“, sagte Priolo. „Die Leute gehen friedlich miteinander um.“ Auf die Frage nach Islamisten oder Salafisten sagte er, es sei nichts aufgefallen. Die Migranten lebten seit Ende der 1950er Jahre in dem Viertel, zuletzt seien Rumänen und Bulgaren hinzugekommen. „Wir sind multikulturell“, sagte Priolo.

Update 11:31 Uhr: Der Zwölfjährige, der einen Anschlag auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt geplant haben soll, wurde in der Stadt geboren und wohnte dort auch während der Vorfälle. Das sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Hubert Ströber, am Freitag. Wegen des Umfeldes des Kindes habe er die Bundesanwaltschaft informiert, auch das Jugendamt sei eingeschaltet. Die Staatsanwaltschaft selbst sehe von Ermittlungen gegen das strafunmündige Kind ab, das sowohl die deutsche als auch die irakische Staatsbürgerschaft habe. Der Junge befindet sich nach Informationen der Stadt „in einer geschützten Einrichtung“. Im Landesjungendministerium findet am Mittag „ein Gespräch aller beteiligten Behörden“ statt. Die Stadt Ludwigshafen geht davon aus, „dass die Landesregierung für eine dauerhafte sichere Unterbringung des Jungen sorgt“.

Update 10:45 Uhr: Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Fundes einer Nagelbombe in Ludwigshafen. „Wir können aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben machen“, sagte der stellvertretende Pressesprecher der Behörde, Stefan Biehl, am Freitag in Karlsruhe.

Ein zwölfjähriger Junge hat nach „Focus“-Informationen angeblich versucht, einen Bombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu verüben. Das Magazin beruft sich in seinem Bericht vom Freitag auf Angaben der Justiz- und Sicherheitsbehörden. Die genauen Hintergründe der Tat und die Gefährlichkeit des verwendeten Materials waren zunächst unklar. Bei dem Jungen soll es sich um einen 2004 in Ludwigshafen geborenen Deutsch-Iraker handeln. In dem „Focus“-Bericht heißt es, nach Erkenntnissen der Ermittler sei der „stark religiös radikalisierte“ Junge womöglich von einem „unbekannten Mitglied“ der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) „angestiftet oder angeleitet“ worden. Demnach kam es am 26. November nur deshalb nicht zu einer Detonation, weil der Sprengsatz nicht zündete.

Nach „Focus“-Informationen ermittelt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wegen des Verdachts einer „schweren staatsgefährdenden Gewalttat“. Das zuständige Polizeipräsidium Rheinpfalz verwies am Freitagmorgen auf dpa-Anfrage auf den Generalbundesanwalt. In Karlsruhe war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Den Angaben soll der Junge am 26. November versucht haben, den Sprengsatz auf dem Weihnachtsmarkt zu zünden. Am 5. Dezember habe er den in einem Rucksack versteckten Sprengsatz – ein mit Sprengpulver gefülltes Konservenglas – dann in einem Gebüsch nahe dem Rathaus deponiert. Nachdem ein aufmerksamer Passant die Polizei über den Fund informiert habe, hätten Spezialisten einen Teil der „hochbrisanten Mischung“ gesprengt. Laut „Focus“ soll der Sprengsatz im Rucksack auch mit Nägeln präpariert gewesen sein.

Nach dem Fund am 5. Dezember hatte die Polizei mitgeteilt, ein Zwölfjähriger stehe im Verdacht, das Glas in der Nähe des Rathaus-Centers – eines 1979 eröffneten Hochhauses, in dem das Rathaus und ein Einkaufszentrum untergebracht sind – abgelegt zu haben. Wegen der Tasche waren damals der Bereich rund um das Center sowie eine Bundesstraße zeitweise gesperrt worden. Damals hatte die Polizei mitgeteilt, der Junge sei mit Einverständnis der Eltern zunächst dem Jugendamt übergeben worden. Experten des Landeskriminalamtes hätten herausgefunden, dass das Material, das sich in dem Glas befand, aus Feuerwerkskörpern und Wunderkerzen gewonnen wurde. Nach damaligen Polizeiangaben war es zwar brennbar, konnte aber nicht explodieren. Der „Focus“ schreibt nun von einem Rucksack mit einer selbst gebauten Zündvorrichtung. Laut „Focus“ führt parallel die Staatsanwaltschaft Frankenthal Ermittlungen gegen den Jungen, wobei das Verfahren wegen der Strafunmündigkeit des mutmaßlichen Täters demnächst wohl eingestellt werde. (dpa/wg)