Mainz/Fußgönnheim: Teilerfolg für Familie im Prozess um Kinderentzug

Im Mainzer Prozess um den Entzug zweier Kleinkinder haben die Eltern einen Teilerfolg errungen. Wegen grob fahrlässiger Verletzung ihrer Pflichten als Sachverständige hat das Landgericht am Dienstag in einem Zivilverfahren eine Rechtsmedizinerin zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt. Die Ärztin habe 2013 nur nach Aktenlage und ohne Untersuchungen die erblich bedingten Wasserköpfe der beiden kleinen Jungen als Folge eines schweren Schütteltraumas interpretiert und eine Kindesmisshandlung nicht ausgeschlossen. Das zuständige Jugendamt hatte daraufhin die damals sechs und 18 Monate alten Jungen aus der Familie genommen und bei Pflegeeltern untergebracht. Erst nach einem halben Jahr bekamen die Eltern aus dem Rhein-Pfalz-Kreis ihre Kinder zurück, die seither in psychotherapeutischer Behandlung sind. Über die Höhe des Schmerzensgeldes entschied das Gericht noch nicht. Dafür sind weitere Gutachten nötig. Die Eltern hatten mindestens 80.000 Euro von der Rechtsmedizin in Mainz und der Gutachterin gefordert. Die Klage gegen die Rechtsmedizin wies das Landgericht ab – nur die Ärztin muss damit zahlen. Beide Seiten können gegen das Urteilung Berufung beim Oberlandesgericht in Koblenz einlegen. (dpa/lrs)