[Video] Mannheim: Jugendtrainer gesteht Missbrauch an Kindern

Über Jahre hinweg soll sich ein Jugendtrainer an minderjährigen Jungen vergangen haben. Seit dem Morgen muss sich der 43-Jährige vor dem Mannheimer Landgericht unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten.  Zehn Jungen im Alter von zehn bis 15 Jahren sollen ihm zum Opfer gefallen sein. Die Staatsanwaltschaft geht von 80 Missbrauchsfällen zwischen 2004 bis 2012 aus. Der Angeklagte habe sexuelle Handlungen vorgenommen oder an sich vornehmen lassen. Außerdem soll er 2012 einen Jungen geschlagen haben.

Der angeklagte Jugendtrainer legte über seinen Verteidiger ein umfassendes Geständnis ab. Dies erklärte sein Anwalt Stefan Allgeier. Nur einen Punkt bestreitet der Angeklagte: einen Jungen geschlagen zu haben. Der enge Kontakt mit den pubertierenden Jungen habe sich im Laufe der Zeit entwickelt, sagte Allgeier. Sein Mandant sei sich bewusst, dass er Schäden angerichtet habe. Durch sein Geständnis bleibt den Opfern eine erneute Aussage vor Gericht erspart.

Der Angeklagte hatte die mutmaßlichen Opfer offenbar in seiner Funktion als Jugendtrainer in Sportvereinen kennen gelernt. Der Mann habe eine intensive Nähe aufgebaut und diese bei der Begehung der Taten ausgenutzt, so die Anklage. Er soll die Jungen bei sich zu Hause und bei Wochenendfreizeiten missbraucht haben. Zu Details wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern, auch nicht, in welcher Sportart der Mann als Trainer tätig war. Für das Verfahren sind vier Tage anberaumt. Das Urteil  ist für den 5. Juli geplant.

Der Mann sitzt seit Herbst 2012 in Untersuchungshaft. Zuvor hatte ihn die Mutter eines Jungen angezeigt. Daraufhin meldeten sich weitere Eltern. Bei Vernehmungen habe der Mann die Vorwürfe bestritten oder geschwiegen, sagte Andreas Grossmann, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.

Im Internet soll der Angeklagte laut Medienberichten über sich geschrieben haben: „Ich lächle, bin mitfühlend und ersetze Eltern wie Kindern gern den Psychiater.“ Zudem behauptete er, über magische Fähigkeiten zu verfügen und Gedanken lesen zu können.

Die Höchststrafe für sexuellen Missbrauch von Kindern beträgt zehn Jahre. In Betracht komme auch eine Sicherungsverwahrung, sagte Staatsanwalt Grossmann. Um die Gefährlichkeit des Angeklagten einzuschätzen, soll in dem ein Gutachter gehört werden.

Sechs Anwälte vertreten in dem Verfahren die Interessen der mutmaßlichen Opfer. Einer von ihnen ist Rechtsanwalt Steffen Lindberg aus Mannheim. Sein inzwischen erwachsener Mandant sei sehr angespannt. „Er hofft, dass der Angeklagte ein Geständnis ablegt, damit ihm eine Aussage vor Gericht erspart bleibt“, sagte Lindberg.

Vor Beginn des Prozesses war davon auszugehen, dass bei dem Prozess die Öffentlichkeit in weiten Teilen ausgeschlossen wird.