Frankenthaler Frauenarzt-Prozess: Anklage will vier Jahre Haft für Arzt

Der Frauenarzt, der heimlich Tausende Intimbilder von Patientinnen gemacht haben soll, muss nach dem Willen
der Staatsanwaltschaft zu vier Jahren Haft verurteilt werden. Für den Gynäkologen solle außerdem ein Berufsverbot verhängt werden, sagte Staatsanwältin Anne Wolf am Mittwoch in ihrem Plädoyer vor dem
Landgericht Frankenthal. Mit seinen Foto- und Videoaufnahmen habe der Arzt aus Schifferstadt mehr als 1400 Mal den „höchstpersönlichen Lebensbereich“ seiner Patientinnen verletzt. Außerdem habe er in elf Fällen seine Patientinnen sexuell missbraucht. Die Vertreter der Nebenklage schlossen sich diesen Forderungen und deren Begründung weitgehend an.
Die Anwälte von früheren Patientinnen sagten übereinstimmend, diese wollten bis heute keine gynäkologische Praxis mehr aufsuchen oder seien nur noch bereit, sich von einer Frau untersuchen zu lassen.
Entsprechend sei auch der Schaden im Bereich der Gynäkologie. Der Angeklagte hatte die Fotos und Videos bereits eingeräumt und die betroffenen Frauen um Verzeihung gebeten. Die Vertreter der Nebenklage hielten das jedoch für unglaubwürdig. Die Entschuldigung sei zu spät und zu unspezifisch gewesen und offensichtlich nur dem Druck des Verfahrens geschuldet, sagte einer der Anwälte. Ein anderer erinnerte daran, dass seine diesmal abwesende Mandantin unter dem Eindruck eines früheren Verhandlungstags zusammengebrochen sei und mit dem Krankenwagen habe abgeholt werden müssen. Ein weiterer Anwalt sagte, ein vollständiges Geständnis hätte ein kürzeres Verfahren mit weniger ausführlichen Darstellungen der Vergehen ermöglichen können.
Laut Staatsanwältin Wolf hatte der Arzt auch gegen das Waffengesetz verstoßen. Das Gericht hatte zuvor die Schilderung des Angeklagten bestätigt, er habe zwei Revolver von einer Patientin zur Verwahrung übernommen, um deren suizidgefährdeten Mann zu schützen. Einen Antrag der Verteidigung, in einem weiteren Gutachten erneut die Schuld- und Steuerungsfähigkeit des Arztes zu prüfen, lehnte das Gericht ab. (dpa)

 

 

6. November 9:53 Uhr

Frankenthal. Der Frauenarzt, der im pfälzischen Schifferstadt heimlich Zehntausende Intim-Fotos von Patientinnen gemacht haben soll, ist nach Darstellung seiner Verteidigung vermindert schuldfähig. Dazu solle ein Gutachten erstellt werden, beantragte der Anwalt vor dem Landgericht Frankenthal. Der Angeklagte habe bereits eine stationäre Therapie gemacht. Der Arzt soll in seiner Praxis mit einer Digitalkamera Fotos in der Umkleidekabine und im Untersuchungsraum gemacht haben. In mehr als 1400 Fällen wird ihm eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs der Frauen vorgeworfen. Zudem wird ihm sexueller Missbrauch in zehn Fällen zur Last gelegt. feh