Neustadt: Kälte für Bienen kein Problem – Imker fürchten Pestizide

Der Frost der vergangenen Tage war für Bienen keine Katastrophe. „Das können die Bienen schon ab, das ist kein Problem“, sagte Klaus Eisele, der Vorsitzende des Imkerverbands Rheinland-Pfalz. Er kritisierte, dass den geflügelten Nektarsammlerinnen Pestizide zu schaffen machen. „Die Zulassungsbedingungen müssen massiv verändert werden“, forderte er. Es müsse mehr auf Langzeitwirkungen geachtet werden. Mit Blick auf den Frost sagte Eisele, solche Kälteeinbrüche habe es schon immer gegeben, alle paar Jahre folge eine Wärmeperiode auf eine Kälteperiode. „Die Honigbiene gibt es seit 30 Millionen Jahren“, betonte Eisele. Die Tiere hätten sich angepasst, sie hätten alle klimatischen Wechsel und sogar kurze Eiszeiten mitgemacht. „Für uns ist es schlimmer, wenn es einen milden Winter gibt. Dann haben wir ein Problem mit den Milben.“ Der vergangene Winter sei in dieser Hinsicht nicht schlecht gewesen. „Die, die in den Winter reingegangen sind, sind an und für sich auch alle gut rausgekommen.“ Für den Imker könne eine Frostperiode schon eher zum Problem werden. Die Bienen flögen bei Kälte nicht und „futterten“ das, was sie bis dahin zusammengetragen hätten, wieder auf. „Dann gibt es wieder eine schlechtere Ernte.“ Die bislang angefallenen Verluste könnten sie aber wieder wettmachen. Der Raps – derzeit in voller Blüte – stehe noch drei Wochen lang, „und bis dahin haben wir auch wieder ein paar warme Tage“, sagte Eisele.
Zur Honigernte in diesem Jahr wollte Eisele noch keine Prognose abgeben. Neben dem Raps seien dafür auch die Akazie, die Kastanie und der Wald wichtig. Da die Ernte von vielen Faktoren abhänge, könne man
derzeit noch nichts voraussagen. Beim Waldhonig zum Beispiel spielten die Entwicklungsschritte der Läuse eine Rolle – zum Beispiel, wie viele geschlechtsreif in den Winter gegangen sind. Dies sei aber nicht vom aktuellen Wetter, sondern vom Wetter der Vorsaison abhängig. „Und das ist natürlich regional sehr  unterschiedlich.“ Mit Blick auf die Pestizide sagte der Experte, zu 90 Prozent würden im sogenannten Bienenbrot Pestizide nachgewiesen, teilweise bis zu 20  unterschiedliche. „Und das macht natürlich die Bienen krank. Die sind nicht mehr so vital.“ Wenn dann noch andere Faktoren wie schlechtes Wetter hinzukämen, könnten die Völker Probleme bekommen und zusammenbrechen. Das sei im vergangenen Jahr so gewesen. Als Bienenbrot werden die Blütenpollen bezeichnet, die von der Biene gesammelt, bearbeitet und eingelagert werden. „Tatsache ist, dass wir ein sehr hohes Bienensterben letztes Jahr
hatten. Das ist Fakt“, sagte Eisele. Für einen Großteil seien die eingeschleppten Pestizide verantwortlich. Forscher hätten inzwischen festgestellt, dass auch Fungizide Bienen schadeten. Sie schwächten das Entgiftungssystem der Tiere, „so dass die anderen Gifte stärker wirken“.
In Rheinland-Pfalz gibt es nach Eiseles Angaben etwa 5000 Imker. Etwa zwei Drittel davon sind Mitglied im Imkerverband Rheinland-Pfalz.(mf/lrs)