Mannheimer: Frauen sollten sexuelle Übergriffe anzeigen

Nach dem Sexualmord an einer Austauschstudentin in Mannheim hat die Polizei Frauen aufgerufen, sexuelle Übergriffe konsequent anzuzeigen. „Ein Täter startet ja nicht gleich mit einem Mord“, sagte der Vize-Chef des Mannheimer Polizeipräsidiums, Thomas Köber, der Nachrichtenagentur dpa. Nach dem Mord an der 20-jährigen Litauerin Anfang Oktober hätten sich viele Frauen bei der Polizei gemeldet und von Übergriffen berichtet, die
sie zuvor nicht gemeldet hätten. Das zeige, wie hoch die Dunkelziffer sei. „Wenn sich die Frauen früher melden würden, hätten wir die Chance, einen Täter abzufangen, bevor etwas Schlimmeres passiert.“
Der Sexualmord an der Austauschstudentin hatte über die Grenzen der Region hinaus große Bestürzung und Anteilnahme ausgelöst. Nach einem Filmabend an der Uni war die junge Frau auf dem Heimweg erwürgt und vergewaltigt worden. Die Polizei kam dem mutmaßlichen Täter nach 16 Tagen auf die Spur. Der Druck für die Ermittlungsgruppe „Cäsar“ war groß: Es sollte unbedingt verhindert werden, dass der Mann wieder nach demselben Muster zuschlägt. „Die Befürchtung war da, dass es sich nicht schnell klären lässt“, sagte Köber.
Die Begegnung zwischen dem Täter und der Studentin sei den Erkenntnissen zufolge absolut zufällig gewesen. Die 20-Jährige war spätabends allein unterwegs und hatte ihre Umgebung anscheinend nicht genau im Blick, wie Köber sagte. „Es war eine Verkettung unglücklichster Umstände.“
Der stellvertretende Polizeipräsident riet Frauen, abends stets in Gruppen den Heimweg anzutreten und wachsam zu sein. Auch Selbstverteidigungskurse seien sinnvoll: Werde eine Frau angegriffen, könnten ihr die vermittelten Tipps vielleicht das Leben retten. Mit Blick auf die getötete Studentin sagte er: „Wenn sie von vornherein geschrien hätte, ganz laut, hätte er vielleicht von ihr abgelassen.“
Zugleich warnte Köber aber davor, hinter jedem Gebüsch einen Sexualmörder zu vermuten. Einen vergleichbaren Sexualmord habe es in Mannheim zuletzt im Jahr 2003 gegeben, sagte er. „Es ist keine Regeltat, es ist ganz extrem.“
Die Polizei fasste den 40 Jahre alten mutmaßlichen Täter im rheinland-pfälzischen Grünstadt. Ein Geständnis gibt es nicht. Doch Köber zeigte sich zuversichtlich: „Die Beweislage ist gut. Da kommt er nicht raus.“ In der Wohnung des Verdächtigen, der Verwandte in Mannheim hat, fanden die Ermittler unter anderem das Handy und einen USB-Stick der Studentin. An der Leiche entdeckten sie Spermaspuren des Mannes. Die 20-Jährige war erst kürzlich für einen
Auslandsaufenthalt nach Mannheim gekommen.(dpa)