Neustadt: Echte Leidenschaft für analoge Spielgeräte

Flipperautomaten hatten früher ihren festen Platz in vielen „Spielhöllen“ und Kneipen. Für Jochen Bauhoff sind sie auch im Computer-Zeitalter ein echter Hingucker. 135 Stück nennt er sein Eigen. Wenn Jochen Bauhoff seine
Flipper-Automaten einschaltet, dann blinkt es in jedem Winkel des Saals. Metallische Stimmen, gespenstisches Fiepen und andere skurrile Töne schwirren durch die Luft. Die Bilder auf den Kopfaufsätzen der Geräte reichen vom Konterfei des Jahrhundertboxers Muhammad Ali bis zum grimmigen „Terminator“ Arnold Schwarzenegger – sie thematisieren Zeitgeschichte ebenso wie Pop-Kultur. Dutzende dieser Spielgeräte stehen in der ehemaligen Kantine, die Bauhoff in einem Gewerbekomplex in Neustadt gemietet hat. „Das alles zieht mich an. Wie bei einem Magnet“, sagt der 52-Jährige lachend. Lange vor dem Siegeszug von Computer, Smartphones und Konsolen gehörte das Spiel mit der glänzenden Metallkugel schlicht zur Jugendkultur. Flipper-Automaten standen in Bahnhofskneipen, in den Foyers der Kleinstadtkinos oder auf Volksfesten. Wie zahllose Teenager in den 1970er Jahren drückte auch Bauhoff leidenschaftlich die Flipperhebel. Während die zischenden und blinkenden Spielautomaten mancherorts von der Bildfläche verschwunden sind, hält seine Liebe an. 135 Geräte umfasst seine Sammlung. „Es gibt noch ziemlich viele Menschen, die mit Flipper-Automaten positive Erlebnisse verbinden“, sagt Axel Hillenbrand, der Vereinsvorsitzende des Deutschen Flippermuseums in Neuwied. Nach seinen Angaben ist die Zahl der Museumsbesucher in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Mehrere Tausend kämen pro Jahr – zumeist im Alter zwischen 45 und 55. „Viele von ihnen wollen ihren Kindern einen Eindruck ihrer eigenen Jugendzeit vermitteln“, sagt Hillenbrand. Er betreibt auch das nahe „Flipperhotel“. Wenn Bauhoff ein interessantes Angebot aufgespürt hat, reist er auch in die Niederlande, nach Luxemburg oder nach Frankreich, um das Gerät zu bekommen. „Letztendlich gebe ich jeden verfügbaren Euro für meine Leidenschaft aus“, sagt er. Aber er kauft nicht nur, er erneuert auch. Bauhoff überholt Elektronik und Mechanik. Momentan bringt er zum Beispiel ein Gerät auf Vordermann, das der US-Zeichentrick-Serie „The Simpsons“ gewidmet ist. Noch ruht der bewegliche, gelbe Kopf der Hauptfigur Homer. Er wird ebenso wie ein Mini-Garagentor bald wieder für Bewegung auf dem leicht ansteigenden Spielfeld sorgen. Bauhoff, der früher Taxi fuhr, nutzt seine Fertigkeiten mittlerweile auch beruflich. Seit Januar wartet er Flipper-Geräte für einen Automaten-Aufsteller im baden-württembergischen Ketsch. „Wenn es irgendwo einen Fehler gibt – Jochen findet ihn“, sagt Christoph Eberlein, der 28 Jahre alte Geschäftsführer des Unternehmens. Er ist selbst Flipper-Fan. Deshalb führt er noch solche Automaten im Sortiment. „Dabei geht es weniger ums Geschäft, sondern um die Nostalgie“, versichert er.
Nostalgie hat ihren Preis. Mehrere Tausend Euro pro Gerät sind keine Seltenheit. Gelegentlich lassen sich auch fünfstellige Summen erzielen. Manche nutzten die Spielgeräte daher als Wertanlage, sagt Bauhoff. Er selbst ticke anders. Dennoch habe er vor einiger Zeit vier seiner Automaten für fast 6000 Euro verkauft. Eine Ausnahme, wie er betont. „Meine Frau war ernsthaft erkrankt, und wir mussten eine teure Arztrechnung bezahlen“, erinnert sich der Familienvater. Aber auch aus einem anderen Grund ist das Spiel mit der Metallkugel untrennbar mit der Familie Bauhoff verbunden. „Schließlich haben wir uns beim Flippern kennengelernt“, erinnert sich Claudia Bauhoff und muss lachen. Auch sie steht heute noch gerne am Flipper. Dass ihr Mann einen großen Teil seiner Zeit mit der Reparatur und Restaurierung der Automaten verbringt, toleriert sie. „Es ist eben echte Leidenschaft“, sagt sie. (dpa/lrs)