Meisterlich zum Klassenerhalt: Leutershausen sichert im Herzschlagfinale die 2. Liga

(rkü) Die SG Leutershausen spielt auch in der kommenden Saison in der 2. Handball-Bundesliga. Am Abend schlug sie in eigener Halle die HSG Nordhorn-Lingen 28:22 (12:13). Mit einer bravourösen Leistung hielten die „Roten Teufel von der Bergstraße“ den Tabellenachten in Schach und sicherten so im letzten Spiel der Saison den Klassenerhalt. Die Mannschaft feierte mit ihren Fans den Sieg wie eine Meisterschaft bis in die Nacht. Es war das Herzschlagfinale der 2. Liga – musste Leutershausen doch im Fernduell gegen den SV Henstedt-Ulzburg bestehen. Nach der Partie brachen alle Dämme – Linksaußen Niklas Ruß brachte direkt nach der Schlusssirene nur ein atemloses: „Wahnsinn, überragend, geil!“ hervor – zu reflektierten Analysen war im Moment der völligen emotionalen Aufladung keiner in der Lage.

Das Spiel in der bis auf den letzten Platz besetzten Heinrich-Beck-Halle begann in einer positiven Grundstimmung: Gut gelaunt, aber voll auf diese wichtigste Partie der Saison konzentriert präsentierte sich die SGL in den ersten Minuten. Die Körpersprache verriet: „Wir wollen hier heute nichts anbrennen lassen.“ Allein die spielerische Umsetzung spiegelte dieses Gefühl zunächst nicht wider: Etwas zu nervös ließ sich die SGL in der Offensive mehrfach zu technischen Fehlern hinreißen, das verschaffte Nordhorn Vorteile. Dagegen stand die Abwehr der „Roten Teufel“ vergleichsweise stabil. 3:5 lag Leutershausen nach zehn Minuten im Hintertreffen. Zu gleichen Zeit stand es im Spiel des SV Henstedt-Ulzburg gegen den ThSV Eisenach 5:5, nach der Blitz-Tabelle wäre Leutershausen jetzt abgestiegen, Ulzburg weiter in der 2. Liga – so eng lief das Fernduell zwischen den Badenern und den Nordlichtern aus Schleswig-Holstein.

Nach 14 Minuten der Ausgleich in Leutershausen, Jonas Gunst traf zum 5:5, Henstedt-Ulzburg 6:8 gegen Eisenach hinten, damit war Leutershausen wieder in der 2. Liga – die Nerven in der Heinrich-Beck-Halle waren zum Reißen gespannt. Doch je enger das Duell wurde, um so besser fand Leutershausen ins Spiel. Sieben Paraden von Roko Peribonio in der ersten Viertelstunde gaben dem Team Sicherheit, im Angriff lief jetzt mehr zusammen, und nach 17 Minuten holte Leutershausen erstmals die Führung – 7:6. Die HSG dachte aber nicht daran den Bergsträßern das Feld zu überlassen. sie kämpften sich zurück und eroberten auch wieder die Führung. Es entwickelte sich ein attraktives und schnelles Handballspiel, dem besonderen Tag würdig. Unterdessen bahnte sich im Norden Deutschlands eine deutliche Schlappe für den Konkurrenten SV Henstedt-Ulzburg an: 11:17 lag der Sportverein zur Halbzeit gegen Eisenach zurück. In Leutershausen gingen die Mannschaften beim Stand von 12:13 in die Kabinen. Verlören beide Mannschaften, stünden die „Roten Teufel“ auf Nichtabstiegsplatz 17. Zur Pause also alles im grünen Bereich für die SG Leutershausen.

Die erste Phase nach dem Wiederanwurf nutzten die Hausherren zu einem Blitzstart: Sie drehten das Spiel, gingen 15:13 in Führung und bauten den Vorsprung dann noch auf 18:15 aus. Die HSG Nordhorn-Lingen nahm die erste Auszeit der zweiten Hälfte. Laut wie nie in dieser Saison dröhnten die Fangesänge jetzt von den Rängen. Und sie steigerten sich noch – etwas, als Jonas Gunst in einem sehenswerten Tempogegenstoß durchtankte und traf oder Youngster Jan Forstbauer aus dem Rückraum höher stieg als alle Gegner und einnetzte. 23:18 hieß es nach einer Dreiviertelstunde in Leutershausen, derweil lag Henstedt-Ulzburg 20:26 zurück. La Ola rollte durch die Beck-Halle, selbst die Stimme von Hallensprecher Udo Scholz begann sich zu überschlagen. Beflügelt von der Euphorie spielte sich die junge Leutershausener Truppe immer weiter in einen Rausch und baute die Führung noch aus. Das 28:22 nach 60 Minuten mündete in unbändigem Jubel – Konkurrent Henstedt-Ulzburg muss nach seinem 30:37 gegen den Gang in die 3. Liga antreten.

„Das war mein zweites Endspiel in sechs Jahren SG Leutershausen“, meinte der scheidende Kreisläufer Philipp „Mitch“ Müller mit einigem Abstand, „das erste im ersten Jahr ging verloren – dass ich das zweite zu meinem Abschied gewinnen durfte, ist einzigartig.“ Es flossen Tränen, als er und seine Mannschaftskameraden Sebastian Brehm, Jonas Gunst, Matthias Conrad, Simon Kuch, Roko Peribonio und Ben Christian verabschiedet wurden. Sie werden in der kommenden Saison nicht mehr für die SG Leutershausen spielen. SGL-Handballchef Uli Roth dankte jedem einzelnen von ihnen und erinnerte daran, dass sie es waren, die nach der Insolvenz des Vereins 2006 den „Wiederaufbau“ vorangetrieben haben. Den Klassenerhalt am letzten Spieltag wertete er als gerechter Lohn der Mühen während der Saison: „Dass die Stimmung in der Zeit, als wir den letzten Tabellenplatz inne hatten, nicht die beste war, ist klar. Aber wir haben nicht die Nerven verloren, wir haben an Weihnachten keine neuen Spieler verpflichtet, sondern haben unserem jungen Team vertraut, es weiter aufgebaut und damit letzten Endes Erfolg gehabt.“

Die Fete in der Heinrich-Beck-Halle dauerte bis in die frühen Morgenstunden, war für die „Roten Teufel“ aber nur der Auftakt für die „Regeneration“ nach einer harten Saison: Noch in der Nacht brach die Mannschaft zur gemeinsamen Abschiedsfahrt Richtung Mallorca auf.

SG Leutershausen: Peribonio, Hübe, Christian, Frietsch 2, Gunst 7/5, Müller 2, Forstbauer 4, Ruß 3, Prestel 4, Volk 4, Conrad, Engels 2, Kohlbacher.

HSG Nordhorn-Lingen: Buhrmester, Bartels, Verjans 6, Wilmsen, Mickal 1, Miedema 1, Meyer 2, Schagen 3, Trodler, Terwolbeck 1, de Boer 1, Rigterink, Wiese 7