Mannheim: Hoffnung auf „Wunder Waldhof“

Das „Wunder Waldhof“ ist machbar, der Aufstiegs-Coup ist noch drin! In der Fußball-Regionalliga erwartet der SV Waldhof Mannheim am morgigen Samstag Eintracht Trier zum Spitzenspiel im Carl-Benz-Stadion (RNF berichtet am Sonntag in einem Sport-extra). Zweiter gegen Erster – und Ex-Profi Hanno Balitsch träumt von besseren Zeiten für die Blau-Schwarzen. Bayer Leverkusen, Hannover 96 und der 1. FC Köln waren einige seiner Vereine. Jetzt kickt er in der vierten Liga wieder für den SV Waldhof. Zum Ende seiner Karriere ist Hanno Balitsch wieder dort, wo sie begann. Dabei geht es ihm um mehr als einen Ausklang. Hanno Balitsch bückt sich und sammelt eine Handvoll Regenwürmer. Sie sollen weg. Raus aus den Erdlöchern, die beim Aufwärmtraining vom SV Waldhof Mannheim zwischen den Stangen entstanden sind, weil die Spieler immer wieder darüber springen müssen. Balitsch, 35, und ehemaliger National- und Bundesligaspieler, will zum Ende seiner Karriere beim SVW etwas bewegen. „Für mich ist es schön, etwas zurückzugeben. Es wäre die Krönung, wenn dieses Zurückgeben mit einem sportlichen Erfolg einhergeht“, sagt der 343-fache Bundesligaspieler, der vor 16 Jahren in Mannheim zum Profi wurde.  Vor dem Start in die zweite Hälfte der Saison liegt Waldhof auf Platz zwei in der Regionalliga Südwest. Am Samstag (14 Uhr) geht es zu Hause gegen den punktgleichen Tabellenführer Eintracht Trier, Erster und der Zweiter der Liga qualifizieren sich für die Aufstiegs-Relegationen gegen Meister aus anderen Regionalligen. In der Hinrunde gewann der SVW 13 von 19 Spielen, mehr als 6000 Zuschauer kamen im Schnitt ins Carl-Benz-Stadion.
Nach chaotischen und erfolglosen Jahren könnte es Waldhof wieder zurück in den Profifußball schaffen. Trainer Kenan Kocak fordert: „Wir dürfen der Partie gegen Trier nicht eine zu hohe Bedeutung schenken. Es ist noch eine lange Runde“. Er will verhindern, dass die Euphorie im Team zu groß wird. Kocak, aufgewachsen in der Mannheimer Waldhofstraße, war Balljunge beim SVW, dann Fan in der Kurve, später Jugendspieler und kurz Profi. Er sagt: „Die Fans haben Bundesliga-Potenzial. Die Stadt auch. Der Verein auch!“ Beim Spiel im Training ist Balitsch der lauteste Mann auf dem Platz. „Druck“, brüllt er mal. Danach erklärt er ruhig, wie verschoben werden soll. Kocak bezeichnet ihn als „Geschenk“ für seine Spieler. Die meisten sind jung, ohne Profierfahrung. „Sie können sich an ihm hochziehen“, sagt der Coach, der gerade in der Endphase der Ausbildung zum Fußballlehrer steckt. Es war eine Überraschung, als Mannheim im vergangenen Sommer Balitsch und einen weiteren Ex-Profi, Michael Fink, holte. Der Verein war gerade 13. der Regionalliga geworden – mit einem der niedrigsten Etats. Doch seit der vergangenen Saison unterstützt eine Gruppe Mannheimer Unternehmer den Verein, die den SVW in spätestens drei Jahren in die dritte Liga bringen möchte, in fünf Jahren in Liga zwei. „Die Marke SV Waldhof Mannheim soll das werden, was sie einmal war“, sagt Stephan Pfitzenmeier, der seit vergangenem Sommer die Geschäftsstelle des Vereins leitet. Die Abteilung der Regionalliga-Mannschaft soll bald ausgegliedert werden, überall sollen professionelle Strukturen entstehen. „Der Verein ist auf einem guten Weg, in den Profifußball zurückzukehren“, sagt Balitsch. Wie lange er selber aktiv dazu beiträgt, ist aber noch unklar.
Für die Zeit nach seiner Spieler-Karriere hat er sich bereits verschiedene Optionen zurecht gelegt: Als Experte arbeitet er seit Sommer bei der ZDF-Sportreportage und assistiert Fußball-Kommentator Béla Réthy. Zudem hat er Sportmanagement studiert und einen Trainerschein. Sein Spieler-Vertrag läuft zunächst bis zum Sommer. Wenn in ein paar Jahren die Leute sagen würden, dass damals mit dem Balitsch der Erfolg zurückgekommen sei, dann sei er zufrieden. „Ich finde es spannend, Teil dieser Entwicklung zu sein und habe ein gutes Gefühl dabei, hier etwas anzuschieben.“ (dpa)