Odenwaldschule: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Hiobsbotschaft kam dann doch ziemlich überraschend: Die krisengeschüttelte Odenwaldschule sieht sich wegen Geldsorgen plötzlich am Ende. Der Schlusspunkt in der Geschichte des einst geschätzten Reform-Internats, das seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals nicht mehr aus den Schlagzeilen kommt, schien noch nie so nah.

Dabei hatte die Schule im südhessischen Heppenheim erst kürzlich noch einen Erfolg bei den Finanzen verkündet, mit dem schon nicht mehr jeder gerechnet hatte. Für den Weiterbetrieb seien 2,5 Millionen Euro zusammengekommen, hieß es vor nur einem Monat. Nun zog die Schule am Dienstag die Reißleine. Das Geld sei doch nicht sicher, das aktuelle Schuljahr werde das letzte sein. Wie schon so oft in der Geschichte der über 100 Jahre alten Schule scheint es aber auch jetzt noch ein Quäntchen Hoffnung zu geben.

Nicht jeder sieht die Lage so schwarz wie die Odenwaldschule selbst. Hoffnung hat noch die Insolvenzverwaltung. Geschäftsführer Marcus Halfen-Kieper zeigte sich skeptisch. „Unser größter Kostenblock sind die Löhne und Gehälter“, erklärte er. „Unser Problem ist ein strukturelles Problem. Die Schule hätte schon viel früher eine Personalanpassung machen müssen.“ Dann noch der Missbrauchsskandal, der vor fünf Jahren hochkochte, eine Negativ-Nachricht nach der anderen lieferte und die Zahl der Schüler in der Privatschule auf einen Tiefstpunkt sinken lies. Keine Schüler, keine Einnahmen. Halfen-Kieper bedankte sich schon vor Mikrofonen und Kameras bei den Mitarbeitern – wie bei einem Abschied. „Jenseits des organisatorischen Versagens und der administrativen und finanziellen Fehler der Vergangenheit wurden junge Menschen für ihr Leben geschädigt, wurden sie zu Opfern unvorstellbarer sexualisierter Gewalt“, sagte er. „Zu diesem menschlichen Bankrott kommen nun die finanziellen Folgen.“

Auch der Kreis Bergstraße als eine der Aufsichtsbehörden gab sich pessimistisch wie selten. „Die Schüler müssen wissen, wie die Reise nach der Sommerpause weitergeht“, forderte Vize-Landrat Matthias Schimpf (Grüne). Die Zahl der Schüler sei im Keller. Insolvenzverwalterin Sylvia Rhein verbreitete allerdings Hoffnung: „Ich bin dagegen zu sagen, wir sind am Ende.“ Viel Zeit zur Rettung der Schule gebe es nicht, ein Plan für die Zukunft müsse kurzfristig her. Ganz unmöglich sei das aber nicht. „Die Odenwaldschule hatte einmal einen guten Ruf.“ Am Ende der Pressekonferenz schien Geschäftsführer Halfen-Kieper dann doch noch ein bisschen mehr Zuversicht zu haben als zu Beginn der eilig einberufenen Runde. „Ich wünsche mir, dass Sylvia Rhein den gordischen Knoten doch noch durchschlägt“, sagte er. (lsw)