Mannheimer Schillertage starten mit Endzeitperformance

Mit der mehrstündigen Endzeit-Performance «Das Heuvolk» des dänisch-österreichischen Künstlerduos Signa sind in Mannheim die 19. Internationalen Schillertage eröffnet worden. Für das Stück über eine isolierte Glaubensgemeinschaft wurden Zuschauer am Freitagabend im Bus zu einer früheren US-Militärkaserne gefahren.

Im Mannheimer Nationaltheater gastierten zeitgleich die Münchner Kammerspiele ebenfalls zur Eröffnung der Schillertage mit «Maria Stuart». Beide Vorstellungen erhielten viel Applaus. Das Festival will noch bis zum 24. Juni den modernen Freiheitsbegriff ausloten.

Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels von 2011, der Algerier Boualem Sansal, nutzte eine Rede am Eröffnungsabend zur Anklage gegen Mächtige und Herrschende. «Ich bin entsetzt über das System der Verdummung», sagte der 67-Jährige. Senioren würden heute etwa immer öfter achtlos in Heime abgeschoben und Menschen durch Maschinen ersetzt. «Die Wut der Völker steigt», sagte Sansal.

Mit dem Theaterfestival pflegt Mannheim auch seinen Ruf als wichtiger Ort für Friedrich Schiller, dessen «Die Räuber» 1782 in der Stadt uraufgeführt wurde. «Das Programm will einer aktuellen extremistischen und populistischen Politik mit dem Werk des Aufklärers Schiller begegnen», sagte Intendant Burkhard C. Kosminski. (lsw)