Nach Bombenfund in Ludwigshafen: Auf Prävention kommt es an

Ein Zwölfjähriger soll versucht haben, einen Sprengsatz auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt zu zünden. Experten sind vom Alter wenig überrascht. Nur: Ist Deutschland darauf vorbereitet?

Ludwigshafen – Nach dem mutmaßlichen Anschlagsversuch eines Zwölfjährigen in Ludwigshafen sind Experten über das Alter des Verdächtigten nicht sehr überrascht – und sehen Deutschland schlecht vorbereitet.

«Es wäre nicht neu, dass Terrororganisationen versuchen, Kinder zu rekrutieren und zu instrumentalisieren», sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). «Wir werden solche Vorkommnisse nicht mit polizeilichen Mitteln verhindern können.»

Ähnlich sieht das der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow: «Bei solch einem Jungen ist das ganz schwierig: Der sitzt in seinem Kinderzimmer vor dem Rechner und hat Kontakt mit den Islamlisten», sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). Deshalb müsse die Suche nach potenziellen Tätern im Internet intensiviert werden.


Zum Thema: Der Beitrag aus RNF Life vom Freitag, 17. Dezember 2016


Für Wendt ist es auch wichtig, dass aufmerksame Eltern und Schulen und das soziale Umfeld möglichst früh Fehlentwicklungen wie Radikalisierung wahrnehmen. Spezielle Strukturen zur Vorbeugung gibt es in Deutschland für so junge Gefährdete bislang aber nicht: «Kinder sind überhaupt noch nicht im Fokus von Präventionsmaßnahmen», sagte die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam der Universität Frankfurt am Main, Susanne Schröter, der Deutschen Presse-Agentur. Bislang richteten sich die Maßnahmen an Jugendliche ab 16 Jahren. Schon in der Grundschule müsste aus ihrer Sicht begonnen werden, Widerstandsfähigkeit gegen extremistische Ideologie aufzubauen.

Gerade unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die orientierungslos und scheinbar sehr leicht zu erreichen sind, sind gefährdet, durch Islamisten inspiriert und radikalisiert zu werden, wie der Terrorismusexperte Peter Neumann vom Londoner King’s College in der Passauer Zeitung erklärt. «Nicht nur die Sicherheitsbehörden, auch die Schulen und Jugendämter sind mit diesem Phänomen noch überfordert.»

In Ludwigshafen war in Rathaus-Nähe ein Rucksack mit einem Sprengsatz gefunden worden. Ein zwölfjähriger Deutsch-Iraker soll ihn zuvor vergeblich versucht haben, ihn auf dem Weihnachtsmarkt zu zünden. Die Bundesanwaltschaft hatte Ermittlungen wegen des Bombenfundes bestätigt. Unklar ist jedoch, gegen wen ermittelt wird – denn die Strafmündigkeit beginnt erst mit 14 Jahren.

Das Magazin «Focus» hatte berichtet, dass der Junge nach Erkenntnissen der Ermittler stark religiös radikalisiert sei. Er könnte von einem unbekannten Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angestiftet oder angeleitet worden sein.

Der Junge soll laut «Focus» zunächst am 26. November vergeblich versucht haben, das mit Sprengpulver gefüllte Konservenglas auf dem Weihnachtsmarkt zu zünden und es dann am 5. Dezember in einem Gebüsch nahe dem Rathaus deponiert haben. Das Magazin beruft sich auf Angaben der Justiz- und Sicherheitsbehörden. (lrs)