Nach 1:1 gegen Sandhausen: KSC-Coach beklagt Überheblichkeit

Der Karlsruher SC verschenkte im badischen Zweitliga-Derby beim SV Sandhausen in der Schlussphase den Sieg. Doch Trainer Markus Kauczinski sah den Grund am Freitag vor allem in den Schwächen vor der Pause: «Das war keine Verunsicherung, das war Überheblichkeit.»

Sandhausen (dpa/lsw) Die Spieler des Karlsruher SC hatten sich schon in der Halbzeitpause des Zweitliga-Derbys beim SV Sandhausen eine deftige Kabinenpredigt ihres Trainers anhören müssen. Markus Kauczinski passte es nicht, dass seine Profis am Freitag beim 1:1 (0:0) in den ersten 45 Minuten besonders im Mittelfeld fahrig und unkonzentriert aufgetreten waren. Vom erfrischenden Schwung des Aufsteigers zum Saisonstart war im Baden-Duell vor 10 600 Zuschauern über weite Strecken nichts zu sehen gewesen.

«Das war keine Verunsicherung, das war Überheblichkeit. Wir haben die Basis zwischendurch vergessen», schimpfte Kauczinski. Um nicht noch mehr Punkte herzuschenken, will der 43-Jährige so etwas künftig nicht mehr geboten bekommen. Zwar hatte der KSC, der mit einer Zwischenbilanz von acht Punkten aus fünf Spielen dennoch gut dasteht, in den Wochen davor guten Fußball gezeigt. «Wir sind aber keine Über-Truppe. Wir müssen alle zusammen am Limit spielen, um richtig gut sein zu können. Dieses Limit haben wir heute nie erreicht», sagte Kauczinski, der unter der Woche seinen Vertrag bis 2016 verlängerte.

Seine Mannschaft sei während der gesamten ersten Halbzeit unter ihren Möglichkeiten geblieben. «Wir haben nicht mit Leidenschaft nach vorne gespielt, sondern das Tempo immer wieder rausgenommen. Und das war nicht nur das Mittelfeld, das waren alle», kritisierte er. Zudem musste er mitansehen, wie der KSC nach Dimitrij Nazarovs Führungstor (57. Minute) in der Schlussphase noch unter Druck geriet und den Ausgleich durch Sandhausens Florian Hübner hinnehmen musste (88.).

Dennoch nimmt Kauczinski sein junges Team auch in Schutz und will ihm Zeit zur Entwicklung geben. «Wir wissen das einzuordnen. Die Gegner können auch alle etwas», sagte er und verwies auf die etlichen jungen Talente in den Reihen des KSC. Dass diese den einen oder anderen Fehler mehr machten oder nach ihrer Einwechslung Druck verspürten, sei völlig normal. «Das ist dann der Unterschied zwischen einem 27-Jährigen, der Millionen kostet, und einem 22-Jährigen, der ein Talent ist. Das muss man akzeptieren», betont Kauczinski. «Wir haben acht Punkte. Die hätte Sandhausen auch gerne.»

Doch die Kurpfälzer, die nur wegen des Lizenzentzugs für den MSV Duisburg in der 2. Liga blieben, warten mit nur drei Zählern weiter auf den ersten Saisonsieg – und stecken schon früh wieder im Abstiegskampf. Nach Ansicht ihres Trainers Alois Schwartz lag das Problem gegen den KSC vor allem an der fehlenden «Geilheit, das Tor zu machen». Spieler nachverpflichten will man beim SVS dennoch nur, wenn sie sofort weiterhelfen würden. Allerdings holte Sandhausen in der Sommerpause bereits 16 Neuzugänge – und gewinnt dennoch nicht.