Mannheim: RNV setzt im Nazi-Skandal auf externe Hilfe

Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) sieht sich derzeit mit schweren Vorwürfen gegen das Unternehmen und einzelne Mitarbeiter konfrontiert. Heute am späten Nachmittag fasste Martin in der Beek, der Technische Geschäftsführer, den Stand der internen Ermittlungen im sog. Nazi-Skandal zusammen und stellte zeitgleich die Mannheimer Rechtsanwältin Ruhan Karakul vor, die die Aufarbeitung der Vorwürfe begleiten soll. „Es ist unerträglich, was man hier erfahren muss“, zeigt sich Martin in der Beek betroffen. „Ich hätte nie erwarten, dass so etwas in einem Verkehrsunternehmen in dieser Art stattfindet.“ Gleichzeitig verspricht in der Beek rückhaltlose Aufklärung. „Das sind wir der Öffentlichkeit schuldig, das sind wir unseren Fahrgästen schuldig, und das sind wir auch den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schuldig, die sich derzeit große Sorgen machen.“

Ende April hatte die rnv Hinweise auf belastendes Videomaterial erhalten. Wegen der schlechten Qualität des sei allerdings eine bild- und tontechnische Aufarbeitung des Materials in Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister nötig. Mittlerweile habe die interne Aufklärung zu ersten Erkenntnissen geführt. So gebe es konkrete Hinweise auf Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter. Drei Mitarbeiter wurden vom aktiven Dienst abgezogen. Der überwiegende Teil des Materials liefert nach Aussage des Unternehmens wenig belastbare Beweise, bietet aber dennoch Hinweise auf einen weiteren möglichen Täterkreis. Es bestehe vor allem ein begründeter Verdacht auf rassistische Ausfälle und rassistisch motiviertes Mobbing.

Bei der internen Aufarbeitung sei das Unternehmen nun laut in der Beek an Grenzen gestoßen. „Die letzten Tage waren für mich und mein Team sehr belastend und wir haben konstatieren müssen, dass wir das nicht mehr alleine leisten können“, räumt in der Beek ein. Die weiteren Ermittlungen sollen deshalb nun durch externe Experten durchgeführt werden. Geleitet werden die Untersuchungen durch die Mannheimer Rechtsanwältin Ruhan Karakul, die derzeit als Justiziarin des Zentralrats deutscher Sinti und Roma in Heidelberg tätig ist und ihre Rolle als Ombudsfrau ehrenamtlich übernimmt.

„Rassismus darf weder in Unternehmen, noch sonst wo in der Gesellschaft geduldet werden“, so Karakul. Bei ihrer Arbeit will sie daher verschiedensten Fragen nachgehen, beispielsweise wie es überhaupt so weit kommen konnte, welches Ausmaß die Vorfälle hatten und ob Fehlverhalten schneller hätte bekannt werden können. Bei ihrer Aufklärungsarbeit wird sie durch ein Team der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young unterstützt. Bei der Einordnung des Falles ist Karakul realistisch: „Die Gesellschaft ist nicht frei von Rassismus. Und natürlich transportiert sich Rassismus daher auch so in ein Unternehmen“, so Karakul. „Ich kann nicht sagen, dass das ein Novum ist, aber wir müssen dieser Sache auf den Grund gehen und im Anschluss Aufklärungsarbeit leisten.“ (wg)