Mannheim: 1000 Menschen beim Friedensgebet

„Wir stehen zusammen“ war die Botschaft des interreligiösen Friedensgebets, zu dem in Mannheim das „Forum der Religionen“ eingeladen hatte. Rund 1000 Menschen kamen zu dem Gebet, das Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche, der Muslime, der Juden und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) gemeinsam gestalteten. „Niemand, der sich Muslim nennt, darf sich zum Richter über Leben und Tod aufschwingen“, stellte ein Vertreter der Muslime klar.

„Gib uns Deinen Frieden, o ALLAH“ war Kernpunkt des Gebets von Mustafa Aydinli, Imam der Yavuz Sultan Selim Moschee, der gemeinsam mit Bilal Dönmez, Ismail Cakir und Yussuf Ipek für die muslimischen Gemeinden an der interreligiösen Feier teilnahm. „Wir sind tief erschüttert, dass die Verbrecher glauben, mit ihren Mordtaten im Namen der Muslime zu handeln oder handeln zu dürfen. Niemand, der sich Muslim nennt, darf sich zum Richter über Leben und Tod aufschwingen.“ Die deutlichen Worte von Bülent Döger, der für die muslimischen Gemeinden ein Statement verlas, erhielten langen Applaus. Zu diesen zählten u.a. Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, Erster Bürgermeister Christian Specht. Der Terroranschlag in Paris zeige, zu welchen Taten Menschen fähig seien, „die in ihrer gewissenlosen Verblendung jedes Gefühl für Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit verloren haben“, sagte Döger. Der Glaube dürfe nicht „für den Zweck des Tötens missbraucht werden.“ Er berief sich auf eine Aussage, die im Koran und im Talmud gleichermaßen steht: Wer ein Menschenleben rette, rette die ganze Welt. „Der Schutz des Lebens ist ein unverhandelbarer Grundsatz des islamischen Rechts“, so Döger. „Wir setzen uns mit unserem Glauben dafür ein, dass diese Vielfalt und die Freiheit und das Leben eines jeden unangetastet bleiben“.

Das Friedensgebet, sagte der katholische Dekan Karl Jung, setze ein „ Zeichen der Solidarität, der Gewaltlosigkeit, des Friedens und der Mitmenschlichkeit“. Es richte sich, betonte Manfred Froese für die jüdische Gemeinde, gegen „eine sich weiter drehende Spirale der Gewalt, deren Sog immer weiter in die Strukturen der Demokratie greift, sie zu zerstören droht“. Den hohen Wert des „aufrichtigen Dialogs“ zwischen Muslimen, Christen und Juden in Mannheim betonte der evangelische Dekan Ralph Hartmann. „Wo Juden und Muslime in unserer Stadt bedrängt und bedroht werden, erheben wir als Christen unsere Stimme. Wir stehen zusammen.“

Nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris hatte das Mannheimer „Forum der Religionen“ zum interreligiösen Friedensgebet in die katholische Kirche St. Sebastian am Marktplatz eingeladen. Im „Forum der Religionen“ arbeiten seit vielen Jahren Verantwortliche der christlichen Kirchen, der Moscheegemeinden und der jüdischen Gemeinde für ein freundschaftliches Miteinander der Religionen in Mannheim zusammen. (dv/wg)